26.1.2022 – reality & political bites

Wirklich treue Leserinnen erinnern sich, dass ich mich an diesem Tag des Jahres gern mal grüßend verneige: mit einem stillen Gruß und einer liebevollen Erinnerung an drei Frauen, die diesen Tag mit 15, 16 und mit 18 zu etwas Besonderem machten, weil wir an diesem Tag jeweils unsere Beziehung begannen. Zweimal übrigens sogar im selben Partykeller. Wilde Zeiten.
Ich erhebe meine müde Kaffeetasse also auf Euch und erinnere mich gern an die gemeinsame Zeit.

Aber was für ein eigenartiger Zufall.

(Nachtrag: Eine halbe Stunde nachdem ich das hier tippte, las ich in einem anderen Blog, dass der Autor an diesem Tag des Jahres eine Beziehung begonnen und später ebenfalls an diesem Tag beendet hatte.
Was für ein eigenartiger, eigenartiger Zufall.)

Den Vormittag begann ich mit Orga und Dings. Orga ist klar: Ich machte Termine, schrieb Nachfragen, koordinierte beteiligte Menschen und schob mir langsam den Kalender zu.
Mit Dings meine ich, dass das NAS nach einem Update rief, die Sicherung des Laptops Inkonsistenzen vermeldete und neu angelegt sein wollte, vor der neuen Sicherung auch das NAS, was die BackUps beherbergt, das Update wollte, das TouchPad neue Batterien wollte und so weiter.

Parallel brachte ich mal wieder meine Musik-Sammlung auf den neusten Stadt; zu lange hatte ich einer meiner Hauptquellen für neues Zeuch, die „Fünf Songs die die Welt jetzt braucht“ ignoriert.

Ich sortiere mir das dann in Monats-Playlists und das ist super.

Mittags besuchten die Liebste, die Mittwochs einen kurzen Tag hat, und ich zusammen ein leeres Café. Wir haben da einen guten Lauf, immer die Momente zu erwischen, zu denen wir komplett alleine in großen Räumen sitzen und das Konzept gefällt mir gut.
Ich gehe nämlich wirklich unheimlich gerne Essen im allgemeinen und im besonderen auch wirklich gerne frühstücken und merke: das hat mir doch etwas gefehlt.

Dann noch eines von den erfreulichen Telefonaten mit einer wannabe-Kundin *wink* und die nächsten Stunden verschwand ich im Sketch, um ein MockUp für ein Projekt anzulegen.


In meinem Kopf wabern ein paar Geschichten herum, die ich in den langen Jahren mal erlebt habe und suchen aktuell aus Gründen einen roten Faden.

Da war das Bürgerbegehren, was ich mit zwei Bekannten gegen den Stadtrat durchführte. Auslöser war die Ratssitzung gewesen, in der in zwei aufeinanderfolgenden Tagesordungspunkten zuerst 6000,- im Jahr gespart wurden. Dass dabei eine Jugendbildungsstätte, die Drogenberatung, eine Ehe-/Familienberatungsstelle, ein Sommerferienangebot für nicht verreiste Kinder und die Frauenberatungstelle über den Jordan gingen – das tat ihnen wirklich, wirklich leid. Aber die Stadt hatte einfach kein Geld, really sorry, dann Abstimmung, ja, so sei es. Gegenstimmen wurden damals erst gar nicht abgefragt, denn die CDU hatte eine absolute Mehrheit. Es tat ihnen wirklich leid. Sagten sie.
Tränen auf den Zuschauerrängen, in der Mitte der nächste Programmpunkt: Eventuell sollte in 20 Jahren eine Autobahn kommen und um vorbereitet zu sein wollte man schon mal ein Gutachten einholen, ob vielleicht an der einen Stelle im Wald ein Tunnel möglich sein. Günstige 60.000,- solle es kosten. Die Stadt ist zwar pleite, aber das müsse man sich halt leisten. Prima, allgemeines Nicken, Hände hoch, einstimmig angenommen.
Sie haben nicht verstanden, wieso sie die Menschen auf den Zuschauersitzen in dem Moment beleidigten.
Politik ohne Kontakt zum Bürger, das warfen wir ihnen vor und genügend Mendener unterschrieben es, um sie zur Neuabstimmung zu zwingen. Sie verstanden es auch dann nicht.

