Am Mittwoch außerhalb des kaum erwähnenswerten aber recht erfolgreichen Schreibtisch-Teils meinen Online-CV – wie ich ihn liebevoll nenne – aufgeräumt. Vor allem der Datenschutzhinweis und die Social-Madia-Profile brauchten ein Update. Wo ich so schön im Schwung war, auch gleich noch meine berufliche Seite mit den Referenzen aktualisiert.
Nachmittags mit dem Grafiker aus der Stadt im Lieblingscafé zusammen gesessen. Zurück zum Auto gekommen und ein Zettelchen unter dem Scheibenwischer gefunden. Kurz empört gewesen, weil ich doch EasyPark ordnungsgemäß aktiviert hatte. Aber auf dem Zettel stand, ich hätte die Parkscheibe vergessen – in other words: Fürs Parken bezahlt UND ein Knöllchen bekommen. Doof.
Abends kurz mit dem Auto unterwegs gewesen und sehenden Auges zu schnell durch die Blitze gefahren – ich hatte ein 30er-Schild übersehen und fühlte mich mit Tempo 46 richtig safe. Doof.
War wohl nicht mein Autofahr-Tag.

Insgesamt bewerte ich solche Dinge als Zeichen für die Tiefe meiner Erschöpfung, denn normalerweise passiert mir sowas nicht. Und dass ich sowohl mir als auch darauf folgend Ihnen hier als Maßstab für den Gesamtzustand präsentiere, wie gut die Arbeit wieder klappt und wir alle das als Erfolgsmeldungen verstehen, darüber können wir ja auch alle mal einen Moment nachdenken.

Außerdem war ich gezwungen, einen sogenannten Schädling zu töten, der sich sein Heim deutlich zu dicht an der Tür unter der Terrasse gesucht hatte. Der Fachdienst – der mit dem Namen, der klingt wie eine Mietpistole aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ – hatte den Garten mit Fallen bestückt und schon gewarnt, wir könnten dann irgendwo sterbende Tiere finden.
Da ich das aber bei der Wahl meiner Ernährung sehr ernst meine, dass ich nun mal keine Tiere töten möchte, hat mich das trotzdem deutlich rausgehauen.
Heute dann den Tag mit einem Zoom begonnen. Der Mensch, den ich vorgestern kennen lernte, um mit ihr zusammen zu arbeiten und ich hatten uns nach der gemeinsamen Analyse der Situation gleich mal für heute mit der Kundin verabredet, um ihr sowohl evtl. unangenehme Wahrheiten aufzuzeigen, ihr aber auch Lösungen anzubieten. Das ist eh das, was ich am Liebsten tue: Situationen analysieren und wenn es Probleme gibt, die sich in der Kunden-Kommunikation angehen lassen, Lösungen finden.
Noch viel lieber aber ist es mir, wenn ich Kundinnen habe, die plausiblen Argumenten gegenüber offen sind und auch mal eine Meinung oder eine bisher eingeschlagene Richtung ändern können; in anderen Worten: Das war ein sehr, sehr konstruktiver und angenehmer Termin und hätte mich die FritzBox nicht exakt im Abschluss-Satz rausgeschmissen … – leider nur eine glatte Eins und keine Eins plus.
Die Kundin war in einem früheren Leben mit einem ähnlichen Projekt bei einer Full-Service-Agentur gewesen und meinte gegen Abschluss unseres Zooms: „In zehn Jahren hab ich nie die Daten und vor allem nie die logischen Schlüsse daraus von denen bekommen, die ich von Euch beim ersten Treffen bekomme.“ Selbstbehudelung Ende, aber der Rat für Sie alle hier: Schauen Sie nicht nur auf das, was man Ihnen zeigt, überlegen Sie, was man Ihnen vielleicht nicht zeigt. Und wenn Sie Zahlen und bunte Kurven präsentiert bekommen, fragen Sie nach der Deutung, nicht nach der Bedeutung.
Als ich die Recap-Mail geschrieben hatte und nochmal drüber guckte, musste ich etwas selber grinsen: Ich beginne meine Mails grundsätzlich mit dem dänischen „Hej“ und mitten drin stieß ich auf das Konstrukt „By the way: Merci für den Termin heute“. Drei Sprachen auf acht Worte, mit dem Gruß dazu ganze vier Sprachen in einer Mail. Muss dringend über meinen Kopf nachdenken.
Abends unsere Smørebrød-Skills weiter ausgebaut.

