29.11.2022 – reality bites

Der November ist rum und das ist deutlich überraschender als es für jemand, der schon 50 November erlebt hat, sein sollte. Er bietet aber wieder ein paar blogbare Fragmente, die ich aber leider selbst beim besten Willen nicht mit einem roten Faden versehen bekomme.

Am Wochenende war eine Freundin da und die Liebste und sie eskalierten etwas in der Küche. Plätzchen sind – ich habe es extra nachgeschlagen – feines, kleines Gebäck mit viel Zucker, was feine Leute zum Tee nahmen; Kekse hingegen haben ihren Ursprung eher in getrocknetem Brot und sind vor allem sättigend angelegt.
Wir haben hier demnach Pläkse (oder Kektzchen?) und ich beschwere mich nicht, ganz im Gegenteil.

Frau Superhost bombardiert mich weiterhin mit Aarhuser Restaurants, die in den Weihnachtsferien gigantische vegane Menüs zum Abholen zaubern. Es scheint dort eine deutlich gängigere TakeAway-Kultur in den Restaurants zu geben als hier und – ich wiederhole mich – ich beschwere mich nicht.
Um unsere Vorfreude zu steigern (Stichwort: Fallhöhe), setzten wir uns gestern Abend nach einem nötigen TakeAway beim Möbelschweden in einen PizzaHut. Wir sind jetzt beide über 50, da sollte man mal wieder etwas Neues ausprobieren. Fazit: Ganz schön viel Geld für recht wenig hübsches Sitzen und zwar durchaus gute, aber nicht den Preis verdienende Pizza.

Kurz zurück zu den Aarhuser Restaurants: Wir hatten da ein kurzes Problem, als ich einen gesendeten facebook-Link nicht öffnen konnte. Bzw: Öffnen konnte ich schon, aber es kam kein Inhalt. Sie überlegte, was sie falsch machte, ich wusste: Gar nix, das liegt an den Einstellungen des Restaurants auf facebook, sie wollte mir das aber doch so gern zeigen und als ich das Restaurant nicht mal über die FB-Suche fand, kam ich auf die Idee, mich mit Hilfe eines VPN mal in Dänemark wohnen zu lassen. Und siehe da, das wars. Aber dann erklären Sie das einem technisch nicht ganz so fitten Menschen …

Apropos „etwas Neues“, ich hatte ja hier und da schon über die Schwierigkeiten berichtet, einen Nachfolger für das benzingetriebene Auto zu finden. Also einen, der mit Strom statt Benzin fährt, der nicht aussieht wie ein wannabe-Batmobil und auch kein deutsches upperclass-SUV-Monstrum mit den Außenmaßen eines mittleren Panzers ist. Ach ja: und bezahlbar.
Die Liebste, durchaus eine Bärin von höherem Verstand als ich, sprach zwar immer „da bewegt sich doch so viel, da spielt doch die Zeit in Deine Hände“, aber ich war durchaus nervös ob der fehlenden Aussichten.
Nun aber haben wir gleich zwei Probefahrt-Termine und ich werde berichten. Den einen spülte mir eine Instagram-Werbung ins Aufmerksamkeitsfenster und den zweiten der älteste Freund, mit dem ich gestern telefonierte. Man muss einfach nur als Audi-verwöhnter Schnösel, der ich zweifelsohne bin, seine Augen auch für asiatische Anbieter öffnen.

Dem Freund – und das war durchaus faszinierend – erklärte ich übrigens aus dem Stegreif, warum das Social Web nie funktionieren konnte und demnach nicht erst jetzt, sondern eigentlich schon immer tot war. (Er fragte etwas spöttisch „Twitter ist tot, ne?“) Während ich hier ja meine kleine, selbstbezahlte und selbst-installierte Insel der Dinosaurier füttere und Sie das zu meiner großen Freude lesen, bewies ich in vier oder fünf schnellen Sätzen, warum das alles als Geschäftsmodell im Großen noch nie funktioniert hat. Ich war selbst ganz erstaunt von mir – vor allem darüber, wie wenig mich das nur noch frustrierte.

