22.12.2018 – die einfachen Dinge

(irgendwas mit ok geschlafen)

Grundstimmung: Traurig. Jemand traf mich – vollkommen unbeabsichtigt – mitten in die Seele und das will veratmet werden. Aber ich bin froh, dass ich nicht böse auf ihn sein muss. Dass ich verstanden habe: Wenn mir jemand zB auf den Fuß stolpert, dann trifft ihn keine Schuld – aber mein Fuß tut trotzdem weh. Und das gilt auch für nicht-physische Verletzungen: Wenn die andere es nicht darauf angelegt hat, kann man sich und der anderen viel Ungemach ersparen, wenn man zwischen „Tat“ und Person trennen kann. Und das heißt ja auch gar nicht, die eigene Verletzung nicht zu wahrzunehmen; was weh tut, tut weh. Aber dieser ganze doofe zwischenmenschliche Kram fällt einfach weg.

Gestern Abend im Kino gewesen. Auf dem Rückweg daran gedacht, wie in den 1000 Fragen letztens „Dinge, die mich froh machen“ abgefragt wurden und ich ergänzen möchte: Gute Filme. Richtig gute Filme. Die machen mich froh.
Filme, die eine gute Story haben, die handwerklich gut gemacht sind. Die gut ihre Charaktere zeichnen. Humor an der richtigen Stelle und Spannung an der anderen. Das muss nicht jedesmal mindblowing sein wie Pulp Fiction damals, das braucht ganz sicher nicht den super CGI-Aufwand – eine gute Geschichte, die gut erzählt ist, reicht vollkommen aus, um mir richtig, richtig Freude zu machen.
„Nur ein kleiner Gefallen“ hat mir richtig, richtig Freude gemacht.

Über dieses Blogdings nachgedacht. Auslöser gab es einige: Die Nominierung für die goldenen Blogger. Anderes Lob an Stellen, die mir was bedeuten. Melanie, die mich fragte, ob es Regeln fürs Tagebuchbloggen gibt. Die Freude, die ich gestern Menschen machte, als ich übers Ruhrgebiet schrieb. Ein paar Kaffee-Verabredungen die im nächsten Jahre geplant sind, weil wir uns über dieses Blogdings kennen gelernt haben und uns treffen möchten. Als mich noch einmal jemand fragte, warum ich das alte Blog aufgegeben habe.
Am Ende dieses Absatzs steht jetzt keine Antwort oder Lösung und keine 42. Aber das was ich hier seit ein paar Monaten tue fühlt sich sehr richtig an. Es ist anders als früher und es macht Menschen (das seid Ihr) Freude. Could it be better

Eingekauft, den Kobel feiertagsfest gemacht, die Schilde hoch gefahren. Netflix und Prima sind geladen und entsichert, der Kühlschrank ist voll. Die Festplatte ist gefüllt mit vier oder fünf Wochen „Shopping Queen“. Wenn man gegen die Einkaufszeiten der anderen einkauft ist das gar nicht so schlimm, wie man bei Twitter so lesen kann.

Festgestellt, dass der selbstgebaute Bass, mit dem ich treue Leserinnen vor ein paar Jahren genervt habe dumpf klingt. Jetzt auf Ursachensuche. Die simpelste Idee ist: ich habe die Saiten beim Aufziehen zerstört. Nun ist das für jemanden, der seit seinem 16. Lebensjahr Bass spielt eine ziemlich peinliche Idee, aber nachdem das letztens meinen favorite online-Bass-Lehrer ein eigenes kurzes Video wert war – wer weiß? Vielleicht hab ich nicht aufgepasst?
Dummerweise war das Video wohl in den Instagram-Stories und nicht auf YouTube und ich kann es nicht verlinken und damit ist der gesamte Nutzen dieses Absatzes verschwunden.
Eigentlich hätte ich ihn deswegen jetzt wieder gelöscht. Aber vielleicht ist das, was hier gerade beim Schreiben geschah, dann wiederum eine Antwort auf die Frage nach dem Tagebuchbloggen: Der ganze Absatz macht nur Sinn, wenn ich nicht nur irgendetwas erzähle, sondern wenn ich das was mir passiert verknüpfe. In einen größeren Zusammenhang stelle. Reflektiere. Dadurch vielleicht sogar Nutzen erzeuge und sei es nur für eine von Euch.
Ich werde da weiter drüber nachdenken.

Neue Saiten aufgezogen. Dumpfheit weg, glaube ich. (Das nur der Vollständigkeit halber)

Du findest Tagebuchbloggen der alten Schule gut?
Hier kannst Du mir ’ne Mark in die Kaffeekasse werfen!

7 Kommentare

  1. Also, ich habe auf jeden Fall Spaß beim Lesen über’s Ruhrgebiet gehabt. Sagt die Schwäbin. Lach.
    Einen Baßspieler anzutreffen haben mir meine Kontakte mal gesagt, sei ein 6er im Lotto. Ich erkenne da keinen Unterschied, außer vielleicht im Wummern, Gitarren sind beides für mich. Ich Banause!

