23.11.2018 – ich fand das scheiße

Gestern Abend twitterte jemand …

… und ich erinnerte mich. Nicht an die Pressekonferenz, sondern das loud eARTh Studio in Menden. Zwei Freunde hatten es aufgebaut und als erster Mieter zog meine damalige Band – irgendwas zwischen Funk und Rock – ein, um dort im Aufnahmeraum zu proben.
Parallel fanden sich dort drei Jungs, von denen einer später unter dem Namen Dendemann in die Welt hinaus ziehen würde und rhymten ihre ersten Versuche.
Auch Kraans und Nico Suave waren gern zu Gast und vor gar nicht langer Zeit wurde mir sogar ein Video zugespielt, in dem Fettes Brot unsere Instrumente entweihten … – langer Rede, kurzer Sinn: Wenn ich damals geahnt hätte, in was für einem hochkreativen Mikrokosmos ich da steckte, ich wäre vermutlich vor Ehrfurcht erstarrt.

Wichtig für den folgenden Teil:  Man muss wissen, dass das Wort Produzent damals bei uns Mittelschichts-Möchtegernrockern noch richtig Ehrfurcht auslöste. Es klang nach ernsthaftem Rock’n’Roll und big business.

Und dann wurden unsere Probenzeiten eingeschränkt, denn es gab einen weiteren Mieter. Er war ein Produzent aus dem Nachbarstädtchen und suchte Musiker zusammen für „ein Projekt“ und das Projekt war hochgeheim.
Nachdem wir uns in dem Kaff hier aber irgendwie alle kannten, sickerte ca einen Tag später durch, dass „das Projekt“ eine geplante Surferserie auf RTL war und der Produzent versuchte, den Titelsong zu bekommen. Fast alle der super-crediblen Rocker landeten kurz in seiner Projektband und spielten auf einmal Beach-Boys-artige Surfer-Songs. Wir überlegten sehr ernsthaft, ob das jetzt schon Ausverkauf und musikalische Prostitution war und was man für versprochenes Geld und Erfolg wohl tun dürfe.
Der Produzent selbst spielte Gitarre und komponierte einen Song nach dem anderen – ganz nach dem Prinzip wie man heute digitale Fotos macht: Mach 100 Stück, eines wird schon gut sein.

RTL nahm dann aber doch wen bekannten für den Titelsong, der Produzent verschwand wieder aus Studio und unseren Leben und übrig blieb nur das Erstaunen aller darüber, dass man mit der Fähigkeit, eigentlich nur ein einziges Riff auf der Gitarre spielen zu können, über 50 verschiedene Songs schreiben konnte.
Außerdem deutlich weniger Ehrfurcht vor dem Wörtchen Produzent.

Circa ein Jahr später hörte ich im Radio drei Mädchen gröhlen, dass sie mich Scheiße fänden und zwischen ihren schlechten Rap-Versuchen hörte ich das nur zu gut bekannte Riff. Ich fuhr ins Studio, die anderen hatten’s auch gehört, wir hörten uns das Stück nochmal an, irgendwer besorgte die CD und tatsächlich: Unser Surf-Produzent! Wir lachten hart.
Und dann erkannte jemand die eine Sängerin. Wir alle kannten sie, sie hing jahrelang im örtlichen Jugendzentrum herum und warf sich jedem an den Hals, der so wirkte, als könne er sie berühmt machen. Wir lachten noch härter.

Und dann kam die Pressekonferenz und das Ende von Tick, Trick und Track und jetzt kommt Ihr: Ihr dürft jetzt raten, welches der drei Mädels damals vor dem großen Ruhm hauptberuflich bei uns auf den Kirchentreppen abhing – und ob wir alle während der Fernsehübertragung nur sehr oder aber sehr, sehr, sehr, sehr lachten.

4 Kommentare

  1. Nun über die Vergangenheit von Lee lernte man noch einiges, Jazzy wurde später Kellnerin, nur Ricky machte was mit Medien. Richtig? Richtig?

  2. Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht; so wichtig waren die drei gar nicht. In Erinnerung ist halt der Teil vorher für uns fast spannender, wie sehr der Typ den Erfolg gejagt hatte …
    Eine war später noch mal im Dschungelcamp, oder?

  3. @Kiki: Haha, der ist ja krass. Nein, vermutlich nicht.

    Das waren ja all die Geschichten, die später kamen, wir haben uns ja erstmal über den *Produzenten* amüsiert. Aber wie fast überall – wenn einer für seinen Erfolg über Leichen geht, dann bleiben halt auch Leichen auf dem Weg liegen.

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