20.10.2020 – nur eine Phase

CW: Umgang mit Narzisten, Depression

Wenn Sie Eltern sind, dann wissen Sie vermutlich, wie sehr es mir hilft, dass Buch und Seelemassage-Erfahrungen mir sagen: „Es ist nur eine Phase“. Nämlich: Irgendwie schon, aber Spaß ist anders.

Sie müssen verstehen, dass die Liebe des Narzisten nie echt war und er immer nur versucht hat, sie damit zu manipulieren“, sagt das kluge Buch. „Sie müssen zulassen, dass Sie das traurig macht und ihr bisheriges Leben in Frage stellt“, sagt das Buch.
Ok, sage ich.

Sie müssen verstehen, dass er sie hassen wird, wenn Sie sich nicht mehr manipulieren lassen“, sagt das Buch. „Dass er Sie dann hasst und versuchen wird, den Hass, einen irrationalen, kaum erwartbar großen Hass auch an Ihnen auszulassen“.
Mein Kopf versteht das.

Ich begreife mehr und mehr über mein Leben. Das ist gut. Aber es macht mich gerade traurig.

Es ist eine Phase. Ich werde daran gesunder werden, jeden Tag mehr.

Wir gehen auf den November zu und es ist halt düster.

Natürlich bleiben wir zu Hause. Feiern keine Parties, gehen nicht essen, nicht ins Kino; gehen seitwärts auf die Wiese, wenn uns auf schmalen Wanderwegen jemand entgegen kommt. Und es fühlt sich richtig an.
Andere tun das auch – es gibt ja nicht nur die Idioten, die maskenlos private Parties feiern und die Existenz des Virus missachten, denen andere Menschen einfach scheißegal sind.
Fühlt sich das richtig an? Enno Lenze zieht eine Bilanz.

Jeden Abend hunderte Leute bei sich im Lokal feiern lassen (also insgesamt Tausende) ohne Einhaltung der Corona Regeln? Kein Problem. Die Gefahr auch nur ein Bussgeld zu zahlen ist gering. Und selbst wenn: Es liegt bei wenigen tausend Euro. Das mag für eine Privatperson, welche aufgrund der Pandemie gerade ihren Job verloren hat, nach viel Geld klingen. Ist es aber nicht. Wenn man dadurch 5.000 Gäste mehr hatte und dann 5.000€ Bußgeld zahlen muss, so ist das eine Partygebühr von 1€ pro Person.
[…]
Am Ende haben die Leute gewonnen, die sich ein Scheißdreck um alles geschert haben. Sie hatten kein Stress, sie mussten auf nichts verzichten, sie wurden für nichts belangt. Wer ist in dieser Geschichte also der „Covidiot“? Ich habe das Gefühl, dass ich es bin.
Es gilt wie immer: Wer fair spielt, verliert ehrlich.

berlinstory-news.de: Bin ich ein Covidiot?
(via Flusskiesel)

Ich selbst bin ab meinem dritten Lebensjahr bis zum Führerschein jeden Tag mit dem Bus gefahren. Also bis auf die Tage wo ich mehr als fünf Stunden hatte und abgeholt werden musste, weil kein Bus fuhr. Die Linie in mein Dorf war vermutlich relativ unbeliebt bei Busfahrerinnen und lange fuhr uns jemand, die auch mal im Wald am Grabenrand hielt und uns da aus dem Buss schmiss, weil wir zu laut gewesen waren. Achtziger Jahre Busfahrer-Pädagogik halt. (Es waren die Achtziger – unsere Eltern sagten „wird wohl einen Grund gehabt haben“ statt einen Shitstorm auf twitter herbeizuführen)
Aber ich gleite ab. Was ich sagen wollte: Vermutlich war schon da der ÖPNV so unbeliebt wie es eben nur ging. Erwachsene sahen wir nie in den Linienbussen.

Christian de Vries fährt Bus und guckt sich das Ganze an und fragt sich, ob der ÖPNV – so wie er ist – überhaupt sinnvoll ist:

Es sind in den letzten Tagen nie mehr als 10 oder maximal 15 Personen im Bus. Noch mal zur Erinnerung: In jeden üblichen Solo-Bus passen etwa 100 Menschen, je nach Marke und Ausstattung mal etwas mehr als 90 Personen (etwas mehr als 30 Sitzplätze, der Rest sind Stehplätze). Sehr häufig war es leider auch in den Schulwochen zuvor kaum anders. Die Busse im hiesigen Vorsauerland sind nur zu zwei Zeiten wirklich gefüllt: Zum Schulbeginn, und zum Schulende. Jeweils maximal eine halbe Stunde. Und so gern ich mittlerweile Bus fahre, frage ich mich, ob das sinnvoll ist.

cdv: Alltags-Notizen: Linien-Salat und ein kaputter ÖPNV

Wissen Sie noch? Der Lockdown im Frühjahr? Wissen Sie auch noch, dass ich den gern Lockdownchen genannt habe? Frau Wortschnittchen beschreibt, wie sich ein echter Lockdown anfühlt.

Wie kann ich mir eine Quarantäne in Chile vorstellen? Nun, zunächst sind erst einige Bezirke mit hohen Infiziertenzahlen in Q. geschickt worden. Q. heißt: Keiner darf ohne Grund und Passierschein – online zu beantragen, personalisiert und limitiert – raus und zwar raus vor die Grundstücksgrenze. Anfangs kontrollierte das Militär mit, später dann die Polizei und die Ordnungsamtsmitarbeiter: Bitte den Passierschein vorzeigen, ID-Karte und bei Verstößen kostet es dann auch ziemlich empfindliche Strafen ab 60 Euro (hier ein kleines Vermögen) aufwärts oder Knast

wortschnittchen: Quarantäne, Lockdown & Co.

Und falls Sie musikalisch interessiert sind: Hier hat ein Bassist Eddie Van Halen zu Ehren Eruption auf den Bass gebracht. Ja, so hab ich auch geguckt.

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5 Kommentare

  1. Van Halen auf dem Bass. Ja toll, jetzt hab’ ich was im Auge.
    (Nicht unbedingt wegen Eruption, ich mag das Stück nicht mal sonderlich, aber seine Worte treffen “right in the feels”, wie man heute wohl sagt.)

  2. Die beiden Zitate aus dem Buch sind wirklich sehr treffend!

    Ich bin heilfroh, dass zwischen Poison Ivy und mir mehrere hundert Kilometer Abstand sind und ich jeglichen Kontakt zu ihr abblocken konnte.

    Andere haben es da leider nicht so leicht.

    Ich wünsche Dir viel Kraft auf Deinem Weg!

Kommentare sind geschlossen.

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