23.4.2021 – streichen & dichten

Natürlich ist es leicht und verführerisch, jetzt nie wieder Tatort zu gucken und in Hass und Häme über diese wirklich unsägliche Aktion von ca zehn bekannteren Tatort-Bubble- und ca vierzig nicht ganz so bekannten Schauspielerinnen herzuziehen.

Kommunikationswissenschaftler wissen übrigens zwei Dinge: Du wirst niemanden überzeugen, indem Du ihn beschimpfst. Und Du kannst jemanden am besten überzeugen, in dem Du Gemeinsamkeiten herausfindest und Dich auf sie beziehst.

Und der vielzitierte Spruch der Creek(?) „Urteile nicht über jemanden, bevor Du nicht einen Tag in seinen Mokassin gelaufen bist“, der gildet nämlich leider nicht nur, wenn der andere meine Mokassin tragen soll. Der gilt auch, wenn ich seine anziehen müsste. Unbequem aber logisch.
Ich kann mir übrigens gut vorstellen, dass man echt genervt ist und Angst hat und einfach nicht mehr mag, wenn Pandemie ist und die Bundesregierung ganz offensichtlich andere Prioritäten hat, als Ärzte, Epidemiologinnen oder ich. Ich kann mir das übrigens deswegen so gut vorstellen, weil: ich bin echt genervt, habe Angst und mag einfach nicht mehr.
Ich kann mir auch – nicht aus eigener Erfahrung aber trotzdem – vorstellen, dass man als Schauspielerin in einer Schauspielerinnen-Bubble irgenwann davon überzeugt ist, dass man ein bisschen wichtiger ist als andere. Schließlich werde ich immer wieder eingeladen und darf in irgendeiner Runde als Fachmensch zu jedem möglichen Thema was sagen. Ob Rente oder Klimawandel, Ernährung oder Einwanderung – aus irgendeinem Grunde werde ich ja eingeladen.

Und manchmal kommt dann da eben Mist bei raus, wenn man kein Drehbuch bekommen hat, sondern selbst aus Angst und Verletzung heraus spricht – das ist ja nun wirklich nichts Neues. Ich schaue jetzt erstmal, wer sich schon heute vielleicht distanziert hat, wer es noch tut, wer in eine Diskussion gehen kann und wer nur pöbelt und dann schau ich mal. Das ist zwar alles gut für eine schnelle Sau durchs Dorf, aber nun wirklich nicht tagesaktuell wichtig.

Nur so ein Gedanke.

Kommen wir zu den schöneren Dingen des Lebens. Falls Sie zufällig gerade 25 Minuten Zeit haben, dann empfehle ich dringend dieses Video mit unfassbarer Musik. Falls nicht, empfehle ich, sich die Zeit zu nehmen *zwinkersmiley*

Ich war heute kurz am Schreibtisch und hab eine schon vor der Pause zu 99% fertige Site vom Vorschau- auf den LIver-Sever geschoben.
Und eine halbe Stunde gemixt und gemastert. (8/12)

Beides tat dem Ohr nichts, der Druck ist fast vollständig verschwunden, ich höre auch die Frequenzen, die ich da (schon lange nur noch) immer hörte – die kenne ich zum Glück, ich hab mir nämlich in meiner Jugend in der MItte zwischen Schlagzeug und Gitarrenverstärkerturm eh rechts und links ein paar Frequenzen aus dem Hörvermögen gelöscht. Und weiß, welche das sind.
Noch mal gutgegangen, denke ich also.

Mittags sind die Liebste und ich zwecks Wochenendeinläutung in die PampaBörde ins dortige Café Audi gefahren und dann überkam es uns und wir haben den letzten Raum, an dem wir in diesem Durchgang renovierten, gestrichen. So mit Leiter und so, weil der Raum an einer Stelle 3,50m hoch ist. Jaha!
Jetzt sind alle begonnenen Renovierungsprojekte abgeschlossen und wir können uns den Zettelchen mit Skizzen für eine neue Beeteinfassung und für einen Waschtisch widmen, die auch schon länger hier liegen; die aber erstmal der durchaus sinnigen Regel „Fang nicht noch was an, wenn Du schon drei Baustellen hast“ zum Opfer fielen.

