29.8.2022 – blöpblöp blibedi blipblip blip blip

Gestern war geprägt von langem Ausgleichs- und Vorbereitungs-Ausruhen, denn gestern Abend gab’s schon wieder ein Konzert. Zwei Tage hintereinander! Und dann auch noch zwei Stunden weit weg – als wären wir zwanzig oder so!
Irgendwann damals, also präpandemisch hatte die Liebste nämlich Karten für Kraftwerk bekommen, weil sie Kraftwerk schon immer so gern mal hatte sehen wollen und die Gelegenheiten dazu immer rarer wurden.
Und weil sie die beste ist und mit mir ohne Rückfragen auf absolut jedes Konzert geht, was ich vorschlage, sagte auch ich ohne nachzudenken ja. Und weil – naja nun: Kraftwerk sind halt schon Legende, nicht wahr? Ist ja doch schön, wenn man die auf der Bucketlist abhaken kann.
Das Konzert wurde überraschenderweise ein paar Mal verlegt und der Druck stieg; die werden ja auch nicht jünger.

Nun hat die Pandemie überraschenderweise auch mich ein bisschen Energie gekostet und „Corona ist vorbei – nein – doch – ah“ sei Dank, gab mir der Sommer auch nicht so viel Kraft zurück wie ich es mir gewünscht hätte und gestern hatte ich ganz schön soliden Bammel die erste Panikattacke schon zu Hause.
Zumal ich bei der Frage „Kraftwerk? Bonn?“ dummerweise so automatisch von der Venue an der Museumsmeile ausgegangen war, dass ich nicht nachgefragt hatte. Und die Liebste ja eh immer nur zu bestuhlten Konzerte geht.
Beides falsch.
So waren wir dann gestern Abend im Hofgarten auf einem für unsere Verhältnisse großen Innenstadt-OpenAir und sahen und hörten Kraftwerk. Nee stop: Sahen eine Bühne und eine Videoinstallation.

Erstmal: Das war ein wirklich super organisiertes Konzert. Im Nachhinein überrascht mich, dass nicht der erste freundliche Ordner an der Autobahnabfahrt stand.
Dann: Wir wussten es vorher gar nicht, aber wir haben Johannes getroffen und das erfreute unsere Herzchen sehr! (Sie müssen wissen: Johannes ist mein ältester „online“-Freund; den habe ich schon getroffen, als die Menschen rund um einen herum automatisch dachten, man würde zerstückelt im nächsten Schweinestall landen, wenn man Menschen aus dem Internet trifft. Also, die Menschen, die wussten, was „aus dem Internet“ bedeutet.)
Dann: Ey, ich habe Kraftwerk noch gesehen! (Ein guter Punkt für die Liste der „Wer hat die geilsten Konzerte gesehen“-Battles zwischen Musik-Nerds)
Und dann, ja sorry, unpopulär: Ich finde Kraftwerk offensichtlich sehr langweilig. Wenn eine gelangweilt auf einem Konzert steht, ist ja viel Zeit nachzudenken und ich habe allerlei versucht: Zeitlicher Kontext. Einfluss auf elektronische Tanzmusik. Schönheit der Monotonie. Schönheit der Reduktion. Aber nein, irgendetwas, was für mich essentiell bei Musik ist, fehlt mir.
Eine Stunde nach Beginn – in anderer Rechnung also also vier heftige Panikwellen später – sind wir dann gefahren, dann hatte ich keine Energie mehr zum Veratmen.
Aber wir haben Kraftwerk noch gesehen!

Serviceblog: Das war dann übrigens mein erstes Konzert, das ich komplett mit Ohrstöpseln erlebt habe und ich bin sehr froh, mir irgendwann da was offensichtlich ganz vernünftiges besorgt zu haben.

Heute sehr, sehr nach-angestrengt und erschöpft. Kleinkram gemacht. Termine dieser Woche verschoben.
Die Liebste erfreute sich derweil daran, dass unsere geliebte ehemalige Schulministerin zwar auf ihren letzten Monaten noch eine sog. „Digitaloffensive“ angeschoben hat*, die aber aufgrund von zu wenig Zeit und Ahnung jetzt mit viel Luft nach oben durchgeführt wird.
Wobei ich dazu sagen muss: Im Nachklapp, als wir uns gegenseitig unseren Tag erzählten, dachte ich irgendwann: Wenn Du einen Architekten vor eine Gruppe stellst und er soll Dir eine umfassende Fortbildung geben, dann wird das auch nicht klappen, wenn in der Gruppe von „Wir hätten die Höhlen nie verlassen dürfen“ über „Wir machen doch noch Fachwerk“ bis zu „Ich nehm ja lieber Lehm aus Mesopotamien, der hält im Sommer noch 0.3 Grad kühler und dämmt das WLAN nicht so“ alles vertreten ist.

*) Getreu dem Politikerinnen-Prinzip, noch schnell vor der nächsten Wahl etwas halbgares anzuschieben, um dann – auf Versäumnisse angesprochen – in Debatten empört sagen zu können „Wieso?Ich habe doch etwas bei dem Thema gemacht?!einself!

Zeugs

Sie hatten gesehen, dass die restlichen Konzertfotos drüben im Fotoblog sind?


