2.7.2025 – Beifang-Tag

Schreibtisch von fünf bis zehn, dann einmal durchpusten und um elf im Zoom gesessen. Dann Arztbegleitung, kurz Pause, dann der nächste Zoom. Beim zweiten nahm ich mir die Freiheit, im Wohnzimmer zu sitzen – ich gehe davon aus, dass im Büro mein Hirn geronnen wäre.

Ich sagte es schon auf Mastodon: Ich bin einem Dorf aufgewachsen, wo man die beiden Grünen-Wähler kannte und anspuckte. Neun Jahre katholische, Nonnen-geführte Privatschule, erzkonservatives Elternhaus, jemand dort war Soldat. Fünf Jahre mit 63%-schwarzer Mehrheit hier im Rat überlebt und trotzdem – und das finde ich schon beeindruckend – bin ich überrascht, an wie viele Fronten diese Regierung über die Stränge schlägt, als gäbe es ein Morgen, das so ist wie 1980.

Nix zu sagen, aber ich hab wieder in diesem Internet gelesen und so kommen wir zum …

Zeugs

Sonnenmilch macht Krebs? – so ein neues Schwurbler-Meme. Bzw leider mehr, denn es ist eher eine Standortbestimmung, es ist – schließlich sollen wir doch alle unsere Meinung sagen – ein Stament gegen alle woken Alles-Verbieter:

„Gleich essen wir Fleisch. Und Erdbeeren. Die haben wir hier lokal gekauft – ohne Quittung. Und wir sind draußen – und cremen uns nicht ein.“ Ein Muster, wie er glauben machen wollte – denn er beschloss die ja eigentlich völlig unspektakuläre Beschreibung seiner Freizeit mit den Worten: „Wir sind rechtsradikal.“
Ich fasse zusammen: Sich einschmieren ist jetzt also nicht nur politisch, es ist auch noch links. Das ist natürlich Nonsens. Was aber stimmt: Es ist wieder so weit. Diejenigen, die stets emsig auf der Suche sind nach einem Thema, das sie als potenzielle Märtyrer dastehen lassen könnte, und die dann wie geölt laufen, wenn sie das Schema „Wir gegen die anderen“ in Gang setzen können, sind endlich mal wieder fündig geworden.

Nicole Diekmann:
Absurde Rebellion – Sie werden es hautnah zu spüren bekommen

Kommen wir zu anderen Memes: Zu schöner Haut ohne Poren und Falten. Jung sein, schön sein, gesund sein. Macht man am besten so wie mit der Sonnemilch – eins hört nicht auf Fachmenschen, sondern geht auf Insta und schaut, was die schönen, glatten, begehrenswerten Influenzerinnen uns versprechen. Ist doof, da sind wir uns einig? Oder ist es nicht doof, sondern hat gute Gründe, die tiefer gehen als man so denkt?

Die überraschende Antwort führt tief in unsere Geschichte: Was heute auf Tiktok und Instagram passiert, ist die digitale Version eines jahrhundertealten Kampfes um Gesundheitswissen und um die Frage, wer bestimmt, was gesund ist und was nicht.
[…]
Die Geschichte der Frauengesundheit ist auch eine Geschichte der Selbsthilfe. Jahrhundertelang gaben sich Frauen Wissen über Heilkräuter oder andere Heilmethoden weiter. Und nicht zuletzt auch Adressen von Menschen, die Abtreibungen vornahmen. Frauen bildeten Selbsthilfegemeinschaften. Und die Zugehörigkeit zu einer solchen Gemeinschaft entschied im Zweifel darüber, ob eine ganze Familie überleben konnte oder nicht.

Silke Jäger bei den Krautrepotern:
Warum Frauen Gesundheits-Influencern mehr vertrauen als Ärzten

(Als Mitglied darf ich diesen Link mit Ihnen teilen)


Kommen wir zum Lieblingsthema. Die meisten nennen es immer noch „KI“, dabei … naja, Sie wissen das, es ist nur eine Sammlung von wirklich sehr, sehr vielen Daten. Unseren Persönlichen Daten übrigens auch, denn wer eh schon in großem Stile auf Recht und Gesetz scheißt, der tut es auch da. Logisch, oder?

Die Herausgeber der Studie kritisieren insgesamt den mangelnden Schutz der Privatsphäre bei KI-Anwendungen: „Das Potenzial für das unautorisierte Teilen von Daten, deren Missbrauch und das Bloßstellen persönlicher Daten hat schneller zugenommen, als dass die Wächter der Privatsphäre oder Untersuchungen mithalten könnten.“

Wolf Hosbach auf heise.de:
LLM-Betreiber sammeln umfangreich persönlich Daten und geben diese weiter

Aber zu Sachthemen kann man KI doch mal nutzen, oder? Beim Programmieren vielleicht?“ werde ich gern mal gefragt. Some say so, some say so. Caspar C. Mierau beobachtet das sog. Vibe Coding, ein zielloses los-prompten und hat so seine Fragen dazu:

wenn man nicht nur auf das Ziel „ein Ergebnis!“ fokussiert wäre, sondern der Entstehungsprozess sich qualitativ in das Produkt einschreibt. Das Hin und Zurück, die Überlegungen, der Rückbau. Die Veränderung. Das iterative “challenging” der Ideen, das nicht nur der Tanz um das Endprodukt ist. Wie wichtig das ziellose Moment im Entstehungsprozess ist, unterstrich Hans-Jörg Rheinberger für die Wissensproduktion in Laborsituationen. Während man oft annimmt, dass in einem Labor gezielt Fragen gestellt und durch Experimente beantwortet werden, zeigte er: Die Episteme des Labors liegt vielmehr im Tasten, im Verändern, im Nichtwissen. Es wird probiert, angepasst, verworfen – und erst im Nachhinein formt sich das, was später als Wissensobjekt erscheint.
Vibe Coding klingt auf den ersten Blick genau wie dieses laborhafte Experimentieren. Eine Stimmung, ein Impuls, ein Versuch. Doch in Wahrheit folgt es nicht dem Vibe, sondern dem Ziel: Es promptet das Ergebnis – und zielt auf ein sofortiges Erfolgsgefühl. Für Umwege bleibt da kein Raum.

Caspar C. Mierau:
»Zucchini Coding« statt Vibe Coding – Zur Logik simulierter Selbstwirksamkeit

Vi ses!

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