24.1.2023 – Verhaltenes

Herr Buddenbohm merkt so ganz richtig an, dass verhaltener gebloggt wird und ich möchte das mit den folgenden Worten beantworten: Es wird verhaltener gelebt, zumindest hier im Haus. Und da trotz aller Abgestumpftheit gegenüber der Nichtwichtigkeit des Tagebuchbloggens, trotz des wie ich hoffe meist vorhandenen Talentes, in total banalen Alltäglichkeiten einen des Niederschreibens werten Gedanken zu finden, sträubt es sich in mir einfach, täglich zu schreiben, dass ich die Tagesenergie in die Erwerbsarbeit gesteckt habe bis ich zu müde war und dann halb schlafend, halb dumpf dämmernd herum gelegen habe und diesen Zustand zum Kotzen finde.

Dann doch lieber über heute den Tag berichten, an dem das erstens sehr gut und deutlich länger als schonmal ging, an dem wir außerdem danach noch im Hellen in der Stadt am Flüsschen entlang spazierten, an dem wir dort eine Freundin trafen, die uns mit „Käffchen?“ noch vor dem „Hallo!“ begrüßte und an dem wir dort froh die nächsten zwei Stunden im angeregten Gespräch am Küchentisch verbrachten. An dem wir danach beschlossen beim örtlichen Fachhandel für „asiatisches“ Essen ein Abendessen abzuholen, an dem ich dort nach Dekaden einen der Jugendlichen aus dem Jugendtreff (Punkt 9 dieser Liste) traf und mich im netten Gespräch mit ihm wiederfand und an dem wir dann alle gemeinsam innerhalb von Sekunden abschätzen mussten, ob der etwas seltsame Typ betrunken/stoned/seltsam genug war um einzuschreiten und die etwas seltsame Frau von ihm bedroht oder nur seltsam bekümmert wurde.

Das war alles deutlich aufregender als irgendetwas anderes in den letzten vier Wochen und auch dass ich es jetzt um viertel vor zehn noch aufschreibe – das alles werte ich sehr verhalten als gutes Zeichen. Außerdem bemerke ich eine gewisse Sehnsucht nach dem Sommer und eine derartig in die Zukunft gewandte Emotion sehe ich ebenfalls als verhalten positiv.
Außerdem möchte ich natürlich unbedingt diese Foto mit seiner fröhlichen Sommerstimmung unterbringen, das ich letztens auf meiner Festplatte wieder fand. Da freuen Sie sich auch gleich vor, geben Sie’s ruhig zu.

Wie erwähnt, hatte ich Ende letzter Woche die kluge Frau um einen Termin gebeten und unfassbares Glück gehabt: Gestern morgen rief sie an und fragte, wie spontan ich wäre. In diesem Zusammenhang sehr und so saß ich schon 50 Minuten später auf dem roten Sessel, auf dem ich – wie wir feststellten – vor fast einem Jahr zuletzt saß. (Nein, nicht alle Therapeutinnen haben eine Couch). Nein, sie konnte mir auch nicht konkret helfen, aber gerade wenn ich auf den heutigen Tag blicke, dann konnte sie mir ein paar Punkte zum Andocken von etwas eigener Hoffnung geben und so denke ich: Es bleibt heute ein verhalten positives Gefühl. Mehr kann man wohl wirklich nicht erwarten.
Ich finde übrigens, dass jeder Mensch eine Therapeutin verdient hat, um gelegentlich mal zu ihr zu gehen und die Gedanken zu ordnen.

Mein Wach-/Schlaf-Rhythmus ist übrigens vollkommen zerstört, was dazu führt, dass ich abends wenn die Liebste schon schläft, immer noch einen Film oder zwei gucke, bis auch ich wenigstens ansatzweise bettmüde bin. Irgendwann begann ich, mir Ballerfilme zu suchen, was meinen Netflix-Algorithmus komplett zerstört hat. Sind Sie an einer Übersicht wirklich schlechter Baller- und Rachefilme interessiert, die Sie nach Möglichkeit weiträumig meiden sollten? Ich bin da gerade voll im Thema.

Danke fürs Teilhaben und Dabei-sein. Wenn Sie wollen:
Hier können Sie mir ’ne Mark in die virtuelle Kaffeekasse werfen,
Oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier ist meine Wishlist. Sie finden dort formschöne und Freude-spendende Geschenke für wenige oder auch sehr viele Euro.

1 Kommentar

  1. Ach ja, die gute alte Therapeutencouch, die habe ich bisher nur in Filmen und auf alten Bildern in Büchern, wenn es um Freud geht, gesehen.
    Im übrigen finde auch ich, dass jeder eine*n Therapeuten/Therapeutin haben sollte. Neben Gedanken ordnen nutze ich die Gespräche auch gerne, um mich wieder einzunorden.

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