29.6.2026 – us and them

[Irgendwas mit Abkühlung und willkommen und so] Nur, damit ich es auch geschrieben hab.

Morgens als erstes ein Opfer der offenen Türen von der Fensterbank eingesammelt und mit etwas Kräftigung an die frische Luft gebracht.

Als ich zwei Stunden später nach ihr schaute, durfte ich den Moment erleben, als sie wieder abflog. Kleines, sehr großes Glück.

Der Morgen begann am Schreibtisch mit tollen Menschen im Internet, die mich geduldig durch ein Server-Admin-Problem führten, bei dem ich nicht schnell genug „ich bin aber kein Server-Admin“ gerufen hatte, als das Problem das Büro einer Kundin betrat.
Mich erinnern solche Situationen immer daran, wenn wir früher im Theaterverein nach einer Inszenierung das Theater aufräumten und alle nach 10 Minuten glaubten, wir wären fertig. Was immer daran lag, dass alle(!) jedes(!) Gerät, mit einem (Strom-)Kabel zu uns Technikern unters Mischpult gestellt hatten, damit wir zwei Techniker uns darum kümmerten. Dass wir nur für Licht und Ton zuständig waren und ebenfalls keine Ahnung hatten, wo Wasserkocher, Bügeleisen und das schöne alte Wählscheibentelefon hin gehörten – who cares, wenn man schnell mit dem Aufräumen fertig ist, nicht wahr?
Aber in den Köpfen war: Kabel = Technik.
Und heute eben: Online = Christian.

Das Ergebnis heute Morgen war angenehmerweise: Das sollte ein Microsoft-Server-Admin tun und wenn ich etwas nicht bin, dann Microsoft-Server-Admin.


In meinen Angeboten finden sich inzwischen eine Menge an Kleinigkeiten, die die Zusammenarbeit im Projekt regeln. Eine kluge Frau für die ich mal arbeitete, eine ohne Tunnelblick auf ihr Projekt und mit viel Erfahrung in vielen Branchen bekam natürlich auch so ein Angebot und lachte beim nächsten Telefonat laut und lange, denn ihr war klar, dass hinter jedem Satz eine Geschichte steckte. Und sie war klug genug die meisten aus den AGB heraus zurück zu dekodieren: „Sagen Sie schon Herr Fischer, wie viele Seiten Hand-geschriebener Texte hat Ihnen jemand geschickt? Siebzehn? Wirklich? Hahahahahahaha ……
Nun, aktuell freue ich mich jedenfalls arg darüber, dass zum Beispiel eine Mitwirkungspflicht der Kundin drin steht und zwar gleich in Kombi damit, dass sich vereinbarte Deadlines verschieben, wenn ich zB Texte, Bilder oder wasauchimmer später als vereinbart bekomme. Eine simple, an einem Zeitstrahl jedem Viertklässler problemlos zu erklärende Tatsache, die aber in manchen Hirnen verloren geht, wenn sie es aber doch jetzt eilig haben, Herr Fischer! — Versteh ich, aber Sie haben mich vier Monate warten lassen…?! — Ja, aber wir haben es doch jetzt eilig! — Wie soll ich denn die vier Monate aufholen? — Ja, das müssen Sie doch wissen, wir haben es doch jetzt eilig!

Natürlich ist die Zeitspanne „vier Monate“ nicht die echte, um die es aktuell geht, meine Güte, vier Monate, das wäre ja eine vollkommen unrealistische Zeitspanne, sie ist natürlich ein ausgedachtes Beispiel um diese Geschichte zu erzählen und so etwas würde doch niemand tun, da haben Sie Recht. In Wirklichkeit war die Deadline, bis zu der ich Daten hatte bekommen sollen, natürlich der Juni. Also Juni 2025.


Eine der lustigsten Sachen, die ich in den letzten Tagen beim Doomscrollen vorfand, war eine Umfrage über eine kleine, unwichtige Gewohnheit – sowas wie „zuerst Milch oder zuerst Tee?“, „erst Wasser oder erst Zahnpasta?“ oder „rechten oder linken Fuß zuerst?“. Kann ja bei hohen Temperaturen und dementsprechend niedriger Gehirnleistung für einen kurzen Moment ganz unterhaltsam sein.
Aber leider nein, hier ging es darum, dass neurodivergente Menschen es SOHERUM und neurotypische Menschen aber ANDERSHERUM machten. Nämlich. Und deswegen schloß jemand in den Kommentaren messerscharf und vielumjubelt, dass diejenigen, die es andersherum machten, gar keine echten NDs sein konnten. Nämlich.
Und ich musste etwas den Kopf schütteln bei der Unlogik, dass Menschen, die qua definitionem dafür kämpfen das Wissen in die Breite zu tragen, dass Menschen verschieden sind, verschieden ticken, ihre Hirne anders verdrahtet haben nun die Zugehörigkeit zum anders-Sein … lassen wir schon diese Logik kurz im Hirn nach-hallen! – die Zugehörigkeit also an einer solchen Banalität festmachen wollten und als erstes mal die Gruppe wieder zumachen, sich abschotten, Zugehörigkeitsregeln aufstellen wollten. Oder mussten.
Das Zusammenleben mit den Menschen, die wirklich etwas anders machen und in den Sommern der nächsten Dekaden bei uns einwandern wird bestimmt lustig – also man stelle sich vor, DIE gehen mit dem linken Fuß zuerst die Treppe hoch oder duschen mit dem Gesicht zum Wasserstrahl hin !eins11!!
Gute Güte.


Abends dann auf einmal Krise als ich gleichzeitig die frohe Nachricht überbringen musste, dass eine Website gehacked ist, jemand anderes plötzlich wilder Aktivismus überkam, noch jemand anderes ein bisschen weit vorgeprescht war, so dass die gemeinsame Kundin jetzt in ihrer Welt vollkommen zu Recht auf mich wartet – alles während ich eine von diesen sensiblen Mails formulierte. Folgerichtig Meltdown; bei allem, was ich mich schon wieder gut erholt habe – drei Krisen auf einmal ist zu viel. nacheinander klappt wirklich prima, aber nicht gleichzeitig.

Später Erholungspommes und dann gleich Fuppes. Sagt man das noch? Wo ist eigentlich mellcolm, wenn man sie braucht?

Schön, dass Sie dabei sind!

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