Um sechs musste ich dann noch ein paar Minuten in einen Videocall mit Arizona (das wollte ich schon immer mal sagen). Aber das Projekt ist eh ein Herzensprojekt, inhaltlich eines der schönsten, an denen ich arbeiten darf – obwohl ich natürlich nur schöne Projekte für die besten Kundinnen mache.
Ich habe, glaube ich noch nie davon erzählt und hier ist ja noch Platz und eigentlich ist es simpel, also: Eine (hier geborene und ausgewanderte) Sängerin hat ein Projekt gegründet, in dem sich Schulen (in Amerika, jaja) zusammenfinden können und in dem ihre Schülerinnen schulübergreifend zusammen singen. Klingt simpel und erst wenn man bedenkt, wie stark soziale Schichten in Amerika in den Schulen getrennt voneinander aufwachsen, bekommt es die Kraft, die es auch in der Umsetzung dann wirklich entwickelt. Schaut man sich die (auch vor-Corona-) Videos an, dann sieht man, was ich meine.
Ich finde das eine wunderschöne Idee und bin sehr froh, dass ich einen Teil dazu beigetragen habe.

Zeugs:

Sehr ins Nachdenken gebracht hat mich heute dieser Artikel über die Spache, die wir rund um Autos und Individualverkehr benutzen und die uns so vollkommen selbstverständlich erscheint – und damit dann doch, wenn man sie hinterfragt, nur klar macht, wie selbstverständlich wir es finden, dass wir alle 2 Tonnen Stahl unser eigen nennen, um uns fortzubewegen:

[…] was ist eigentlich „Parken“? „Parken“ beschreibt eine Aktivität: das Lagern von Privatbesitz, oftmals im öffentlichen Raum. Ein Lager ist ein Ort, wo wir etwas aufheben, damit wir – und in der Regel nicht andere – später davon Gebrauch machen können. Normalerweise darf ich nicht einfach mein privates Hab und Gut im öffentlichen Raum lagern – vor allem wenn ich den Anspruch habe, dass es mein Hab und Gut bleibt. Die so ziemlich einzige Ausnahme sind Fahrzeuge. Bei diesen privaten Gegenständen ist es normal geworden, sie im öffentlichen Raum zu lagern. Es wurde sogar ein Wort dafür erfunden, das dieses Phänomen als harmlos und das Normalste überhaupt erscheinen lässt: „Parken.“ Und um der hohen Nachfrage an gratis Lagermöglichkeiten nachzukommen, haben Kommunen – vor allem die Straßenämter – es sich zur Hauptaufgabe gemacht, diese Flächen für das Lagern von Privatautos herzustellen und zu unterhalten

Dr. Dirk von Schneidemesser auf www.iass-potsdam.de: Wir brauchen eine neue Sprache für die Verkehrsberichterstattung

Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
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4 Kommentare

  1. Mag sein, dass es einfach und verführerisch ist: ich bin fertig damit, Leute zu überzeugen, die sich gegen jeden gesunden Menschenverstand, Wissenschaft, verfügbare Information, Mitgefühl und Menschlichkeit aufführen wie die, pardon my french, Sau auf dem Sofa. Tatort fand ich schon immer doof, sollen sie doch (im der Hölle verrotten) heulen, ich möchte es nicht hören. Tja, auch meine Nerven sind dünn.

  2. Glückwunsch zu den abgeschlossenen Renovierungsaktivitäten.
    Ich habe einige der SchauspielerINNen-Videos angesehen und verstehe nicht, wie man sich in der derzeitigen Situation in dieser Art positionieren kann.

    1. Mir fallen spontan einige Gründe ein – die halt alle nicht meine sind. Man kann aufmerksamkeitsgeil sein. Man kann sehr gleichgültig und ein bisschen in seinem Lebenswandel eingeschränkt sein. Man kann ein bisschen schlicht sein. Oder ein bisschen egozentrisch. man kann schlichtweg nicht mitbekommen haben, dass wir inzwischen 2021 haben und die Welt anders funktioniert als zu dem Zeitpunkt als man seinen Agenten angestellt hat.
      Man kann einen sehr schlechten Charakter haben. Oder sehr viel Angst. Und ein bisschen Hybris.
      (Nein, ich auch nicht)

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