3.2.2019 – Blauverbot

(irgendwas mit zu wenig geschlafen)

Ob ich Sie alle mal langweile? Die ersten zwei Drittel des Tages boten da genug Potential für, denn: ich saß vor zwei Computern und schob Dateien von einem zum anderen, installierte Programme und richtete sie ein. Ich lasse es mal bei dieser Zusammenfassung, denn sonst passierte außer einem kleinen Mikro-Stromausfall wenig. Der war kurz genug, dass nicht mal die Radiowecker oder PCs sie bemerkten, aber lange genug, dass der Router neu starten musste und ich den Datei-Transfer von vorne begann. Grmpf.

Als es dann wirklich genug war, sind wir kurz zum See gefahren und einmal die Staumauer auf und ab gelaufen. Leider etwas zu spät, es wuerde schon dämmerig.

Nach einem dürren Sommer siehts da jetzt auch seltsam aus, da am See (das Wasser reicht eigentlich bis fast zu den Bäumen).

Dann Kuchen und eine Runde durch den Reeder und bei der besten Melanie stieß ich auf ein kleines Video (nein, nicht die Bienen, das zweite) zum Thema „Sprechen vor Menschen“ und erinnerte mich daran, wie ich dazu stand und heute stehe und wie seltsam das war:

Ich hatte nämlich immer panische Angst davor, vor Menschen zu sprechen. Ich habe es meine gesamte Schul- und Studienzeit geschafft alle Referate zu umgehen, sogar wenn es mich Noten oder eine zweite Teilnahme am Seminar kostete. Alles egal, Hauptsache nicht vorne stehen und reden.

Und dann, ich war 32 Jahre alt, saß ich plötzlich in einer Bürogemeinschaft mit ein paar kreativen Menschen, einer von denen arbeitete für eine schicke Agentur in Düsseldorf und die machten etwas, was sich Monatsvortrag nannte und grob gesagt so ging: Der Inhaber lud Mitarbeiter und Freunde ein und jemand, die sich mit etwas auskannte, erzählte den anderen davon. Das Thema war erst einmal fast egal, die Anwesenden waren klug genug die Verbindung zum Thema Kommunikation selbst zu ziehen. Ich selbst war später auch öfter da und habe Vorträge gehört über Markenrecht und Ausstellungseröffnungen, über die Ästhetik von Kino-Vorspannen (-spännen?) und auch einen von dem Mann, der die Autostadt Wolfsburg konzipiert hat. Und (Spoiler!) gehalten habe ich einen über Computer im Film. Das war aber später.

Wir in unserer kleinen Bürogemeinschaft fanden das Konzept wunderschön und wollten so etwas auch machen. Aus Gründen nannten wir es – das für die von Ihnen, die die Headline verstehen wollen – „Blauverbot“. P., also der, der das aus Düsseldorf kannte, fing an und ich sah ihm dabei zu, wie er von etwas erzählte was er sehr liebte – und ich sah, wie die anderen im Raum es spannend fanden und es machte „Klick“. Ich wollte das auch. Möglichst sofort.
Interessant, nicht?
Seitdem rede ich ziemlich gerne vor anderen Menschen. Ich weiß nicht, wie es wäre, wenn die Zahl der Zuhörer, die – sagen wir mal 100 – überstiege, aber vor kleineren Gruppen habe ich seitdem immer mal wieder und immer gerne erzählt. Und eie male, die die Lesungen live gestreamt wurden, da habe ich diese Millionen (haha) Zuschauer einfach (haha) ausgeblendet.

Beim Blauverbot habe ich auch später noch Vorträge gehört, die nicht so dolle waren und heute, beim Schauen des Videos bei Melanie habe ich den Unterschied begriffen: Ich konnte immer über Dinge sprechen, die ich mindestens mochte, wenn nicht sogar richtig gern hatte. Beim Blauverbot gestalteten später auch Menschen den Abend, die von ihrem Chef zu einem Thema beauftragt waren – und das auch ausstrahlten.

Jetzt weiß ich natürlich, ich bin ziemlich privilegiert, dass ich als Beruf an meinem Lieblings-Dings arbeite, aber vielleicht kann man trotzdem, ergänzend zu den (unfassbar guten) Tipps von Marcus John Henry Brown, noch sagen: Wenn man etwas hat, worauf man sich selbst freuen kann im Vortrag, das macht es alles besser. Wenn es nicht der Inhalt sein kann – wie wärs mit einem Easteregg? Ich kenne auch jemanden, die gerne in bester Twitter-Manier mit GIFs arbeitet.
Ach ja, genau, das auch: Gestalten Sie Ihren Vortrag doch mal ohne PowerPoint-Vorlage und 27 Bullet-Points und statt dessen mit Freude an Schönheit (bleibt eh bei der Zuschauerin besser hängen).
Kurz: Machen Sie es sich selber schön.

Ja, das war mein persönlicher, spontan entstandener drei-einviertelter Tipp zur Reduzierung von Angst vor dem Sprechen vor Menschen.

Der Rechner ist übrigens noch nicht fertig aber ich muss morgen damit arbeiten. Das wird lustig.

T minus 12 mal schlafen noch.

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