    Liebe Grüße und hmmm, also meinen Molaren habe ich noch, ich hoffe Ihr Zahn gibt sich auch Mühe, lieb zu sein!

    Franziska

  2. Ich glaube, die simpelste Regel für jeden Blog lautet: »Sei authentisch.« Und das gelingt Dir!

    Was mich vielmehr interessiert: Wie schaffst Du es, täglich zu schreiben? Wie organisierst Du Deine Texte, sprich, machst Du über den Tag Notizen, wann schreibst Du? Etc. Ich versuche seit Langem, täglich zu schreiben, nur gelingt es mir bisher mäßig bis gar nicht:-D

    Hakan

    PS. Glückwunsch zur Nominierung bei den Goldenen Blogger Awards 2018!

  3. Hallo Hakan!

    Ich klinke mich mal eben ein. Von 2006 bis 2015 habe ich selbst gebloggt. Das ging von Vorlesungsinhalten bis Einkaufswahnsinn (Omis, die einem mal wieder die Hacken mit dem Einkaufswagen abrasieren…der Kindergarten neben meinem Wohnheim…Dinge eben). Täglich zu schreiben war bei uns Usus, sowas wie eine Retrospektive: Was war heute eigentlich los?
    Wie findet man Zeit dafür? Man nimmt sie sich. Aus dem Bedürfnis heraus, mit Gleichgesinnten einen Austausch zu erfahren. Ich habe oft genug zwischen Vorlesungen und spätabends (zwischen Protokollen für XYZ) an Beiträgen gesessen. Teils auf Warteschleife, sowas geht dank Verschleierung, bis es ausgefeilt ist. Und teils auch einfach rausgehauen.

    Ein Blog kann gut sein, um sich in sich selbst zu sortieren. Da hat aber jeder sein eigenes Maß. Ein Bekannter von mir hat nur etwa einmal im Monat gebloggt, dafür sehr dezidiert, ansonsten hatten wir telephoniert. (Damit war ich immer am Puls seiner Zeit. *lach*) Andere wie ich haben sich einfach jeden Tag diese 5-30 Minuten genommen und teils nachgebessert.

    Das ist kein „Maß aller Dinge“ und man sollte einfach nach sich schauen. Wie es zu einem paßt.

    Frohes Fest!
    Franziska

  4. @jawl:
    Danke für einen ganzen Beitrag!

    @Franziska:
    Ja, einfach schreiben ist leider für mich nicht so einfach. Ich brauche viel Zeit und Ruhe und mache mir zu viele Gedanken, wenn ich einen Text schreibe. Ich möchte – vermutlich wie jeder – gute und gehaltvolle Texte schreiben. Ich weiß, um gut zu sein, muss man u.a. viel schreiben und dazu gehört das tägliche Schreiben. Ich blogge jetzt seit acht Jahren. Vielleicht schaffe ich es in den nächsten acht Jahren, meinen inneren Zensor zu überwinden und meine überhöhten Ansprüche auf ein realistisches Maß zu reduzieren. Was mich zu der Frage bringt: Warum hast du aufgehört?

    Danke, ich wünsche Euch ein besinnliches Fest
    Hakan

  5. Hallo Hakan,

    nice to meet you!

    Mir kam als erstes spontan dies hier in den Kopf: Ich hab nicht das Internet, dafür die damalige Plattform kaputt gemacht.
    Ist aber nicht so, obwohl man meinen Trottelgenen alles zutrauen sollte. Nein, die Betreiber hatten 2015 (nach Ankündigung und ausreichend Zeit zum eventuellen Sichern von Daten) beschlossen, erst mal alles einzustampfen. Eventuell eröffnen sie neu. Vielleicht auch nicht. Es gibt von mir einen anderen Account, allerdings warte ich erst mal die vermeintlichen, angeblichen oder auch echten DSGVO-Sünden ab. Solange trefft ihr mich alle marodierend als Kommentatorin an.
    Inhaltlich…Anspruch…hmmm. Meine Frage an dieser Stelle lautet: Anspruch inwiefern. In humoristischer Weise, also unterhaltend. Oder Faktenlage, die einfach auf einem sprachlichen Niveau präsentiert werden möchte, für das man eben mehr als „Donald Duck“ gelesen haben müßte?

    Recht herzlichen Dank, dir auch ein besinnliches Fest!

  6. @Franziska:
    Ja, schade! DSGVO ist nämlich kein Grund, einen Blog nicht (weiter) zu führen (Achtung: keine doppelte Verneinung;-)
    Was den Anspruch betrifft, ja, Deine Auflistung passt. Um es kurz zu fassen: Ich will lesbar bleiben und von anderen unterscheidbar, ansonsten könnte ich einen Offline-Blog führen:-D

    Danke und sag bitte Bescheid, sofern Dein Blog wieder online ist!

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