25.9.2020 – halbtags

Seit einiger Zeit habe ich diesen Tweet an mein Twitterprofil angeheftet …

… und als ich heute Morgen las, wie eine Lehrerin davon berichtete, wie sie gestern erst von einem Schüler [insert unterirdische sexistische Beleidigung] geschimpft wurde, um sich danach auch noch von dem Vater anschnauzen zu lassen, erinnerte ich mich warum: Nein, die Antworten auf ihren Tweet, die sagten nicht „Was eine Lauch-Familie, Du arme“, sie sagten „Hast Du denn schon einmal freundlich mit ihm gesprochen?
#notallanswers, ist klar.

Aber ich frage mich: Wann hat das angefangen, dass wir alle erstmal unterstellen, die andere wäre dumm wie ein Toast, könnte ihren Job nicht oder brauche jetzt von einer random dudette aus dem Netz einen Rat, wie sie ihren Job richtig macht?

Mir erklärte mal jemand, die mich vorher eine Stunde durch die Mangel gedreht hatte, freundlich: Twitter wäre halt wie eine S-Bahn: Da setze man sich doch auch mal zu jemandem Fremden und diskutiere mit ihm etwas. Und wenn ich das nicht haben könne, wäre ich wohl falsch da.
Ich erinnerte die zigtausend Tweets – nicht nur aber auch rund um #meetoo – die alle deutlich sagten: „Ich will im öffentlichen Raum nicht angesprochen werden!“ Aber Bigotterie gehört wohl dazu, wenn man auf Twitter die eigene Meinung als golden rule ausgöbeln will.

Entschuldigung, ich rege mich auf.

Das Auto zur Inspektion gebracht und während ich auf den Fahrer wartete, der mich wieder nach Hause bringen sollte, im Verkaufsraum umgeschaut. Ich weiß nicht ob es Zufall ist, aber diesmal dominierten wieder die Benziner. Nichts unter 180 PS wenn ich das richtig gesehen habe. Prima, damit fahre ich – in aktuellen Neuwagen-Dimensionen gedacht – wieder Kleinwagen. Find ich ok.

Eine Stunde mit einer Agentur telefoniert. Cookie-PopUps formuliert. Handlungsempfehlungen für Kundinnen formuliert.
Ich … ich … ich … Aber ich wollte doch einfach nur Hypertext schreiben.

Einen Newsletter bekommen, dass die neue Website online ist; die Website einer städtischen Einrichtung eines Nachbarörtchens immerhin. Im Impressum steht englischer Mustertext, im Datenschutzhinweis lorem ipsum.

Ah ja, vielleicht telefoniere ich deswegen eine Stunde über solche Details. Weil so peinliche Dinge dann nicht passieren.

Ab mittags kam dann endlich die Migräne richtig durch, die seit fast einer Woche lauerte. Das war nicht schön, aber ich hoffe auf ein gesundes Wochenende.
Die Liebste holte dann das frisch inspizierte Auto alleine wieder ab.

Ich war wieder für Sie in diesem Internet unterwegs:

Übers Bildblog stieß ich auf diesen Artikel von Torsten Dewi, der mich vor ein großes Problem stellt: Der Artikel ist die Antwort auf einen anderen und ich bin vollkommen dabei, wie Torsten den anderen Artikel und seine Pseudo-Argumentation auseinandernimmt. Inhaltlich bin ich allerdings überhaupt nicht bei ihm und pendelte beim Lesen also folgerichtig im Halbsekundenzeit zwischen „Ja!“ und „Nein!“.
Das trainiert die Ambiguitätstoleranz und das ist super.

Wortvogel: „Liebe Boomer*innen…“: Gegenrede


Was anderes: Finden Sie aktuelle Musik auch so furchtbar? Macht nichts, das geht uns allen so, das ist biologisch.

Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass die meisten von uns im Alter von 33 Jahren aufhören, neue Musikstücke zu hören. […] Währenddessen bleiben populäre Lieder, die in unseren frühen Teenagerjahren herauskamen, bei den Menschen in unserer Altersgruppe wahrscheinlich für den Rest ihres Lebens recht beliebt. Dafür könnte es eine biologische Erklärung geben. Es gibt laut dem Magazin Vice Belege dafür, dass sich die Fähigkeit des Gehirns, feine Unterschiede zwischen verschiedenen Akkorden, Rhythmen und Melodien zu hören, mit dem Alter verschlechtert. Für ältere Menschen könnten also neuere, weniger bekannte Lieder alle „gleich klingen“.

krautreporter: Musikgeschmack – Warum die Lieblingsmusik deiner Kinder so scheußlich klingt

Ergänzend finde ich allerdings ganz interessant, was Kiki vor ein paar Tagen verlinkt hatte: Rick Beato (den man eh abonnieren sollte, wenn man sich irgendwie für Musik interessiert) erklärt, warum Boomer moderne Popmusik nicht mögen. (Spoiler: Sie ist einfach schaize zu billig gemacht)

Rick Beato: Why BOOMERS Hate POP Music (Video, 27:26)

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8 Kommentare

  1. Hallo! Danke für die netten Worte. Nur eins dazu: „Inhaltlich bin ich allerdings überhaupt nicht bei ihm“. Ich habe mich inhaltlich letztlich nicht geäußert. Ich habe nichts gegen das Gendern von Sprache per se – ich sehe nur massive Hürden, die man nicht mit einem „das ist jetzt einfach an der Zeit“ überspringen kann. Ja, es wäre schön, wenn die guten Dinge manchmal schneller gehen würden. Aber es ist wie bei der Pizza im Ofen: Geduld. Es zählt schließlich das Ergebnis.

