23.8.2025 – vielleicht einen halben Finger breit Wasser

Beifahrer im eigenen Leben. Der Urlaub ging vorbei, am Abend vor dem ersten Gang hoch ins Büro schien es unmöglich, mich der Treppe auch nur zu nähern.
Das Beruhigungsspray, was mir eine aufmerksame Person mitbrachte enthält viel Hanfsamenöl und vielleicht ist mir ja alles egal und das lässt mich gerade durch die Tage kommen.
Dabei komme ich eigentlich gar nicht so gut durch die Tage.

Vor ein paar Jahren hatte mir jemand das beste Mailprogramm der Welt empfohlen und ich habe es immer geliebt. Es ist verkauft worden und die Nachfolgerfirma hat eindeutig den Fokus mehr auf Unbenutzbarkeit durch zu viele sinnlose Optionen und eine gewisse, sich an allen Stellen durchziehende Hässlichkeit gelegt und beides zusammen halte ich nicht aus. Dummerweise bin ich aber auch in dem Stadium des Altwerdens oder der Neurodiversität oder des whatevers angekommen, dass ich eine Änderung in den täglichen Arbeitsabläufen ebenso wenig aushalte.
Nun gut, es ist nur ein Mailprogamm und ich weiß, dass so etwas außer mir nur noch (andere) alte Leute benutzen, das geht doch alles im Browser und die KI sortiert doch so super vor, aber wenn ich dann mit jemandem telefoniere, habe ich trotzdem die relevanten Mails immer schneller gefunden als die andere.
Also ein neues Programm. Hat man erstmal alle Optionen gefunden, scheint es ganz gut zu gehen.

Ein neues Mailprogramm nur, aber es erscheint mir als Sinnbild ganz gut. Es gibt gerade zu viele neue Programme im Leben. Und auch noch ein paar alte, die alle gerade hässlich werden. Sozusagen.

Eh versuche ich gerade, aus ein paar festgefahrenen Bahnen raus zu kommen. Der schwierige Einstieg in den Urlaub und der schwierige Einstieg ins wieder-Arbeiten lassen mich vermuten, dass ich Probleme mit Übergängen habe und deswegen habe ich heute gearbeitet und werde morgen arbeiten und dann ab Mittwoch bis zum Wochenende nicht. Macht netto die gleichen Arbeitstage aber in längeren Portionen und daher mit mehr Raum fürs Umgewöhnen. Ich könnte also an dem langen Wochenende, was sich da ergibt, vielleicht richtig entspannen – ich muss mich nur erst daran gewöhnen, haha.
Und wir waren tatsächlich letztens abends in der Stadt, an einem dieser Abende wo dort früher Jazz war und heute Coverbands spielen, das haben wir ewig nicht getan. Es war überraschend ok – also natürlich nicht so ok wie es das Jazzfestival in der Stadt der Träume wäre – aber schon echt ok und wir saßen zufällig mit einer Freundin zusammen und es war ein schöner Abend und „Sie müssen auch das, was Sie haben, wertschätzen, Herr Fischer
Ich habe aber jede Nacht wieder Alpträume vor Anstrengung beim Leben und die will ich gar nicht wertschätzen.

Sie sehen, ich mäandere hier so rum, aber das ist der Situation durchaus angemessen, denke ich. Bei all der Stärke, die ich gewonnen habe, sind Änderungen noch immer nicht die beste meiner Fähigkeiten und es scheinen gerade zu viele nötig zu sein.
Und ich schaue auf die Linien im Arm, die doch so ein starkes Symbol waren, ich höre die Lieder*, die ich über die letzten Jahre des Wachstums schrieb und wundere mich über mich selbst.
*) Lieder, die ich auch dringend mal endlich veröffentlichen sollte, jaja.

Heute habe ich eine unbeholfene Geburtstags-SMS an jemanden geschrieben bei der ich Angst habe, dass es die letzte gewesen sein könnte und das macht auch überhaupt gar nichts besser.
Vielleicht war das jetzt nicht mehr persönlich, sondern privat – aber vielleicht bringt Schreiben auch wieder Ordnung in den Kopf, so wie schon so oft. Sehe ich nach Berlin, ist es zwar vielleicht an der Zeit, die Grenzen des Persönlichen hier im Netz neu zu definieren aber an das Thema will ich gerade gar nicht dran.
Schön, wenn Sie es bis hier ausgehalten haben.

6 Kommentare

  1. kann ich fast alles nachspüren, macht es ja aber nicht einfacher. unser leben als denkende scheint fragil, sehe ich die gedankenblitze von machern. dazu kommen die „verbesserungen“, die keine sind: im netz wie bei der DB, bei der bürokratie wie im umgang mit anderen. reste von sprachlosigkeit angesichts all dessen sind verständlich.

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