Status „Coole dänische Hybrid-Watch“: Sie ist immerhin nach sechs Tagen jetzt in China durch den Zoll.
Status „mutigste Idee des Jahres“: Person eins hat gesagt: mach doch mal, Person zwei hat gesagt, sie macht mit, gerne hätte ich noch Person drei dabei, denn die kann Cello und Querflöte spielen und wie cool wäre das denn? Ich werde mich dann also mal an einer Coverversion von jemand Berühmtem versuchen.
Zeugs
Musikerinnenleben: Sie erinnern sich an Kate Nash? Die, deren Freud ihr sagte, sie solle nicht so viele Zitronen essen, damit sie nicht so bitter klänge? Die, die daraufhin auf die cracks in her foundation schaute? Kein über Dekaden durchgängig erfolgreicher Star also, aber jemand, die zumindest eine Zeit lang fett dabei war und auch als Künstlerin wahrgenommen wurde.
Die verkauft auf Only Fans jetzt Fotos ihres Hinterns und warum das so ist, erzählt sie hier. Spoiler: Nicht, weil sie keine Musik mehr macht oder weil die Fans ihre Musik nicht mehr hören möchten.
Da ich ja oben behauptet habe, dass ich Deutungen liefere, sage ich: Wir müssen uns – geblendet von TayTay* und Miley und eingelullt von tollen „aus dem Kinderzimmer in die Charts“-Geschichten wie der von Billie Eilish – von dem Gedanken verabschieden, dass man es als Künstler** heute noch „irgendwie schaffen*** kann“, wenn man nicht die Seele an sehr wenige Label und damit an einen von sehr wenigen Menschen verkauft. Neocapitalism fucks us all, ich erwähnte es schon.
*) Die tolle Geschichte der Selbstermächtigung der Taylor Swift bedeutet ja nun erstmal, dass jemand vollkommen selbstverständlich mit ihrer Kunst machte, was er und nicht was sie wollte. Und dass sie an sechs Alben einfach quasi keine Rechte besitzt und jemand anders die Millionen daran verdiente.
**) Vielleicht kann man das ja auch mal einbeziehen, wenn man Stars (in Mietkleidern und -Smokings) auf dem rotem Teppich sieht und über ihren Reichtum möppert.
***) Kurze, lustige Verbindung zur mutigsten Idee des Jahre: In einem der albernen Momente, wo man kurz träumt und vor dem Spiegel schon mal die Dankesrede an die Grammy-Zuschauerinnen übt, habe ich statt eines Blitzlichtgewitter-Traums mal kalkuliert: Angenommen, diese Cover-Version wird erfolgreich**** und verkauft sich eine halbe Million mal. Dann landen am Ende bei mir nach Steuern ca. 40.000.- Nichts, aber auch gar nichts gegen 40k – aber das ist sehr weit weg von etwas, wo vorher noch „Million“ im Wort stand. Rechnet man es um auf einen ca 5-jährigen Anlauf, der damit rück-finanziert werden müsste … vergessen wir es.
****) Wird sie nicht.
Der tägliche „KI“-Link: Sie nutzen „KI“ gar nicht dazu, um sich „total echt aussehende Kunst“ oder „wirklich schöne Musik“ erstellen zu lassen, aber Sie finden es schon praktisch, wenn Ihnen die „KI“ mal eben ein Dokument zusammenfasst? Machen Sie nur, was soll schon schief gehen?
Ich schätze ja, dass jetzt gerade die ersten Studentinnen ins Berufsleben kommen, die so studiert haben und ich könnte kaum glücklicher über etwas sein.
Das neue Album CIRCLES & SQUARES.
Seit dem 26.1. auf diesen und allen anderen Streaming-Diensten.