    1. Ah ok, das hab ich anders gelesen. Gut, ich hätts gern schneller, aber – und ich denke, das kann man hier lesen – ich mach da auch keinen Grabenkrieg draus und schätze es im Gegenteil, anedere Meinungen zu hören um mir ein Bild zu machen.

  2. Einer meiner Söhne (21) mag „Flogging Molly“ – und ich (50) dachte bei den ersten Tönen, es seien „The Pogues“.

    Ich mag „The Pogues“.

    Höre da nun ich altersbedingt keinen Unterschied? Und was ist mit den Ohren meines Sprösslings los?

    Fragen über Fragen …

  3. Ich fand der Artikel des Wortvogels über Rivva, wollte ihn bei mir erst kommentiert unter Lieblinks bringen (wegen des fabelhaften Abschnitts „Gendergerechte Sprache ist mir vergleichsweise egal, weil ich unsere Sprache nicht für grundsätzlich genderungerecht halte und außerdem kein Problem damit habe, wenn die nachfolgende Generation das anders handhabt. Weil ich (im Gegensatz zum Autor dieses Textes) damit leben kann, dass unterschiedliche Generationen unterschiedliche Prägungen nicht nur besitzen, sondern auch leben.“) und scheiterte dann an meinem Mangel an Energie und Toleranz für Diskussionen zum Thema, die ich dann garantiert wieder führen müssen würde. Ich bin eh für weite Teile vermeintlich vernünftiger Leute schon die Vorzeige-TERF, Boomer und viel zu weit rechts und „Haterin“, weil Differenzierung vielen Leuten offensichtlich zu anstrengend oder schlicht zu hoch ist. Jedenfalls: Danke fürs Aufgreifen.

    1. Tja, Differenzierung. (Da haben wir am Frühstückstisch noch über Amerika geredet und darüber, wohin einen fehlende Differenzierungsfähigkeit und fehlende Abiguitätstoleranz bringen kann, aber … naja Exkurs Ende)
      Liebe Mitlesende: Ein paar meiner besten online-Freundchaften bestehen beinahe, weil wir unterschiedliche Meinungen haben. Aber eben auch sehr viel Zuneigung und Respekt. Es ist so toll, wenns geht.

    2. Sprache im Allgemeinen und Schriftsprache im Besonderen fühlt sich für mich in den letzten Jahren immer heikler an; ich ertappe mich, beim Schreiben alle möglichen Missverstehenswege meiner Worte und Wendungen abzutasten.

      Oft führt das dazu, dass ich umformuliere, nach meinem Empfinden schlichter. Um der Chance Willen, beim Empfänger annähernd richtig verstanden zu werden.

      Da scheint mir nämlich nicht nur die „Lesen und Verstehen“-Fähigkeit flöten zu gehen, sondern, wie ich auch in der gesprochenen Sprache erlebe, der Wille und die Bereitschaft zu Differenzierung und Reflektion.

      Soeben frage ich mich, wie da eigentlich die Genderforderung hineinpasst?!

    3. Ich hab da jetzt mal ein bisschen drauf rumgedacht und glaube, dass da zwei Bewegungen aufeinander treffen:
      Zum einen die Erkenntnis, das unser Leben viel diverser ist, als wir es uns gerne mal vorgestellt haben und damit auch die Bemühung, das abbilden zu wollen.
      Zum anderen aber auch eine fehlende Bereitschaft zu Differenzierung und dazu, sich Mühe zu geben.

      Ob es da kausale Zusammenhänge gibt – ich mag es nicht ausschließen.

      Außerdem beobachte ich, forciert von den sog. „sozialen“ Medien, einen Hang dazu, dass alles was man – gerade schriftlich – äußert, gleich auch ein Statement sein muss. Zum einen, weil man ja nur 280 Zeichen Platz hat und zum anderen, weil man im Zweifelsfall auch auf einen einzigen Tweet festgenagelt wird. Wir wissen doch alle, dass es Menschen gibt, die Twitter auf Reizworte hin scannen, um sich dann da aufzuregen – vollkommen unabhängig von Person und sonstigem „Werk“ des oder der Schreibenden.
      Da ist im doppelten Sinne kein Platz für Differenzierungen.

      (My two cents 🙂 )

  4. Da! Schon wieder etwas Miss- zu Verstehendes … präziser: Wie kann ein sich in Richtung Undifferenziertheit bewegendes Vokabular gleichzeitig Differenzierung hin auf Gendergerechtigkeit fordern? Wie passt das?

Kommentare sind geschlossen.

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