27.4.2026 – grounded

Ab fünf angstgetrieben wach, mich aber bis acht noch mit Meditation und Musik im Bett gehalten. Dann an den Schreibtisch und alles von gestern neu gestartet – immerhin wusste ich ja diesmal, was zu tun war und sparte mir die Fehlersuche.

Noch am Freitag hatte ich eine Rebriefing-Mail an die morgens besuchten Wannabe-Kundin abgeschickt. Ich fasse gern nach ersten Telefonaten oder Treffen erst einmal zusammen, was ich so an Anforderungen verstanden habe und was ich tun kann; vielleicht auch, was ich noch an Ideen habe. Dabei stehen dann „Hausnummern“, damit die andere Seite weiß, auf was sie sich preislich einrichten kann. Wenn das abgenickt ist, kalkuliere ich nochmal richtig, um auf das gleiche Ergebnis oder etwas darunter zu kommen und schicke ein „richtiges“ Angebot. Hat auch diesmal geklappt und ick freu mir. Interessanter Job – nach vielen, vielen Dienstleisterinnen mal wieder fertigende Industrie. Noch dazu eine in einer ziemlichen Nische mit einem spannenden Werkstoff. Toll.

Für den Relaunch einer Kundinnen-Website hatte ich schon vor ein paar Jahren etwas vorbereitet und heute dann weiter gemacht; etwas, wo ich das Gefühl habe, ich könnte es noch an vielen anderen Stellen sehr nutzbringend einsetzen: Zwei Websites unter zwei Domains, die aber aus einem CMS heraus betrieben werden und die auch gegenseitig auf den jeweils anderen Datenbestand zugreifen können. Oder konkret: Die Website kann zB, ohne etwas doppelt zu pflegen, die Stellenanzeigen aus dem firmeneigenen Job-Portal auch anzeigen. Das Jobportal hingegen greift auf die gleichen Kontaktdaten der Ansprechpartner zu wie die Haupt-Site und überhaupt muss man nie mehr für zwei Websites irgendwelche Daten doppelt pflegen.

Am frühen Nachmittag stand ich irgendwie gedanklich vor der Wand und da die Liebste gerade los fahren wollte, bin ich kurzerhand mitgekommen ins Hospiz, mal wieder T. besuchen. Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr das erden kann, so ein Hospiz. Im allerbesten Sinne. So ein guter Ort.

Dann Glückscurry.

Zeugs

Auf Insta (leider vergessen wo) (Dank Anne: Hier kommt’s her) ein hübsches Schaubild gefunden, das sehr sauber eine oft gestellte Frage beantwortet: Am I mansplaining?

Ich stieß zufällig fast zeitgleich drauf, als ich bei jemandem, die gerade in einer medizinischen Ausbildung steckt, so richtig falsche Infos über Hochbegabung hörte und da kenn ich mich als zB Diplom-Hochbegabten-Fördererinnen-Gatte schon richtig aus. But she didn’t ask, auch wenn ich gestehen muss, dass ich ein paar Stunden drüber nachdachte zu fragen, ob ich’s richtig stellen dürfe.

Was meinen Sie denn? Ich erfülle definitiv das Kriterium, dass ich mehr weiß, als man durchschnittlich erwarten kann – ja, auch „a fair amount“. Andererseits ja sie ja nun gerade in ihrer Ausbildung etwas gelernt, steht also in ihrer Welt jetzt vermutlich auf dem gleichen Level. Schwierig.
Und im Zweifel lieber Klappe halten, habe ich beschlossen – unter dem Mansplaining vermeiden-Aspekt sicher richtig. Dafür steckt dann jetzt wirkliches falsch-Wissen in einem Kopf mehr. Hm


Christian, warum liebst Du Dänemark so? – Ach, geh doch zu Nessy:

