28.6.2021 – Struktur, baby.

Im Kaufhaus: Die Liebste balancierte den leicht überdimensionierten Fernseher in einem absurd kleinen Einkaufswagen, als wir versuchten, vor der Horde Menschen zur Kasse zu kommen, während ich ein 2m langes Fladenbrot heile durch den Laden bringen musste. Aufgewacht.
Aha, ich bin wohl wirklich etwas aufgeregt über den neuen Fernseher, der heute kommen sollte. Erste Mail des Tages: „Hallo, Ihre Lieferung kommt voraussichtlich am Mittwoch.
Na, da hab ich ja noch zwei Nächte für wilde Träume.

Liebes 25-jähriges ich: Wenn Du älter bist, wirst Du auf einer sog. „Website“ live nach Blitzen schauen um zu wissen, ob man noch eine Runde in den Wald gehen kann oder ob das Gewitter schon zu nah ist.
Außerdem wirst Du einer Freundin, die Du noch nie gesehen hast, in kleinen Filmchen zuschauen, wie sie eine neue Küche bekommt – hauptsächlich um dabei herauszufinden, wie es Dich selbst stressen wird, wenn Du eine nächstes Jahr neue Küche bekommst. (Sehr?)

Struktur. Ich brauche Struktur. Also versuche ichs. Vor allem Abwechslung zwischen Arbeit und nicht-Arbeit ist wichtig und das kann durchaus leicht verrutschen, wenn man am Schreibtisch am gleichen Computer arbeitet, Musik macht, DVDs rippt, Internet liest, den neuen Badezimmertisch plant und nach Urlaubszielen googelt. Stellen Sie sich also vor, wie ich immer wieder Pausen mache und dabei mit dem Laptop unterm Arm nach Orten suche, die ich dann mit den verschiedenen Tätigkeiten verknüpfen kann.

Die Struktur half mir, am Schreibtisch gut vorwärts zu kommen, dem zwischendurch Rücken gutes zu tun, einzukaufen, noch im zweiten Laden nach einem neuen Milchersatz zu suchen, zu meditieren und mit der Liebsten Orgazeugs abzuhandeln und das ist deutlich mehr als schon mal. Nice.

Falls Sie es verpasst haben: Im Moment ist ja so ein Fußballgroßereignis und wir sind ja eigentlich durchaus Fußballgroßereignisgucker, aber in den letzten Tagen, beim Gucken von Vor- und Nachberichterstattung und während ich immer mehr merkte, wie ich mit den Dänen fiebere, ist mir klargeworden, warum ich Fußball in Deutschland nicht so dolle gut ertrage: Alle reden, wirken, erklären als ob Deutschland Anspruch auf den Titel hätte.
Also eigentlich genau so, wie die von uns allen so gemochten Boomer erklären, dass der SUV und zweimal Malle zu Ostern und im Herbst aber nun mal sein müssen. Nehmen Sie das mal als Theorie mit und hören Sie dann den Fachleuten zu.

Zeugs:

In Utrecht fährst Du nicht mit dem Fahrrad zum Bahnhof, Du kommst mit dem Zug am Fahrradparkhaus an.

Ein Film über ein wirklich geiles Konzept, um in Utrecht Autos aus der Innenstadt zu bekommen und die Fahrt mit dem Fahrrad zum Bahnhof zu erleichtern. Beeindruckend.


Und apropos „Innenstädte anders denken“:

2020 führte Plan International, ein Netzwerk von NGOs, das sich für Kinderrechte und die Gleichstellung von Mädchen und Jungen einsetzt, in Deutschland eine Umfrage mit knapp 1.000 Teilnehmerinnen durch: Auf einer interaktiven Karte bewerteten diese von 1.267 markierten Orten in vier deutschen Großstädten 80 Prozent als unsicher, nur 20 Prozent galten ihnen als sicher. Das liege vor allem daran, dass die Bedürfnisse von Frauen bei der Planung von Städten selten mitgedacht würden […]

Milena Bialas auf enorm-magazin.de: Wie wir Städte frauenfreundlicher gestalten

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4 Kommentare

  1. Dachte eigentlich du seiest ein Boomer, nicht? Das heisst ja erst mal nichts anderes als Jahrgang 50 oder 60 zu sein. Ich glaube mit Malle hat das wenig zu tun.

    1. Ich glaube für die wertungsfreie Version nutzt man heute wieder die lange Version „Baby Boomer“, oder? Und nee, ich bin knapp jünger.

  2. Ach, Utrecht!
    Da habe ich schöne Erinnerungen dran. Bin mal vor Jahren mit meiner damaligen Ehefrau für ein Wochenende dort gewesen und ich erinnere mich noch gut daran, wie mir mal als Fußgänger auf eine Fahrradautobahn (!) geraten sind und auch an die gigantischen Fahrradparkplätze um den Hauptbahnhof.
    Übrigens auch sonst eine sehr schöne Stadt.

    1. ach guck, da waren wir noch nicht. *schreibt sich den Ort auf die Liste der zu besuchenden Orte*
      Wobei ich finde, die meisten holländischen Orte haben etwas ganz entzückendes an sich – sehr viel kann man da gar nicht verkehrt machen …

Kommentare sind geschlossen.

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