Mein letztes Schnipselchen Alltag für heute verbindet so wunderschön Essen und moderne Medien, dass sich mir diverse Überleitungen aus der Hölle anbieten – aber ich ignoriere die tapfer. Gehen Sie also einfach zu Netflix rüber und schauen dort The Truffle Hunters – eine, ich zitiere „reizende Doku“, über ein paar alte italienische Männer, die Trüffel suchen.
Ja, das ist alles und damit das nicht zu rasant wird, ist die komplette Doku bis auf zwei seltsame Ausnahmen hauptsächlich nach dem guten alten Grundsatz „Wenn eine Kamera doch still stehen kann, muss man sie auch nicht bewegen“ gefilmt. Und all das ist unglaublich gut für die Entschleunigung.
Dummerweise nur noch bis morgen im Angebot, Sie müssen sich also etwas beeilen mit der Entschleunigung. #sosorry.
★★★★☆

Zeugs

Noch was ganz anderes: Ich hatte bestimmt aus Betroffenenperspektive schon mal meinen Unwillen über die allgegenwärtigen „Triggerwarnungen“ erwähnt – Quarks hat sich des Themas jetzt mal gründlich angenommen und erklärt, was Trigger sind und ob Triggerwarnungen sinnvoll sind. Ja, auch auf Content-Warnings bzw -Notes wird eingegangen. Abr vor allem die gründliche Erklärung, was Trigger überhaupt sind, ist sehr gut verständlich.

1) Es gibt keine Regeln dafür, wann eine Triggerwarnung eingebaut werden sollte. Das heißt: Die Urheber:innen der Videos setzen sie nach eigenem Ermessen, nahezu beliebig, ein.
2) Nicht alle, die bedrohliche Situationen erleben oder schlimme Bilder sehen, sind danach traumatisiert.
3) Das Wort Trigger wird in diesem Zusammenhang falsch verwendet.

Rebecca Deus auf quarks.de:
Was sind Trigger und können wir davor warnen?

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4 Kommentare

  1. Wir machen Theater – und haben erlebt, das zu viel Publikumsnähe bei Gewaltszenen wie zum Beispiel simpel erscheinendes Schubsen oder auch einer Ohrfeige noch weniger gut tut, wenn sie unerwartet für jemand im Publikum ein Trigger ist.

    Das hat unser kleines Theater sehr sensibiliert für das Thema.

    Und ja, das Wort „Trigger“ wird meist falsch verwendet – Du hast da eine Baustelle, also arbeite gefälligst (!) an Dir!

    1. Sorry, dass ich nachfrage, aber: Hast Du den verlinkten Artikel gelesen? Trigger sind ja eben nicht Reproduktionen eienr Situation, sondern auf den ersten Blick vollkommen unzusammenhängende andere Reize wie Geruch, Geräusch, Licht, whatever eben in der traumatisierenden Situation zufällig auch da war.
      Dieses Schema: „ich zeige keine /rede nicht über (zB) Gewalt“ ist zwar durchaus nett und verdient auch je nach Ausprägung eine Content Warning, hat aber nicht viel mit dem Vorgang des Triggerns zu tun.

    2. (Und die Fehlbenutzung „arbeite an Dir“, die kannte ich gar nicht. Aber die meinte ich auch nicht. Good God, die ist ja noch übler)

  2. Ich gestehe, ich war dem Link nicht gefolgt; aber er enthält nach Einsichtnahme tatsächlich nichts, das ich nicht darüber wusste. Ist das prüfungsrelevant? ;)

    Nein, im Ernst: Mein eigener, jahrzehntelang unbewusster Trigger war das Geräusch, das eine Küchenschublade voller Besteck und Gerätschaft beim Öffnen macht und ganz generell das geräuschvolle Hantieren in der Küche.

    Es hat tatsächlich lang gedauert, bis mir klar würde, dass ich in Stress Geräte, WEIL diese Geräusche mit meiner wutentbrannt den Kochlöffel herbeiholenden Mutter verbunden war, die mir daraufhin sehr gewalttätig den nackten kleinen Hintern verprügelt hat („versohlt“ nenn’ich es bewusst nicht, es klingt mir zu harmlos!).

    Das Trennen geschieht, weil unser Unterbewusstsein die Dinge säuberlich trennt, damit wir daran nicht völlig kaputt gehen, zur Schonung.

    Daher ist es nach meiner Erfahrung auch für den Betroffenen selbst unmöglich, Trigger zu kennen – erst Recht können Dritte das nicht für ihn entscheiden.

    Es ist definitiv eine Fehlbelegung, solche Warnungen zu setzen.

    Aber im Theater hat uns das dennoch sensibler für das Thema gemacht: Gewalterfahrungen können durchaus in inszenierter Form retraumatisierend sein. Das ist zumindest ein Orientierungspunkt – ebenso wie das anschließende Gespräch mit dem Publikum vieles auffangen kann.

Kommentare sind geschlossen.

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