Frohgemut aufgewacht, die Liebste zu des Tages Mühen verabschiedet, mich geärgert, dass das Radio wieder aus dem WLAN geflogen ist, früh an den Schreibtisch gegangen. Heute nur 85 Spams, das ist schnell gesichtet; keine inhaltlich wichtige Mail für den heutigen Tag – das ist noch schneller gesichtet.
Hatte mir vorgenommen, dass ich nicht mehr morgens „schon mal nur ein paar(!) Zeilen bloggen“, sondern direkt mit Arbeit anfangen will. Heute schoss mir im Aufwachen der kleine CDU-Sketch (siehe unten) in den Kopf und das war’s dann für heute mit dem glorreichen Plan.
Sein Sie auch morgen dabei, wenn das neurodivergente Hirn seine eigenen Ideen hat.
Neulich im CDU Headquarter. Eine Runde Männer mit einer Frau mittendrin
- Sag mal, auf diesem Ticki-Tocki sollen jetzt Hinrichtungsvideos kursieren. Schlimm.
- Ja, ganz schlimm.
- (ein dritter) Mir liegt auch diese Lehrergewerkschaft in den Ohren, die Kinder wären immer müde
- Ja, dann sollen die Mütter nicht arbeiten gehen und sich mal kümmern
- (alle durcheinander) Genau! Hört hört! Eben!
- (einer leise zum Nachbarmann, aber etwas zu laut) Ich sag ja immer FickiFocki
- (Gelächter)
- Aber was machen wir denn jetzt mit denen? Also diesen sozialen Medien? Gibts da nicht ein Gesetz?
- Ja, die sollen kontrollieren, die Netzwerke, hält sich aber keiner dran. Sie können die Umsetzung nicht bezahlen, ihr Gewinn würde schrumpfen.
- Ach so, ja nee, das geht nicht. Andere Ideen?
- (die Frau) Wir könnten in Bildung investieren und Medienkompetenz in den Schule…
- (Gelächter, dann einer) Könnten Sie nicht mal frischen Kaffee holen Frau äähhh …?
- (Pause, dann …)
- Wenn wir den Kindern die Benutzung verbieten?
- Nee, das geht nicht. Wir sind ja nicht die Verbotspartei!
- (Gelächter)
- Ok, dann anders: wenn wir die Kinder dadurch schützen, dass sie es nicht benutzen dürfen?
- Ah, das würde gehen.
- Prima. Ham wa’s dann?
- (alle nicken)
Zeugs
Nicht nur ich bin skeptisch. Netzpolitik hat einen Überblick über alle, die auch gegen Merz’s supi Idee eines Social Media Verbots bis 16 argumentieren:
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) findet ein Social-Media-Verbot bis 16 Jahre sympathisch. Viele Organisationen aus Kinderschutz, Wissenschaft und Pädagogik lehnen das Verbot allerdings ab – und warnen vor Schäden für Kinder und Jugendliche. Die Übersicht.
Sebastian Meineck auf netzpolitik. org:
Von Kinderhilfswerk bis Lehrerverband: So breit ist die Kritik am Social-Media-Verbot
The daily AI-Link: Immerhin sieben Semester Pädagogik hab ich studiert und wenn ich daran denke, WIE Menschen lernen, dann schaue ich auf LLMs und kann nur den Kopf schütteln. Nicht nur ich, auch pädagogisch nicht vorgebildete Menschen reflektieren sich und vermissen etwas, wenn ihnen die freundliche Durchschnittsmaschine das Leben der anderen erklärt:
Es gibt diverse Gründe für mich „AI“ (also i.d.R. glorifizierte Prompt-Frontends für LLM-basierte ChatBots) nicht zu nutzen, moralische, technologische, etc. Aber ich empfinde tatsächlich die Nutzung von LLMs, für mich privat, als störend. Denn sie nehmen mir Lernmöglichkeiten weg. Und für mich ist das Lernen das, was mich motiviert. Und selbst (oder gerade!) für scheinbar banale Aufgaben mag ich sie nicht nutzen. Denn oft liegt selbst dort eine Lernmöglichkeit. Boilerplate 10x schreiben zu müssen bringt mich dazu zu überdenken, ob das nicht anders besser geht. Einen Text umzufomulieren? Bringt mich in ein Rabbit Hole und ich lerne etwas unerwartetes über die englische Sprache. Die interessantesten Lerneffekte hatte ich dann, wenn ich sie nicht erwartet habe.
