23.1.2020 – #kleinstadt

Schon zweimal durch- & ausgeschlafen. Das setzt ungeahnte Energien frei; gegen elf stellte ich fest, dass ich schon so unfassbar produktiv war, dass es rappelte. Spooky.

Kleinstadt. (Nein, nicht Dorfkind, denn dazu habe ich in einem anderen Leben schon alles gesagt) Ich versuchte, ein Päckchen wegzubringen.
Vorweg: Wenn ich versuche, mit dem Bus zu fahren bin ich für ein Päckchen eineinhalb Stunden unterwegs. Weniger, weil ich soweit draußen wohne, sondern weil die Busse so selten und so weit fahren. In einem idealen Leben könnte man das gut nutzen, um aus dem Fenster zu schauen und über eben dieses ideale Leben zu sinnieren. In meinem unidealen Leben quellen danach AB und Inbox über mit entrüsteten Anmerkungen, ich wäre aber nicht gut zu erreichen.

Versuch eins: Ich fahre zum Kleinkramladen im nächsten Stadtteil, in dem auch eine Post-Annahmestelle ist. Eine Post gibt es in der Stadt schon seit vielen Jahren nicht mehr. Klug wie ich bin, habe ich schon bis halb zehn gewartet, denn Öffnungszeiten hier im Ort, Baby, Öffnungszeiten – die wären einen eigenen Artikel wert.

Leider war ich nicht klug genug, denn „aus Personalmangel haben wir nur noch nachmittags, 14:00 bis 8:00 Uhr geöffnet

Versuch zwei: Ich rolle den Berg runter in die Stadtmitte. Das dauert, denn Dank der beschissenen ÖPNV-Anbindung rollen hier gerade alle. Parkplatz eins: Als ich sehe, dass schon vier Autos darauf warten, das einer der 15 Plätze frei wird drehe ich. Parkplatz zwei: Als ich sehe, dass schon drei Autos um die fünf Plätze buhlen, drehe ich. Im Augenwinkel sehe ich, dass ein SUV zwei der fünf Plätze einnimmt und kann kurz den allgemeinen Hass auf diese Autogattung fühlen. Parkplatz drei: Nein. Straßenrand: Alles doppelt zugestellt, denn gerade wird die Innenstadt beliefert.

Ich gebe auf.

Nein, ich tue all das nicht, weil ich so gerne Auto fahre und meine Individualität da ausleben muss. Mir macht das auch keinen Spaß. Ich bin dazu gezwungen, den ich lebe in einer schrumpfenden Kleinstadt.

Nachmittags das Päckchen dann weggebracht und interesssiert den beiden Frauen hinter dem Schalter zugeschaut, wie sie alles gemeinsam taten. In other words: Die Schlange war exakt doppelt so lang wie sie hätte sein müssen.
Darüber nachgedacht, dass dieser Job früher von Postbeamten in Postfilialen ausgeübt wurde – und die beiden vermutlich bestenfalls im Einzelhandel ausgebildet waren als sie den ganzen Päckchen-Scheiß aufs Auge gedrückt bekommen haben weil ihr Boss beschloss, eine Post-Filiale in den Papier- und Kleinkramladen zu bauen. Dass sie vermutlich eher sogar gerade auf 400,-€-Basis da standen und dann ganz ok gefunden, dass sie die Dinge gemeinsam taten.

Today I learned: Wenn man eine alte Website auf einem älteren ProcessWire ein paar Jahre alleine lässt, dann erzeugt sie eine Menge Dateien. Und bei [großer Webhoster mit einfacher Rechenaufgabe im Namen] kann man nur 262.144 Dateien speichern. NUR!
~261.000 Dateien zu löschen dauert einigermaßen lange.

In Twitter eine Unterhaltung gehabt, die mich nachdenklich gemacht hat. In a very good way. Thanx my dear.

Wir kommen zum Beifang aus dem Web:

Wussten Sie, dass der Klimawandel Schuld hat an den Bränden in Australien? Oder wussten Sie, dass die Brände gelegt worden sind? Dass die Ureinwohner schon immer Feuer gelegt haben? Oder wussten Sie hingegen, dass … es ist kompliziert.
Rico Grimm von den Krautreportern hat versucht, das alles zu sortieren:
Die Waldbrände in Australien halten eine wichtige Lektion für uns bereit – und sie hat nichts mit dem Klimawandel zu tun

Achtung Hater!Schlampe“ und „Drecks Fotze“ dürfen Politikerinnen jetzt doch nicht mehr genannt werden. Quelle surprise! Das hat Euch Eure Mama zwar vermutlich auch schon beigebracht, aber ich sags sicherheitshalber nochmal.
Nee, im Ernst: Dieses Urteil war ja eh schon eine Farce und ich weiß nicht, ob ich jetzt froh sein soll, dass es zum Teil revidiert wird, oder ob das von der Absurdität des Gesamtvorfalls nicht immer noch überwogen wird.

