22.4.2022 – nevertheless business as usual

Müde, unfassbar müde. Die letzten zwei Wochen fordern ihren Tribut ein, die Weltlage legt lächelnd ihr Blatt dazu und dass ich mich so ganz langsam an die tiefen Sorgen heran traue tut sein Übriges.

Statt um sechs erst um sieben aus dem Bett und spontan beschlossen, mich jetzt sofort auf der Stelle, gehen Sie nicht über Los, ins Auto zu setzen und zu Frau Doktor zu fahren. Every now and then muss ich da ein Rezept abholen und in mir keimte die stille Hoffnung, freitags um halb acht könnte die Schlange vor der Tür noch nicht zu lang sein. Sie war es nicht und ich war nach zwei Minuten mit Rezept wieder raus.

„Hier, ganz dringend …“, beginnt eine Mail und der Kunde einer Agentur hatte bei seiner Leistungsbeschreibung wohl ein wenig übertrieben. Zehn Punkte eigene Leistungen und dann noch drei, die er einkauft, so hatte ich es vor Jahren auf die Website kopiert. Dann kam wohl mal die Kammer vorbei und jetzt steht es wieder zehn zu drei – nur anders herum. Upsi.

Man kann nicht jeden Menschen lieben, aber man kann vor jedem Menschen Respekt haben“, mit diesem Zitat wird Margot Friedländer gerade mal wieder durch die Sharepics in meiner Bubble getragen und ich liebe sie und alle, die immer wieder daran erinnern sehr. Das tun offensichtlich viele, das Pic sammelt Likes und Herzchen und Reposts. Und ich frage mich, ob die Herzchen von den gleichen Menschen kommen, die über einer K-Prominenten Häme ausschütten, wenn sie gerne mal darüber reden möchte, dass im Nachklapp eines der geschmacklosesten Posts des Jahres hierzulande Morddrohungen über sie und ihre Follower kommen.
Vielleicht gehört Respekt 2022 im Internet doch nur denen, die der gleichen Meinung sind wie man selbst und nur ich Dummchen dachte, dass Respekt auch den Respektlosen gilt?
Falls Ihr Puls gerade hochgeht: Nein, ich habe gerade nicht das Verhalten der K-Promiennten noch ihres alten Spaß-Buddies noch ihres afghanisch-stämmigenen Comedy-Buddies gut geheißen. Au contraire.
Falls Sie zwischen den Zeilen nicht lesen können, um was es geht: Seien Sie froh.

Als ich in der Apotheke das Rezept einlöse höre ich neben mir, wie die andere PTA einen 70-jährigen Mann fragt: „Ach sagen Sie mal, wir haben ja umfirmiert und da müssen wir die ganzen Datenschutz-Vereinbarungen neu unterschreiben lassen. Können Sie nicht fix auch die für Ihren Sohn unterschreiben?“ and that’s wrong in so many ways, dass mir nichts dazu einfällt.

Tina spielt derweil die erste Tour seit #deraktuellensituation und es zerreißt mir das Herz, die Videos und Bilder auf all den Kanälen von all diesen wunderbaren Menschen zu sehen.

Der Kopf schafft gerade nicht mehr als fragmentarische Absätze. Sowohl hier als auch am Schreibtisch.
Mein Herz will ans Meer. Vielleicht doch mal Freitagmittags die Woche beenden.

Neu ist das alles nicht, das hat schon 1985 jemand in zackigen Worten und schönen 80er-Bildern festgehalten

I see people all dressed like Nero
Fiddling while Rome burns in strife
Personal responsibility zero
We’ve lost that rhythm of life

Sie finden gutes altes Tagebuchbloggen gut?
Hier können Sie mir ’ne Mark in die virtuelle Kaffeekasse werfen,
oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier meine Wishlist finden. Sie finden dort formschöne und Freude-spendende Geschenke für wenige oder auch sehr viele Euro.

1 Kommentar

  1. Ich lese „Mein Herz will ans Meer“ und in meinem Kopf beginnt dieser wunderbare Track abzuspielen, der mit ebendieser Zeile beginnt: https://open.spotify.com/track/1k8P9athtZBdyyHaOp6sZe?si=60e17f73d4e0403e:

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