Janis Joan K auf LinkedIn
Genau, so geht das nämlich mit dem Lernen.
Dabei gibts durchaus konstruktive Gedanke zur Nutzung von „KI“, zumindest in der Schule:
Im schulischen Kontext müssen wir den Begriff Deskilling aber neu justieren. Es geht nicht mehr primär darum, dass ein Produkt weniger Kompetenz erfordert, sondern darum, dass der Schüler oder die Schülerin am Ende weniger Kompetenz hat. Wenn die KI den Prozess zum Produkt übernimmt – die Recherche, das Gliedern, das Formulieren –, findet kein Kompetenzaufbau in diesen Bereichen statt.
Florian Nuxoll auf deutsches-schulportal.de:
Damit wird das Grundprinzip von Schule ausgehebelt: Der Weg ist das Ziel, nicht das Produkt. Dieser Weg ist kein gerader Sprint, sondern ein persönlicher Hindernisparcours voller Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt. Der Kampf mit der Gliederung, die Frustration über eine unklare Formulierung – das sind keine Fehler im System, das ist das System. Die KI agiert nun wie ein Bulldozer, der diesen Parcours für uns einebnet und eine hindernisfreie Autobahn zum Produkt schafft. Dieses Phänomen, den Sprung über den wertvollen Hindernislauf direkt ins Ziel, nenne ich „Skill-Skipping“. Es ist der eigentliche Motor für die neue, schulische Form des Deskilling: die systematische Verhinderung von Kompetenzerwerb.
Das bedeutet jedoch nicht, dass KI im Lernprozess zwangsläufig ein Feind sein muss. Richtig eingesetzt kann sie vom Lern-Verhinderer zum kompetenten Lern-Partner werden. Anstatt sich ein fertiges Produkt aushändigen zu lassen, kann man sich von ihr komplexe Sachverhalte Schritt für Schritt erklären lassen, gezielte Formulierungshilfen für einen schwierigen Satz holen oder die eigene Gliederung auf logische Brüche überprüfen lassen. Der entscheidende Unterschied liegt in der Haltung: Nutze ich die KI, um eine Hürde in meinem eigenen Denkprozess zu überwinden oder um den gesamten Prozess zu umgehen?
Wenn die KI den Lernprozess abnimmt
(via Kaltmamsell)
Noch ein Nachtrag zum Instrumentalisieren des „normal“ / „unnormal“-Gefühls: Mark Greene bringt sehr schön auf den Punkt, wie Macht-Systeme, die auf Gewalt gegen marginalisierte Gruppen setzen – welche auch immer das aktuell sein mögen – diese Gewalt zusätzlich immer wieder verstärken müssen. Denn:Einzelne Gruppenmitglieder, die noch auf einem gefühlt sichern Status sitzen, verlieren diesen Status, wenn sie selbst nicht genügend Druck / Gewalt – nach unten ausüben. Oder anders: Bist Du zu schwach für die Arschloch-Gang, wird sie als nächstes Dich mobben. Immanente Logik: Besser der brutalste der Bullies werden, dann bist Du safe.
Wir kennen das von der SS, der Stasi, jeder Schulhof-Gang, die sich um ein Arschloch gruppiert und – sein wir ehrlich: Aus jedem Unternehmen mit einem Bully-Chef. Ein Grund mehr btw, das Patriarchat endlich abzuschaffen, aber das nur am Rande.
Das neue Album CIRCLES & SQUARES.
Seit dem 26.1. auf diesen und allen anderen Streaming-Diensten.

