30.12.2018 – Koller, Kultur, Kant

(irgendwas mit spät aber lang geschlafen)

Die Liebste stellte fest:Ich bekomme langsam Lagerkoller!“ Also raus, an einem Sonntag ohne natürliches Licht vielleicht am besten ins Museum? Und wo wir eh am frühen Nachmittag am Bahnhof in Dortmund die Reisende wieder abholen mussten, vielleicht eines im Ruhrgebiet?

Museum Folkwang in Essen also, es war Jahre her, das ich da war. Aber da hängen zwei Bilder von Franz Marc (die mich eigentlich immer glücklich machen), ich erinnerte mich an die tolle Architektur des Baus – also auf, auf und davon!

Ich kann das Museum nur empfehlen. Und auch für Kunst-Skeptiker ist es durchaus einen Blick wert: Die ständige Ausstellung ist kostenlos zu besuchen, man vergibt sich also nichts, wenn man einfach mal reinschaut. Ich selbst stellte heute fest, dass ich offensichtlich nicht in Bilderlaune war, ich fand alles doof. Aber das macht ja nichts, solche Tage gibts ja auch.

Der Ticker auf Welt-TV meldet: Kramp-Karrenbauer in Umfrage vor Spahn und Merz in der K-Frage. So wie ich das sehe exakt um zwei K, jaja.
(Haben wir den Kalauer des Tages auch geschafft.)

Die Reisende erzählte auf dem Rückweg vom Bahnhof von der leckeren Ente, die sie essen wollten; sogar eine fast freilaufende war es gewesen, quasi eine Bio-Ente. Also fast. Was auch immer sie damit zum Ausdruck bringen wollte – es scheint mir, als ob das vermehrte Vorkommen von Kritik am Fleischkonsum im deutschen Durchschnittshirn vor allem eins macht: Man schiebt in seine Erzählungen über das leckere Fleisch einen kurzen Rechtfertigungs-Halbsatz ein und hat dann aber auch wirklich genug Rücksicht genommen. (Wenn wirklich alle, die gegenüber mir schon behauptet haben „nur Bio-Fleisch vom Metzger nebenan“ zu essen das auch täten, gäbe es keine Massentierhaltung mehr. Und mehr Metzger.)
Erinnert mich an die Neunziger als alle begannen, in ihren Seminararbeiten zu erwähnen, dass „Frauen natürlich mitgemeint“ waren.

Dass sie dann vergessen hatten, den Ofen anzustellen, sich Pizza bestellen mussten und das Tier vermutlich auf dem Müll gelandet war, setzte der Traurigkeit der Anekdote nur noch die Krone auf.

Viele trotzige Tweets von Menschen gelesen, die jetzt aber „jetzt erst Recht“ böllern wollen. Himmel, wie bringt man Menschen bloß bei, mal mehr als den Tellerrand ihrer eigenen kleinen Suppenschüssel zu sehen?
Ich habe ja irgendwann festgestellt, dass mir als Leitlinie fürs Leben der kategorische Imperativ wirklich Halt und Richtung gibt – und dann ist so etwas wirklich schwer auszuhalten.

Weiter am Remix gearbeitet. (Für Neugierige: Den Bass gedoppelt und eine Oktave höher nochmal drüber gelegt. Das Klavier aus dem Frequenzgang von Frau Stones Stimme genommen. Eine Backing-Vocals-Spur wieder gelöscht (Kill your darlings!) – das sorgt für Transparenz.)
Dann merkte ich, wie mir die Ohren zu gingen. Schon damals in den Loud Earth Studios hatte ich das erste Mal erlebt, dass auch konzentriertes Hören nur eine Zeit lang geht – damals, als ich an der Aussteuerungsanzeige sah: Die HiHat spielt – als wir sie aber nicht mehr hörten. Dann war es Zeit für eine Pause.
Überhaupt scheint mir der Zeitpunkt gut geeignet, auch mal einen kompletten Tag Remix-Pause einzulegen. Die Struktur des Songs steht so ziemlich, ich habe ein paar nette Ideen für Details gehabt; jetzt Pause.

Ein Hoch bei der Gelegenheit auf die Liebste, die klaglos in Kauf nimmt, dass hier seit Tagen immer das gleiche Lied durchs Haus schallt. Und manchmal auch über eine halbe Stunde nur der gleiche drei-Sekunden-Schnipsel. Augen auf bei der Partnerwahl, sag ich da. Gerade wo ich doch kürzlich noch auf facebook las, wie sehr Frauen darunter leiden, wenn Ehemänner Instrumente spielen.

Hurra – ein Monopoly-Doodle!

4 Kommentare

  1. Den Museumstip habe ich mir mal direkt gekrallt. Danke dafür! Ich bin für Kunst nämlich sehr aufgeschlossen, solange es nicht (mal ein kleines Ressentiment schüren) Picasso ist. Oder so eine verunstaltete Skulptur wie Beethoven hier nahe dem Rheinufer von Markus Lüpertz. (Die immer noch dort steht. Offenbar haben selbst Vandalen sowas wie Stolz.) Hier kann man sich das Objekt anschauen: http://www.stiftungkunst.de/kultur/kunstprojekte/bonn/
    Natürlich läßt sich über Geschmack schlecht streiten.
    Aber ein wenig meckern mußte ich jetzt. Lach.

    Einen guten Rutsch ins neue Jahr hatte ich schon gewünscht? Wenn nicht, dann jetzt!

    Liebe Grüße
    Franziska

    1. @Franziska: Gern, gern.
      Picasso mochte ich auch lange nicht – ich glaube inzwischen: Aus einer Art Trotz heraus, weil der ja sooo super ist und weil ihn jeder irgendwie gut findet.
      Hat sich aber gegeben, inzwischen mag ich manche seiner Bilder, manche sehr und manche eben nicht.
      Ich finde sowieso, das ein gesunder Maßstab für Kunst „mag ich“ ist, wenn man daneben noch anerkennen kann: „… ist aber bestimmt für die Epoche wichtig gewesen“ – oder so.
      (Was exakt mein Verhältnis zu den Beatles beschreibt, aber das ist ein wüster Themensprung :)) )

  2. Es scheint mir, als ob das vermehrte Vorkommen von Kritik am Fleischkonsum im deutschen Durchschnittshirn vor allem eins macht: Man schiebt in seine Erzählungen über das leckere Fleisch einen kurzen Rechtfertigungs-Halbsatz ein und hat dann aber auch wirklich genug Rücksicht genommen.

    Word!, mein Bester. Nach jüngsten Weihnachtserlebnissen kann ich das dick unterstreichen.

  3. Dein Themensprung ist dem Thema geschuldet, wo der Bogen etwas weiter gespannt worden ist. Ich mag sowas. Anders wäre langweilig, und wenn ich es nicht verstehe, wird eben nachgefragt.

    Dieser Aspekt spielt sicherlich auch mit hinein. Weil Picasso irgendwann so durchschlagend war, müßte man ihn jetzt automatisch mögen. Ich bin da mehr für van Gogh und die Brueghels zu haben. Da schließt sich also der Kreis, über Geschmäcker. Einfangen kann man mich auch mit Jim Brandenburg und Anselm Adams. Franz Marc finde ich zum Beispiel noch schick. Oder auch sowas hier, sehr organisch in sich für mein Empfinden: https://www.instagram.com/kanimblaclay/
    Man merkt jetzt vermutlich auch gar nicht, wie mir das Herz bei dem Thema aufgeht. Lach.

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