Als erstes flatterte mir morgens Eva Schulz’ Newsletter in die Inbox (eh eine deutliche Leseempfehlung). Dort las ich die Frage …
Falls du ein Mann bist: Würden sich die Frauen in deinem Umfeld dir anvertrauen, wenn ihnen etwas Ähnliches passierte wie Collien Fernandes? Wie sicher bist du dir mit deiner Antwort?
Eva Schulz:
Newsletter „Was Männer tun können“ vom 26.3.2026
… und die lassen wir jetzt alle mal auf uns wirken. Also: Ein bisschen länger als das erste „na sicher“ dauert*.
Außerdem glaube ich: Wir brauchen solche Sätze gerade, um nicht in langwierige Diskussionen mit Nebenschauplätzen hier, da und dort abzugleiten**, sondern einfach mal einen starken Impuls zu setzen, einen, der auch wirken kann, ohne dass der gegenüber seine Schwäche zeigen muss. Zu diesem Zweck hatte mein Hinterkopf letztens schon die Frage …
Würdest Du Deine Tochter eine Woche mit Deinen Kumpels nach Malle fahren lassen?
… zusammen gebastelt. Aber ich glaube, wir können einen ganzen Pool solcher Augenöffner gebrauchen – Vorschläge gern in die Kommentare :)
*) Ich zum Beispiel mir zwar – Erfahrungs- & Rückmeldungs-gestützt – relativ sicher, dass ich ganz gut damit umgehen würde, wenn mir eine Frau so etwas anvertrauen würde. Aber bin mir nicht sicher, dass es alle wissen. Sprich: Ich muss mich deutlicher positionieren – also so, wie Eva es ja auch im weiteren Verlauf des Newsletters beschreibt.
**) Im heise-Forum zum Beispiel gibt es exakt zwei Diskussion-Themen bei der Nachricht, dass die EU härter gegen DeepFakes vorgehen will:
– Klappt eh nicht, was wollen die denn verbieten? Das sind doch alles Webdienste und Websites kann man nicht verbieten
– So lange ich die Bilder nicht verbreite, kann man mir das ja nicht verbieten!
Der Newsletter beginnt außerdem mit einer Anekdote, die man gut mit „achte auf red flags und vertrau Deinem Bauch“ überschreiben könnte. Oder aber auch mit „es ist nicht alles immer eindeutig und hinterher sind wir immer schlauer“. Gruß an die „ich fand Ulmen schon immer scheiße“-Fraktion.

Work: Was macht eigentlich ein Programmierer, Christian?
Er starrt lange regungslos auf den Bildschirm. Dann googelt er auf einmal wild drauflos und tippt oder copy-pastet einige Zeilen in ein Programm, das irgendwie nach DOS aussieht. Dann guckt er unzufrieden und der Zyklus geht von vorne los.
Life: Mittags kam die Liebste aus der Schule und wir absolvierten unser kleines Ferienbeginn-Ritual und freuten uns daran. Haben wir ja lange nicht gemacht.
Außerdem hatte sie Kuchen aus der Schule mitgebracht und an Kuchen können wir uns auch ganz hervorragend erfreuen.
Balance: Gaaanz eventuell mittags ein halbes Stündchen mit geschlossenen Augen auf einem Wärmekissen weggedöst. Mit Freundinnen hin- und hergeschrieben, DMt, gesprachnachrichtet*. Gute Menschen sind es und ich danke Euch für Vertrauen und dass ich Vertrauen haben kann**. Wir schaffen das.
Im Verlauf des späteren Nachmittags dann die Schilde hoch gefahren und auch meinen Urlaub eingeläutet.
Für heute Abend soll es eine Ferien-Anfangs-Pizza sein. Ich finde, die passt ganz gut an einen letzten Schultag.
*) Gruß geht raus an Herrn Buddenbohm. Also: Eh, immer, den darf man ja in seinem Engagement für ein besseres Internet nie unterschätzen – aber hier speziell wegen der Verbifizierung von Begriffen, die Mama noch nicht kannte.
