Zwei Tage ohne Internet. Oder anders: Als mich Montagmittag der neurodivergente Geist endlich an das eine große dringende aktuelle Projekt heran gelassen hatte, fing ziemlich exakt zehn Minuten später die FritzBox an, rot zu blinken. Erst ca 30 Stunden später wechselte das dann wieder zu grün und da wir Telefon und TV auch übers Internet bekommen und unser Hügel hier ein sogenannter „4G ein bis zwei-Striche-Hügel“ ist, halfen auch die Handys nur wenig.
„Naja“, dachte ich mir, „ich hab ja den Medienserver im Haus stehen und da liegen ja ein paar Filme und viel Musik drauf.“
„Du willst, dass ich Dir Deine Medien zeige?“, fragte Plex und verweigerte die Arbeit, weil erstmal mein Account online hätte gecheckt werden müssen.
Hab ich halt Kuchen gegessen Vinyl gehört. Abends sind wir ins Kino gefahren, so wie früher und Der Astronaut – Project Hail Mary war ein sehr feiner Film.
Drumherum – denn ich war wirklich vollkommen arbeitsunfähig – noch unser Jahres-Fotobuch fertig gemacht.

Gerade wenn man auf eine wirkliche scheiß-Zeit zurückblickt, kann ich das nur empfehlen – jedenfalls wenn man die Dinge, die gut waren, auch mit der Kamera festgehalten hat. Wir starrten jedenfalls beide auf die 80 Seiten, die es wieder geworden sind und stellten fest, wie viel Gutes wir schlicht vergessen hatten.
Daher: Fotografieren Sie alles, was Sie tun.
Damit ich mich nicht zu sehr an eine stabile Arbeitsumgebung gewöhne, brummte mich heute dann eine Viertelstunde vor einem Zoom Nina an und erfreute mich mit einer großflächigen Stromausfalls-Warnung. Danke, Schicksal, ich hab jetzt genug.
Zeugs
Malte Welding bricht eine Lanze »für in der Familie nicht „helfen“, sondern „leben“«. Ich denke an ein paar der Corona-Trennungsfamilien, die ich im Bekanntenkreis so mitbekomme und nicke heftig. In allen war der Vater grundsätzlich schon anwesend, sicher auch gefühlt immer einer der Guten aber schon während der Ehezeit hatte ich bei allen den Eindruck, dass der Kontakt zu den Kindern ein wenig bemüht wirkte – bzw fragte mich durchaus auch schon mal, ob denn der Vater nicht merkte, wieviel die Kinder ihm zum Gefallen mitmachten, wenn sie doch eigentlich die Augen verdrehen wollten.
Nach der Trennung sitzen sie jetzt da, diese Väter und wundern sich, dass der Wochenendkontakt so zäh verläuft.
Familie besteht nicht allein aus Urlaub, Ausflug, Badetag, Toben, Fernsehabend und einer neuen Playstation 5. Familie entsteht, wenn ein Hund stirbt. Wer tröstet wen, wer ist gar nicht traurig, wer kommt zu uns ins Bett? Familie entsteht in der Versöhnung nach einem fürchterlichen Streit. In den vier Wärmflaschen, die man noch füllen muss, wenn man schon längst im Bett sein möchte. Im Umgang mit einem 5jährigen, der außer sich vor Wut ist, weil er sich mit seinem neuen Rucksack fotografieren will.
Malte Welding:
Kaum ein Grundschüler kommt nach Hause und berichtet von seinen Problemen. Die kommen auf in einem Nebensatz, wenn es schon viel zu spät ist, wenn die anderen im Bett liegen. Während der Hausaufgaben, die so viel unschöner sind als Eisessen.
Seine Familie zu lieben, heißt, das Anstrengende, das Ermüdende, das Immergleiche zu mögen.
Sind wir ein super Team?
