23.12.2018 – 50 shades of grey

(irgendwas mit lang und tief geschlafen)

Der Tag heute bot exakt nichts erzählenswertes. Er war grau, es regnete, ich habe ein wenig in Margarete Stokowskis „Die letzten Tage des Patriarchats“ gelesen, es regnete, es war etwas heller grau, irgendwann haben wir eine Suppe gekocht, es war wieder anders grau und es regnete.
Anders gesagt: Es war ein wenig wie das vierte Buch vom Herrn der Ringe (Ihr wisst schon: Kalt, Regen, Hunger, Gollum, kalt, Mordor, Hunger, Gollum, Orks, Regen, Kälte, Mordor, Hunger, kalt. Ach ja: müde.
Naja, bis auf den blöden Ring und die Orks.

Aber dann stellte mir Hakan in den Kommentaren eine Frage und manchmal fehlt ja nur ein Schreibanlass. Er fragte:

Wie schaffst Du es, täglich zu schreiben? Wie organisierst Du Deine Texte, sprich, machst Du über den Tag Notizen, wann schreibst Du? Etc.

Und da antworte ich doch gern:
Es macht mir sicher einiges leichter, dass ich eh jeden Tag a) an einem Schreibtisch, b) an meinem eigenen Schreibtisch und c) im HomeOffice an meinem Schreibtisch sitze. So kann ich im Zweifelsfall in dem Moment, wenn mir etwas einfällt, lostippen. Die Arbeit, die ich tue, die tue ich an einem Desktop-Rechner mit zwei Monitoren, aber daneben steht immer auch das aufgeklappte Laptop und oft habe ich da den ganzen Tag über das WordPress-Backend geöffnet – und kann wirklich einfach spontan los schreiben.
Impuls dafür ist meist etwas, was halt passiert und was mich dann den zweiten, den Meta-Gedanken dazu denken lässt.
Organisieren tue ich da quasi gar nichts.

Texte wie jetzt den übers Ruhrgebiet oder den über Hochbegabung – also allgemein welche, die aus dem Tagebuchblogg-Schema raus fallen – die sind meist schon länger im Hinterkopf. Ganz selten nur sind sie auch schon angefangen im Entwurfs-Ordner. Ich bin niemand, der Ideen hat, die noch fertig geschrieben werden müssen; meist befindet sich exakt nur der aktuelle Tagesartikel im Entwurfsordner.
Kann ich etwas nicht einfach runter schreiben, dann ist es fast immer auch Murks.

Außerdem gucke ich mehrfach am Tag bei Twitter und Facebook sowie in meinen RSS-Reader rein und da finden sich auch immer wieder Artikel, die einen zweiten Gedanken verdienen – oder auch gern mal welche, die sich auf wundersame Weise in den roten Faden einsortieren.
(Ich habe den Gedanken, dass das wirklich ein Wunder ist, aufgegeben und eingesehen, dass ich halt auch nur – bewusst oder unbewusst – über das nachdenke, über das alle gerade nachdenken.)

Irgendwann abends denke ich dann „Ups, bloggen“ und dann schaue ich noch mal drüber, füge manchmal noch die Tagebuch-Nichtigkeiten ein, suche eventuell nach einem roten Faden, den man mit einer schicken Überleitung oder einem einfachen Umsortieren noch hinbekommen könnte, schaue, ob es nicht noch einen positiven Blick mehr auf das alles gibt, lese alles noch zehn mal um meine doofen Flüchtigkeitsfehler wenigstens halbwegs zu eliminieren, fülle möglichst ironisch den SEO-Abschnitt aus, formatiere ein paar (Ab-)Satzanfänge fett, drücke auf „Veröffentlichen“ und beginne danach hektisch nach einem Artikelbild zu suchen. Jedes verf… einzelne Mal erst danach.
Dann noch einen Tweet und einen Facebook-Post mit Link zum frischen Beitrag und das wars dann für den Tag.

Nein, ich empfinde das alles überhaupt nicht als Arbeit. Lange Jahre wusste ich nicht mal, dass man an Texten arbeiten kann; dienstlich habe ich das inzwischen gelernt. Hier bin ich zu faul dazu. Ach doch: Manchmal kürze ich beim Korrekturlesen noch meine Endlossätze und mach aus einem langen drei kürzere Sätze. Manchmal nicht. Ich schreibe halt seit knappen 30 Jahren auf, was ich denke – und das hilft mir sicherlich bei dieser Faulheit.

Ich hoffe, das beantwortet Deine Frage – auch wenn da jetzt wenig Tipps bei waren, die man einfach mal selbst ausprobieren kann …

2 Kommentare

  1. Jedes Mal, wenn ich bei dir lese, krieg ich so ’nen kleinen Tritt in den Hintern. Fehlt mir nur die Gelegenheit, einfach loszutippen? Etwas rollt im Kopf rum.

  2. Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort und die persönlichen Einblicke!

    Ich finde es interessant und erstaunlich, dass wir Vieles gemeinsam haben. Beim Kunden sitze ich auch vor zwei Monitoren mit angehängtem Notebook:-D Schicke mir manchmal kurze Emails als Merker für meinen Blog. Oder mache mir Notizen auf dem Smartphone oder auf irgendwelchen Zetteln. Zuhause gibt es kaum noch leere Zettel, die ich nicht vollgekritzelt hätte. Und schreiben tue ich vorwiegend abends. Aber – nur Weniges davon findet seinen Weg in die digitale Öffentlichkeit.

    Ich habe einen Zensor im Kopf, einen Kritiker, der immer besser wird und mit dem mein Können nicht mithalten kann. Die Kluft ist manchmal wie ein unüberwindlicher Abgrund. Ich versuche ihn auszutricksen. Mal schmeiße ich meine Texte hinüber, mal spanne ich ein Seil über diesen Abgrund. Am besten aber funktioniert das Schreiben und dann Weglegen, bis sich der Text wie das eines Fremden liest. Ich bin also ein sehr langsamer und widerspenstiger Schreiber. Daher bewundere ich u.a. Blogger wie Dich, die täglich gehaltvoll schreiben und dazu nicht ins Banale abdriften.

    Beste Grüße
    Hakan

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