Am Abend vor unserer Abreise sagte ich zum Reiseleiter: „Morgen fahren wir nicht nur 800 Kilometer nach Hause. Wir reisen 30 Jahre in der Zeit zurück.“ Damit meinte ich nicht die Digitalisierung in Dänemark. Vielmehr meine ich damit die Art, wie Dänen und insbesondere die Kopenhagener Zusammenleben gestalten. Das Design, Wege und Plätze, Gebäude für alle
[…]
In unserem Land sind Städte und Orte so gestaltet, dass sie funktionieren; dass sie effizient und vorschriftsgemäß sind. Dummerweise verhält sich der Mensch nicht normgerecht, sondern folgt seiner Intuition. In Dänemark passt sich die Stadt dem Menschen an, schafft Zugehörigkeit. In Deutschland muss sich der Mensch an die Stadt anpassen, steht der Individualismus über dem Gemeinsinn. Dieser Unterschied wirkt so fundamental, dass wir in Deutschland, selbst wenn alle Kommunen plötzlich Geld im Überfluss hätten, nur mehr von dem bekämen, was wir bereits haben: normtreu gestaltete Orte.
Bis wir diesen gedanklichen Sprung gemacht haben, werden Jahrzehnte vergehen.

Vanessa Giese:
Die dänische Entscheidung, konsequent für Wohlbefinden zu sorgen

Darüber hinaus wage ich sogar zu behaupten, dass es einen Mentalitätsunterschied zwischen den Ländern gibt, der dafür sorgt, dass hierzulande niemand diesen gedanklichen Sprung überhaupt machen will. Anpassung und Regeltreue gelten viel zu sehr als unantastbare Werte.

Was ich noch sagen wollte: Schön, dass Sie hier sind!

Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
Schreiben Sie’s auf!

Alle bisherigen Antworten finden Sie übrigens hier.

6 Kommentare

  1. Das Schaubild habe ich mir auch gemerkt. Die Originalquelle ist von 2018:
    https://www.bbc.com/worklife/article/20180727-mansplaining-explained-in-one-chart

  2. Der Punkt auf dem Diagramm mit der Frage kurz vor Entscheidungsfindung finde ich maßgeblich. Hättest Du fragen können, ob sie eine Erklärung haben will?

  3. Ich als Frau, die es schwer aushalten kann, wenn sich jemand was falsch gemerkt hat, v.a., wenn es später möglicherweise Konsequenzen hat, würde vermutlich so etwas sagen wie: „Oh, das habe ich anders gelernt/verstanden.“ Meist folgt dann eine Nachfrage oder ein Gespräch. Wenn nicht, dann halt nicht. Schriftlich hätte ich aber vermutlich keine Lust auf die Diskussion.

    Ich empfinde es durchaus als Gewinn, wenn ich auf Irrtümer aufmerksam gemacht werde. Für mich beginnt das Mansplaining erst dann, wenn ich mir dann einen längeren Monolog anhören soll, nachdem ich nicht gefragt habe. Wenn Menschen aus Angst vor Mansplaining aufhören, mich auf Fehler aufmerksam zu machen, würde ich das als Verlust empfunden (den aber paradoxerweise vermutlich leider nicht bemerken).

    1. Erstmal merci für den Input!
      Ich merke daran meine Hürde: Die Person und ich waren ja nicht wirklich in einer Unterhaltung. Sie hat halt was gepostet, was sie an dem Tag gelernt hat (und etwas sarkastisch um einen Kommentar ergänzt, egal)
      Sie hat die Comments nicht offen; ich weiß aber dass es ok ist, wenn ich dazu gelegentlich die DM-Funktion nutze, weil wir uns seit Dekaden kennen und das beide manchmal tun.

      Aber jetzt weiß ich: da ist die Grenze, die ich gefühlt habe.
      Sonst schreib ich Ihr da was launiges oder empowerndes rein und dieses Muster hätte ich da gebrochen.
      Danke für den entscheidende Gedanken-Stupser :)

Kommentare sind geschlossen.

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