Da war der eine lokale Fraktionsvorsitzende, der an unserem Kaffeetisch saß. Die Liebste erzählte ihm, dass es in ihrer Schule seit Arbeitsbeginn des neuen Putz-Service nicht mehr sauber sein. Seine Antwort: „Nein, das kann nicht sein“. Die Liebste konterte: „Äh doch, ich bin da jeden Tag. Es ist dreckig
Nein, das könne nicht sein, er persönlich habe in der AG gesessen, die berechnet hatte, für wie viele Quadratmeter Raum man wie lange brauche um es zu putzen und er habe die Excel-Tabelle mit diesen Zeiten selbst geprüft, das sei alles ausreichend, folglich müsse sie sich irren, denn dort stände, dass es in den Schulen sauber sei.
Politik ohne Kontakt zur Realität, die warfen wir ihm vor – aber er verstand nicht, was wir meinten.

Zu Beginn dieses ewigen Pandemie-März da jammerte die Lufthansa, es werde ihr aber nicht so gut gehen, wenn jetzt niemand mehr fliegen dürfe. Und sie bekamen Geld, viel Geld. Die selbe Lufthansa übrigens, die wenige Wochen später anfragte, ob ich für ein Projekt nicht ein paar fähige ITler brauche, sie wolle gerne ihre Leute unterbringen; aber das ist eine andere Geschichte.
Die Lufthansa also bekam unbürokratisch und schnell viel Geld, Schulen hingegen bekamen den Tipp, dass man es mit einem warmen Pulli besser aushalte bei den Temperaturen und den offenen Fenstern; denn Geld für Luftfilter gab es erst ein Jahr später und das auch nur so eingeschränkt und verkompliziert, dass kaum jemand es abruft.
Aber damals, Anfang dieses März’ da gab es diesen Moment im europäischen Parlament als eine Reporterin einen deutschen Abgeordneten danach fragte, wie denn Deutschland konzeptionell durch die Pandemie zu kommen gedenke. Man fördere natürlich die Wirtschaft, denn wenn es der gut ginge, dann ginge es ja logischerweise auch den Menschen gut, so paraphrasiere ich den Abgeordneten mal.
Die Reporterin dankte für das Gespräch und praktischerweise lief ihr auch noch eine dänische Abgeordnete vors Mikro und die bekam flugs die gleiche Frage. Der lange März war ja noch jung, da stellte man solche Fragen noch.
Man sorge sich natürlich um die Menschen, besonders die Kinder, denn wenn es den Familien nicht gut gehe, dann könne es ja dem ganzen Land nicht gutgehen, so paraphrasiere ich mal die Antwort der dänischen Abgeordneten.

Diese Geschichten, so verschieden ihre Auslöser waren, haben natürlich einen roten Faden und ich denke, denke, denke, wie man diese Dämonen je wieder zurück unter ihr Bett bekommt.

Außerdem denke ich darüber nach, warum es uns so schwerfällt, dieses Problem als systemisch zu erkennen. Warum hat dieses Land eineinhalb Dekaden immer wieder die gleiche Regierung gewählt? Warum reicht es, wenn Politikerinnen mit schlechten Entschuldigungen vor die Kameras treten und hin und wieder mal ein Bauernopfer gehen muss – sich aber systemisch nichts ändert?
Bei den Krautreportern haben Camilla Barbarossa und Timo Mandler darüber geschrieben, warum und was wir Unternehmen verzeihen und was nicht. Mich würde arg interessieren, ob es solche Untersuchungen auch für Politikerinnen gibt.

Sie mögen das, wenn ich auch mal aus dem täglichen Alltags-Einerlei ausbreche und über Gott und die Welt nachdenke? Hier steht eine virtuelle Kaffeekasse!
Oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier ist meine Wishlist.

1 Kommentar

  1. Ich mag das alles gar nicht mehr hören. Wir sind seit langem mal wieder für ein halbes Jahr in Deutschland, und es geht mir schon auf die Nerven. Unsere 7-jährige Tochter bräuchte Hausschuhe für die Schule wurde uns vorab gesagt. Und wie ich mir naiv so denke, ach wie gemütlich, kommt die Erklärung, es werde halt nicht mehr so oft in den Klassenräumen geputzt 🤯.
    Jetzt war der Pool-Test von heute positiv, also wird morgen die Lehrerin den Schnelltest an allen Kindern durchführen. Macht das Sinn? Kann sie das bei 24 zappeligen Kindern, so dass das Ergebnis vertrauenswürdig ist? Was haben die in der Schule überhaupt für Tests? Hat die mal einer mit dem Selbsttest Test gecheckt? Mann Mann Mann

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