Nicole Diekmann findet deutliche Worte über ihre Zunft und deren Umgang mit den „neuen“ Medien. Und das hat auch mit dem Urteil im Fall Künast zu tun:

Wir dürfen Twitter und Facebook nicht dem Mob überlassen!
[…] Wenn allerdings, und das berichten Twitter- und Facebook-Leute unabhängig voneinander, 2018 während des Cambridge-Analytica-Skandals Medienschaffende nach Interviews nochmal schnell nachfragen, wie man eigentlich eine App aus dem Appstore runterlädt, müssen wir uns nicht wundern.
Wenn an Wahlabenden in Sendungen Sätze fallen wie „Hat bei Facebook getwittert“ und Plattformen wie Instagram oder Youtube nicht mal erwähnt werden, können wir „diese jungen Leute“, zu denen wir so dringend eine Brücke bauen wollen, noch so sehr bezirzen – sie nehmen uns nicht für voll. […]

journalist.de: Wir dürfen Twitter und Facebook nicht dem Mob überlassen!

Auf Facebook stieß ich auf ein Interview mit Richard David Precht: Keine Noten, keine Klassen – Richard David Precht will die Schule revolutionieren.
Ich muss leider sofort widersprechen: Nein, er nicht. Er fasst nur zusammen, was kluge Menschen an verschiedenen anderen Orten schon seit langem fordern. Manchmal in Abwandlungen, manchmal genau so.
Schade nur, dass Herr Precht auch genügend Menschen so auf den Sack geht, dass man auch seine Initiative mit einem genervten „ach, der Precht nu wieder“ wegwischen kann.
Schule ist wie Klima: Alle, die hinschauen, wissen, dass es nicht so weiter geht aber alle machen so weiter. Naja klar – so lange die middle-class-Masse, Nachhilfe-optimiert und mit entsprechendem Druck der Eltern das Gymasium ja noch schafft und dann erst an der Uni scheitert – so lange ist der Leidensdruck offenbar noch nicht hoch genug.

Wenn dann eine Schule alles anders macht und dafür auch den deutschen Schulpreis bekommt, dann jubeln alle: So viel Mut! So toll! So innovativ!
Wenn aber an der Grundschule der Kinder nicht die gleiche Fibel benutzt wird wie in der eigenen Schulzeit, dann läuft die WhatssApp-Gruppe heiß und Frau Müller muss weg.

Wisst Ihr noch? Schnee? Damals?

Das ist irgendwie eine ganze Menge an Links geworden – und vieles davon nicht nur spaßig. Weiß auch nicht.
Noch was hübsches? Radiohead haben einen Online-Shop aufgemacht, in dem man quasi alles, was die Band je veröffentlicht hat kaufen kann. Das ist groß.

4 Kommentare

  1. Ich habe in meinem Leben in Kleinstädten, in Waldsiedlungen, in Vorortsiedlungen, allein auf einem Berg und zentral in einer von Touristen übervöllkerten Stadt gewohnt und alles hatte mehr Nach- als Vorteile. Dieses ewige Autofahren müssen (in einem Abschnitt meines Lebens für jede vergessene Scheibe Brot 10 km zum Bäcker oder Supermarkt) hat dazu geführt, dass wir vor einigen Jahren entschieden haben, wir fangen noch einmal neu an in einer mittelgroßen Stadt (knapp über 300000 Einwohner). Die beste Entscheidung ever. Wir wohnen eine Straße vom Marktplatz entfernt, machen alles zu Fuß, mit Fahrrad oder Straßenbahn. Mit dem Auto nur noch Langstreckenfahrten. Die Natur ist von unserem Haus genau 1000 Schritte mit dem Hund entfernt. Von da an können wir stundenlang laufen, wenn wir wollen.

    1. … wenn sich die Möglichkeiten ergeben, komplett neu beginnen zu können – großartig. Ich denke, wir würden auch einiges anders machen. Wenn die Zeit dafür da ist.

Kommentare sind geschlossen.

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