2.11.2021 – snafu

Aufmerksame UND Casper-textkundige Leserinnen werden es sich gedacht haben: Ich hab am Samstagabend dann wieder mal einen kleinen Raller (Euphemismus!) wegen dieser Scheißstadt hier bekommen. Der Anlass ist quasi nichtig und schnell erzählt: Es gab ein neues Restaurant (das ist hier schon was besonderes), ein persisches Restaurant um genau zu sein und wir wollten das mal testen und Essen da abholen und es war einfach rundherum eine vollkommene „Null Sterne, gerne nie wieder, alles anzünden“-Erfahrung. Nun denn, das passiert halt, ja, ist schon klar, es geht jetzt auch nicht um dieses Restaurant im Einzelnen.
Sondern: Es geht um das strukturelle Problem, dass in dieser Stadt halt nichts Schönes entsteht oder, wenn es einmal aufblüht, nicht lange hält. Um die allgemeine Bräsigkeit, die hier in diesem Tal liegt und die mit tief empfundenem Unwohlsein allem Neuen, Schönen, Klugen gegenüber alles so behalten möchte, wie es schon damals war, als man tagsüber auf dem Feld war und abends Kohlsuppe löffelte. Und selbst ein persisches Restaurant dann so schmeckt und Dich so behandelt und solche Gäste hat.
Mir bescherte das einen erneuten kleinen Absturz und wenn ich schon erstmal hier leben bleiben muss, so denke ich dennoch sehr über mögliche Konsequenzen nach.

Wo wir schon so tief in so richtig guter Laune sind: Wir haben am Wochenende zuerst den Spielfilm Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück geschaut und als die Liebste verwundert fragte, was denn die Colonia sei und wie ich darauf komme, haben wir gleich noch die aktuelle Netflix-Doku begonnen. Ich kann nicht mal sagen, wann ich das erste Mal drüber las, aber aus irgendwelchen Gründen faszinierte mich dieser Teil deutscher Geschichte schon lange.

Über die Doku habe ich zumindest meine Faszination ein bisschen mehr verstanden. Es ist natürlich zuerst eine Faszination des Ekels und dann aber auch eine darüber, wie unverfroren offen man sich in Deutschland über Recht und Gesetz stellen kann, wenn man sich Christ nennt und/oder gut in Richtung konservativer Kräfte – I’m talking ’bout u, CDU/CSU – vernetzt.
In Kurzform: Jemand beginnt, in den 50ern systematisch Kinder um sich zu sammeln um sie zu missbrauchen, wird nach Jahren endlich angeklagt, flieht ins Ausland, entführt mehrere 100 Kinder und gründet in Südamerika eine Siedlung, die dann von Teilen der deutschen Regierung so hofiert wird, dass sogar die, die an Elektrozäunen und Selbstschuss-Anlagen vorbei fliehen können, von der deutschen Botschaft zurück ins Lager gebracht werden. Und sich die Regierung noch heute schwer tut mit der Aufarbeitung. Hat ja schließlich immer kraftvoll von Gott gesprochen der Mann, da werden die Zäune schon nicht so böse gemeint gewesen sein.
Lesen Sie ruhig mal den Abschnitt über die Haltung der deutschen Politik und die Rede Norbert Blüms nach, das ist amüsant. Nicht.
Aber wehe, man nennt jemanden Pimmel.
Ich passe echt nicht gut in diese Mentalität.

Sonst: Buchhaltung weggebracht, ein paar Rechnungen geschrieben, Kleinkram aus der Inbox erledigt; eine Inbox auf 0, eine Inbox auf 4 – aber nichts davon heute lösbar.
Bis auf eine unterschriebene E-Auto-Bestellung keine weiteren Vorkommnisse.
Am frühen Nachmittag kam dann das Energielevel auf Null an und das ist später und besser als ich es nach dem Meltdown am Samstag erwartet hätte.

Aber apropos „ich passe nicht in dieses Land“ – kommen wir doch (Überleitungen des Todes!) zum …

Zeugs

Schon 2015 las ich das erste Mal im Rahmen eines Jobs davon, dass Kopenhagen gerade seine Müllverbrennungsanlage einigermaßen spektakulär umbaut. Inzwischen ist das Ding fertig und man arbeitet dort im Keller daran, den letzten Schadstoff, den man in die Welt bläst, zu filtern: CO2. Und überhaupt ist Dänemark ein Vorreiter in Sachen Umweltschutz – so sehr, dass unserem deutsch-zentrierten Journalismus nichts anderes einfällt, als in kapitalistischem Konkurrenzdenken zu fragen: Läuft uns unser kleiner Nachbar im Norden da den Rang ab? Was für eine blödsinnige Formulierung, wenn man das Weltklima retten muss. Trotzdem interessant zu lesen, wie weit die Dänen sind – man könnte ja vielleicht mal auf die Idee kommen, zusammen zu arbeiten. Oder nee. Oder sich halt wundern.

In Dänemark arbeiten Ingenieure mit Hochdruck an Lösungen für eine klimafreundliche Zukunft. Alles scheint dort leichter zu gehen, mit weniger Widerständen. Warum bloß?

Michael Bauchmüller auf sz.de:
Wie Dänemark zu einem Labor der Klimawende wurde

Aber ich will ja nicht immer nur zynisch sein. Hier zB ein Lehrer, bei dem ich sehr gerne lese, wie er seinen Unterricht und Schule überhaupt (digital) weiterdenkt. Er hat da ein schönes Tool gefunden und erzählt – und ganz besonderen Spaß macht es mir, wie selbstverständlich er digitalen Unterricht beschreibt.

Craft bedeutet für mich der Abschied von Textverarbeitungsprogrammen. Ich habe jahrelang gebraucht, um Textverarbeitung und Layout zu verstehen. Im Umgang mit Word bin ich recht kompetent, ich kann vieles automatisieren, einstellen, so einrichten, dass das rauskommt, was ich möchte. Gleichwohl ist Word zu kompliziert […]

Philippe Wampfler auf schulesocialmedia.com:
Mein Abschied von der Textverarbeitung

Gerade Word halte ich ja für eines der größten Missverständnisse der Digitalisierung generell: Wie oft Menschen – von der Userin bis zu den blödsinnigen Fortbildungsmaßnahmen für ALGII-Beziehende meinen, man „könnte Computer“, wenn man mit Word was schreiben kann – und was für ein Unsinn das ist.
Ja, sicher, als Computer noch stand-alone-Maschinen waren, da waren Briefe mit Word die einzig sinnvolle Nutzung für Privatmenschen.
Aber heute kann man keine Digitalisierung verstehen, wenn man nicht Vernetzung und nicht die Trennung von Inhalt und Form versteht und beides ist das Gegenteil von Word und … ach, ich reg mich nur wieder auf.


Also zum Schluss noch was einfach Schönes: Im Minimalismmag werden immer wieder mal Fotografen vorgestellt und da ist logischerweise viel tolles dabei. Heute Morgen sah ich den aktuellen Artikel und merkte: Das ist der erste, wo ich jedes einzelne vorgestellte Bild atemberaubend toll finde. Muss man auch erst mal schaffen.

A meticulous theorisation of the language of emotions inside dramatic events lunch Alexandre far deep in the world of pathos and dysphoria. that is the reason why the photographer chose to dedicate his life recording the silent aesthetic of our beautiful world. That is the reason why Alexandre doesn’t take souvenir pictures but timeless and almost pure natural scenery instead.

minimalismmag.com:
Alexandre Manuel

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