**) Einem Haus-internen Ritual zufolge stemmt man an dieser Stelle jetzt empört-verzweifelt die Hände in die Hüften und ruft „Aber das ist doch nichts Wahres im Internet, Christian“, so wie eine ehemalige Freundin es mal tat, als ich versuchte, ihr Internetfreundschaften zu erklären.

Nicht weniger als „Was man 2026 über KI wissen sollte“ verspricht Philippe Wampfler und ich finde, er kriegt das gut hin:
Wer KI ausprobiert, wähnt sich immer im Rückstand. Und wer eine kritische Perspektive einnehmen möchte, muss sich oft in noch eine tiefere philosophische Position eindenken oder noch einen ökologischen oder menschenrechtlichen Schaden verstehen, vor dem die KI-Unternehmen nicht zurückschrecken. Für alle, die hier eine Pause brauchen, schreibe ich auf, was für mich die wichtigsten Punkte sind.
Philippe Wampfler:
• Über- und Unterschätzung
• Schlangenöl-Problem
• KI-Philosophie und das Geschäftsmodell
• Was kompetente Berufsleute können sollten
• KI als Machtmittel
Was man 2026 über KI wissen sollte
Mal wieder Spaß mit Karten – diesmal interaktiv. Kriegen Sie raus, welche Länder ich da auf die Höhe des Äquators gezogen und damit im Maßstab angeglichen habe? Lösung und selber spielen hier.

Schaffen wir die 3000 Streams?
Das neue Album CIRCLES & SQUARES.
Seit dem 26.1. auf diesen und allen anderen Streaming-Diensten.


Vielen Dank für den Hinweis auf Eva Schulz. Ich hab den Newsletter gleich mal abonniert.
Oh gern :) – viel Freude damit! Ich finde, das ist eine sehr kluge Frau und im Newsletter hat sie mehr Platz als in den üblichen zugespitzten Insta-Kacheln, Dinge zu bedenken.
Mein Vorschlag für Gedankenanstoß-Fragen:
– Kannst du 3 Frauen nennen, die in den letzten 2 Jahren sexualisierte Gewalt gegen sie öffentlich gemacht haben?
– Kannst du wenigstens eine Journalistin nennen, die zu dem Thema seit Jahren arbeitet?
– Kannst du einen der folgenden Begriffe erklären: Rape Culture – Himpathy – Victim Blaming?
– Weißt du, wo das nächste Frauenhaus von deiner Wohnsnschrift ist? Hast du schon mal an ein Frauenhaus oder eine Orga dahinter gespendet?
– Worum ging es im 2025 beschlossenen Gewalthilfegesetz?
– Was ist Upskirting und Downblousing und wann gab es eine Gesetzesänderung in Deutschland dazu?
Das sind jetzt die, die mir spontan eingefallen sind. Vielleicht weniger eine Verhaltensfrage, aber ich find es auch gut, wenn man die Lücken im Wissen aufzeigt, dass viele cis het Menners nicht haben, weil sie es nicht haben *müssen*
Und: schönen Urlaub!
Erst einmal vielen lieben Dank, Christian, fürs Mitlesen und hier Empfehlen! Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Und dann danke an dich, Lena, für diese Fragen. Die finde ich super – und merke, dass ich sie selbst gar nicht alle ausreichend beantworten kann. Recherchiere jetzt erstmal Frauenhäuser und Organisationen in meinem lokalen Umfeld …
Oh, sehr gern, kommt von Herzen!
Als ich noch für Jugend- und Soialamt arbeitete, da lernte ich, dass die direkten Adressen von Frauenhäusern sehr geheim gehalten werden – und ich verstand es natürlich sofort, sogar damals schon. Heute noch mehr, klar. Und hier im Kreis kann ich aktuell grade mal raus bekommen, in welchen Städten im Umkreis je eines ist. Was ich sehr gut finde.
Die Fragen sind – sorry, ich bin gerade konfus, daher eine Anmerkung zu Frauenhäusern in einem anderen Kommentar – sehr super, auch wenn ich im ersten Moment slightly etwas anderes meinte.