Ich bin alt und Nerd genug, dass ich technisch weiß, was Multitasking bedeutet. Mein erster Computer beherrschte es nämlich noch nicht wirklich und ich habe miterlebt, wie es der richtig heiße Scheiß in der Windows-Welt wurde. Es bedeutet: Mehrere Aufgaben in sehr kurzen Rhythmen abwechselnd tun.
Überrascht? Sie hatten einen Satz mit „gleichzeitig“ erwartet? Nö, sorry. Die Rhythmen sind nur kurz genug, dass es uns Langsam-denkern gleichzeitig vorkommt.

Als es dann für menschliche Tätigkeiten der heiße Scheiß wurde, habe ich mich immer gewundert, was daran gut sein soll? Seine Tätigkeit immer wieder zu unterbrechen?
Meine rudimentären Psychologie-Kenntnisse konnten nur Schaden und keinen Nutzen erkennen, fand ich.
Offensichtlich lag ich nicht so falsch und Menschen können wirklich nicht zwei Dinge auf einmal tun. Ist aber – vor allem unter neoliberalistischen Arbeitgebern – etwas unpopulär, diese Ansicht.

Bent Freiwald hat dieses alte Wissen letztens dann auch mal in der Öffentlichkeit raus gekramt und hat natürlich kräftig Gegenwind bekommen. Und deswegen eine etwas ausführlichere Erklärung nachgelegt:

Warum wir nicht multitasken können
Die Antwort darauf ist jetzt relativ kurz: Studien zeigen, dass 97,5 Prozent der Menschen ihre Aufmerksamkeit nur auf eine Sache gleichzeitig richten können. Das wird dann zum Problem, wenn wir versuchen, zwei Aufgaben zu erledigen, die eine hohe kognitive Belastung haben. Wenn wir Dinge gleichzeitig machen, multitasken wir eigentlich nicht, wir wechseln zwischen den Aufgaben hin und her*. Unsere Aufmerksamkeit ist da wie ein Lichttechniker, der nur einen Scheinwerfer hat, um zwei Schauspieler zu beleuchten, die an zwei unterschiedlichen Enden der Bühne stehen. Gleichzeitig geht nicht. Er muss hin und her switchen. Und das hat Folgen (für uns, nicht für den Lichttechniker).
Die Forschung zeigt, dass bis zu 40 Prozent unserer Produktivität durch das Hin- und Herwechseln zwischen Aufgaben verloren gehen können.

Bent Freiwald in Theresa Bäuerleins Newsletter „was ich gelernt habe“
Du kannst nicht multitasken (mit einer Ausnahme)

(*Anmerkung: Technically ist das natürlich falsch ausgedrückt, weil wir ja gerade gelernt haben, dass Computer auch nur hin- und herschalten. Sie verlieren dabei nur keine Produktivität. Aber im Sprachgebrauch ist’s nun mal so drin …)

Danke fürs Teilhaben und Dabei-sein. Wenn Sie wollen:
Hier können Sie mir ’ne Mark in die virtuelle Kaffeekasse werfen,
Oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier ist meine Wishlist. Sie finden dort formschöne und Freude-spendende Geschenke für wenige oder auch sehr viele Euro.

9 Kommentare

  1. Juhuu, Kraftwerk.

    (wie unschwer an meinem Benutzernamen zu erkennen ist, bin ich ein großer Fan — kann aber alle verstehen, bei denen das nicht so ist)

    1. Ach schön, Du kommentierst wirklich (ich hatte es etwas erwartet 😉 )
      Ich habe ehrlich gesagt gestern Abed auch viel an Dich gedacht – wir hatten uns doch mal über DAWs unterhalten und ich habe mich durchaus auch damit beschäftigt zu analysieren, wie man so etwas (sehr ähnliches) heute in der DAW bauen kann. Und ob ich es erklärt bekäme. (Vermutlich ja)

    2. (haha, Deine Kommentare fressen zu unser aller Sicherheit Links, also zweiter Versuch: )

      https://youtu.be/2xVSXw2CHds

    3. Das ist richtig, aus Gründen tun sie das 🙂
      Und: Na sicher, Doctor Mix hat sich schon gekümmert. Obwohl mir etwas anderes vorschwebte, als ein Stück so original wie möglich nachzubauen … – na, mal sehen.

  2. Und ich habe mich sehr gefreut, euch mal wieder in echt zu sehen. Ansonsten stimme ich dir quasi bei allem zu, was du da geschrieben hast.

    Nächstes Mal wieder Monopoly.

  3. Vielen Dank für den Gehörschutz-Hinweis!
    Für welche hast Du Dich denn entschieden? Für die ,,Konzert-Stöpsel“?

    Für den März nächsten Jahres habe ich nämlich Konzertkarten (Konzert! Ich! Wo andere Menschen sind! Viele Menschen! Und laut! Manglaubt es kaum!) und ich überlege schon, was ich mir da in die Ohren stecke.

Kommentare sind geschlossen.

Die Website benötigt Cookies. Ich nutze Matomo, um zu sehen, welche Artikel Sie interessieren. Matomo ist lokal installiert, es werden keine Daten mit externen Diensten ausgetauscht oder Cookies gesetzt. Auf Anforderung können Sie zB Videos ansehen, die dann weitere Cookies setzen.