Gestern ist etwas verschwommen, wir waren vormittags bei T. im Hospiz und danach war ich traurig. Man kann dort so oder so raus kommen und gestern war so.
Ebenfalls gestern kam aber auch eine DM von Dorothea, die ihr Wochenende in Neuss verbrachte und Neuss ist nur halb soweit weg wie ihre Heimatstadt weitweitweg und das war dann doch mal eine feine Gelegenheit und ein gutes Ausflugsziel für heute. Man sollte arg gemochte Internetmenschen immer treffen, wenn es geht – und einmal quer durchs Ruhrgebiet, das ist deutlich besser als „geht“, da bin ich schließlich schon für ein paar Stück Vinyl weiter gefahren.
Neuss war’s, weil dort ist gerade eine Landesgartenschau und auf dieser war dieses Wochenende eine Ausstellung von Dorotheas Quilt-Gilde. Jetzt ist ehrlich gesagt so eine Landesgartenschau nicht meine erste Idee eines gelungenen Tages – und mit Quilts hatte ich außer gelegentlichen Posts keinen Kontakt gehabt und meine Vorstellungen drehten sich rund um niedliche Muster mit hohem Näh-Aufwand auf Tagesdecken.
Ich liebe es ja, Dinge zu lernen und den Horizont zu erweitern.
Wir bekamen eine Privatführung durch die alten Ställe – die LaGa ist auf dem Gelände der ehemaligen Neusser Galopprennbahn* – in der pro Pferdebox jeweils ein paar Quilts hingen. Ich sag’s mal einfach so: Ich war danach nicht weniger wohl kunstgesättigt und beeindruckt als bei einem unserer üblichen Museumsbesuche.




Wir lernten über die politischen Aspekte des Quiltens, über die Entwicklung verschiedener Techniken und die Gründe für ihren Einsatz, über traditionelles und modernes bis zu „fuck the rules“-Quilten und insgesamt war der Nachmittag ein perfektes Beispiel, warum – Achtung, überraschende Wendung – KI niemals wird Kunst erstellen können. Garantiert dauert es bis zum ersten KI-Quilt nicht mehr lang, wenn irgendjemand nur entdeckt, dass man damit Geld machen könnte, aber bei jedem Stück Stoff heute hatte sich jemand Gedanken gemacht und die in ein Stück Kunst verwandelt. Egal, ob man auf den ersten Blick „Mittelstufen-Kurs Textilgestaltung“ oder sofort „wow“ dachte.
Kunst ist nie das Ergebnis, es ist immer der Prozess.
Ach so, die restliche LaGa? Joa. Eine LaGa ist weiterhin nicht meine erste Idee eines gelungenen Ausflugs. Die zweite auch nicht.
*) Hätten Sie den Unterschied zwischen Trab- und Galopprennbahn gewusst? Beim Schreiben dieses Artikels fiel mir auf: Ich nicht. Hab also gegoogelt und bin auf diese Seite gestoßen, die den Unterschied mit großer Leidenschaft erklärt.
Schön, dass Sie da sind.
Danke fürs Teilhaben und Dabei-sein. Wenn Sie wollen:
Hier können Sie mir ’ne Mark in die virtuelle Kaffeekasse werfen,
Oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier ist meine Wishlist. Sie finden dort formschöne und Freude-spendende Geschenke für wenige oder auch sehr viele Euro.

Hmmm – vor einigen Jahren hat mich mal jemand auf die Rennbahn in Saarbrücken mitgenommen, und da gab es am selben Nachmittag und auf derselben Bahn sowohl Gallopp- als auch Trabrennen.
Danke für den tollen Beitrag! Schön, dass ihr unsere Ausstellung besucht habt und es euch gefallen hat.
Allerdings hat KI inzwischen leider doch schon Einzug gehalten in die Quiltwelt. Es werden sogar Kurse angeboten, die damit werben mittels KI ein „eigenes“ Quiltdesign zu erstellen, was man dann nähen kann. Klar, die Stoffe sucht man noch selber aus, aber der Entwurf ist der KI entsprungen…
So weit wars’s mir fast klar. Ich fürchtete eher, dass schon Nähmaschinen mit Anschluss ans Stofflager irgendwo auf dem Reißbrett existieren …
Aber egal, gerade wichtiger: Das war eine tolle Ausstellung!