Deine Fragen sind ja quasi Wissensfragen, also: Fragen, wo sich Mann hätte für Fakten hätte interessieren müssen.
Ich dachte über Impulse nach, die einen Mann emotional berühren, überhaupt erstmal nachzudenken bzw mal die erste Abwehr-Schranke einzureißen, weil sie seine Lebenswelt mit dem, was geschieht, verbinden.
Ich müsste vielleicht also erst meine und dann Deine stellen :)
Ad Frauenhäuser: Dass die Adressen geheim teilweise geheim sind, klar. Soll und muss auch so sein.Ich meinte das eher im Sinne von: wenn ich eine Freundin ins nächste Frauenhaus bringen müsste – wüsste ich, ob es in meiner Stadt überhaupt eins gibt? Und wo ich das recherchieren kann? Und wissen Leute, dass viele Personen die Plätze selbst bezahlen müssen? Und wie knapp die Finanzierung generell ist? Ich hab das mit aufgegriffen, weil es eins der Beispiele ist, die Christina Clemm in ihrem – sehr guten – Buch „Gegen Frauenhass“ nennt: Es ist ewig bekannt, dass Frauen schneller aus Gewaltbeziehungen könnten, wenn die Lage von Frauenhäusern nicht so prekär wäre, dass sie immer wieder Leute abweisen müssen. Es fehlt aber der politische Wille, das zu ändern. Daher ist für alle, die jetzt irgendwas tun wollen, weil der Fall um Collien Fernandes sie entsetzt, z.B. eine gute Option, Geld ans nächste Frauenhaus bzw. den Träger dahinter zu spenden. Oder sogar gezielt Geld dafür zu sammeln. Deshalb habe ich das mit als Beispiel gewählt.
Und du hast total recht, Christian, es sind eher Wissensfragen, also eher Schritt 2. Wobei ich persönlich es schwierig finde, immer über „aber wenn deine Frau/deine Tochter/deine Schwester…“ gehen zu müssen, weil es sonst zu egal erscheint, wie es einer Hälfte der Menschheit so ergeht. Ich sehe aber ein, dass es oft nötig ist, um die Empathie zu wecken.
Eine sehr beliebte Frage für einen vielleicht auch eher emotionalen Impuls, die mWn auch manchmal in Kursen zum Thema verwendet wird, ist auch: „Welche Sicherheitmaßnahmen ergreifst du, wenn du allein unterwegs bist und sicher nach Hause kommen willst?“ Der Großteil der Männer hat meist keine besonderen Vorkehrungen, der Großteil der Frauen hat eine ganze Liste. Funktioniert aber vermutlich am besten im direkten Vergleich.
@Eva: Das freut mich!
@Frauenhaus: Ja, das ganze Drumherum sichtbar(er) zu machen, ist immer eine gute Idee.
Der Weg über die eigene Betroffenheit zu gehen – ja, es ist bitter.
Ich glaube aber – bei allen guten Argumenten, die wir nach Jahre-langer Aufklärungsarbeit haben – ist es menschlich.
Und ich für mich kann damit leben; sogar gut damit leben, weil es für mich im Gespräch mit anderen Männern eine nicht-konfrontative Möglichkeit gibt, vielleicht wenigstens mal einen Moment nachzudenken.
Dass Frauen einer solchen Unterhaltung mindestens müde sind – vollkommen klar.
Müde ist gar kein Ausdruck. Vielleicht kam daher auch mein Impuls zu den eher wissenslastigen Fragen – weil eben sehr oft auf den Einzelfall gezeigt und der dortige Täter als seltsames Monstrum geframed wird, durchaus mit ehrlich gemeintem Entsetzen. Aber da bleibt es dann stehen und geht nie auf die strukturelle Ebene.
Aber ich finde es sehr gut, wenn cis Männer untereinander über das Thema sprechen bzw. andere darauf ansprechen, von mir aus auch gern mit einem Ansatz über die eigene Betroffenheit und so nett und niedrigschwellig wie möglich. Whatever works.