„Und? War ich gut?“ – „Ja, Du warst super. Wie immer.“ Natürlich möchten wir das prinzipiell immer alle so hören, egal in welcher Situation. Bestätigung ist super und Menschen geben sie uns nun mal nicht immer. Vermutlich ist das ein Grund für den Trend, sich mit (s)einer „KI“ anzufreunden oder sie als Ratgeber zu nutzen. Aber ist das gesund, kann das gut gehen? Wie reagieren die üblichen LLMs auf derart menschliche Gespräche, wie reagieren sie auf Fehler? Johannes Hartl hat eine Stanford-Studie gelesen, damit wir es nicht tun müssen und die kommt zu dem nicht ganz überraschenden Schluss, dass die Benutzung von „KIs“ hier auch nur alles verschlimmert:
Immer mehr Menschen verwenden AI als Lebensratgeber. Tatsächlich macht AI uns aber tendenziell narzißtischer.
Johannes Hartl:
[…]
AI sagt Dir, dass Du Recht hast. Selbst wenn Du im Unrecht bist. Und das ist ein gewaltiges Problem.
Immer mehr Menschen verwenden AI als Lebensratgeber.
Als regelmäßiger Besucher einer echten Therapeutin kann ich Ihnen versichern: Die Stunden, in denen Sie mir am vehementesten widerspricht, in denen es am meisten weh tut, sind die mit dem besten Ergebnis.
Was für eine perfekte Überleitung. Vorgeschichte: Eine Influenzerin, die bisher hauptsächlich dafür bekannt ist, dass sie superniedlich und nett, queer und ziemlich erfolgreich ist, träumte immer davon, bei Let’s Dance teilzunehmen. Sie hielt sich zwar selbst nicht für sportlich, aber hat bisher aber immer gerne im Club und den üblichen TikTok-Challenges getanzt.
Überraschenderweise hielten sich weder Herr Lambi noch die anderen mit eigentlich freundlichen aber klaren Worten zu ihrem nicht vorhandenen Talent zurück und bei der zweiten Chance rauszufliegen, flog sie raus. Das ist alles wenig überraschend, aber wenn Sie Lust haben, einer nahezu klischee-typischen Gen-Z-Influenzerin dabei zuzuhören, wie sie selbst darauf zurückblickt und wie wenig doch die alle auf sie eingegangen sind, dann klicken sie hier.
Ich ziehe derweil gedankliche Verbindungen zu den üblichen Klagen der Schulen und Unis, dass ihre Schülerinnen/Studentinnen die grundsätzlichsten Dinge nicht mehr beherrschen und denke darüber nach, wann ein guter Punkt ist, um Menschen beizubringen, dass es verschiedene Level von Anforderung gibt. Nice to haves und objektiv notwendige – und dass es in manchen Umgebungen nicht mehr reicht, wenn man sich dolle Mühe gibt.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Kein Problem, wenn jemand nicht tanzen kann.
Aber schon seltsam, wenn ich mich in eine Situation bringe, die seit Dekaden dafür bekannt ist, dass dort (in einem Leistungssport) richtig hart gearbeitet wird und mich dann wundere, wenn ich Kritik bekomme – bzw noch schwieriger: Wenn ich mit Kritik vollständig nicht umgehen kann und nicht zwischen Bewertung von Leistung und Bewertung meiner Person trennen kann.
Und wenn Sie sich wundern, warum ich mir das angucke: Diese Frau hat Millionen von Followern und schafft mit ihrem Vorbild eine Normalität, die mich gruselt und die ich verstehen möchte; es ist also eher Gesellschafts- als Influenzerinnen-Beobachtung.
Schaffen wir die 3000 Streams?
Das neue Album CIRCLES & SQUARES.
Seit dem 26.1. auf diesen und allen anderen Streaming-Diensten.


Hilft zwar nicht nachträglich, aber vielleicht für die Zukunft. Ich verwende zu Hause für den Medienserver Jellyfin, der will nicht nach Hause telefonieren und geht auch ohne Internet (bzw. sollte, ausprobiert habe ich es noch nicht). Und von extern kann man auch zugreifen. wenn man es will (und entsprechende Weiterleitungen einrichtet etc. etc.).