19.9.2019 – gelbe oder rote Mappe?

(Heute kein Tagebuchbloggen)

Die Sommerferien sind vorbei und das bedeutet, dass das Schuljahr anfängt und das bedeutet, dass Schulmaterialien neu gekauft werden müssen.
Und das bedeutet in unserem geliebten Internet, dass die Lehrerinnen mit ihren detaillierten Einkaufslisten zum Abschuss frei gegeben sind. In launigen bis aggressiven Tweets verschwimmen dabei diverse Themen und am Ende sind sich nur alle einig: Dass die Lehrerin des Kindes ja wohl den Schuss nicht gehört hat. Wer dieser Liste Kontra bietet und einfach nicht kauft, was drauf steht, wird gefeiert als hätte sie den Rasen betreten.

Als Watchblog für Säue, die durchs Dorf kommen sowie als Fachblog für differenzierte Sichtweisen drösele ich das mal auf. Es ist mir quasi ein innerer Zwang.

Fangen wir mit den berüchtigten farbigen Mappen an. Die werden gerne als erstes bemüht, um die Sinnlosigkeit des gesamten Einkaufszettels zu beweisen. Denn warum soll ein Kind denn in einer roten Mappe besser Mathe lernen als in einer blauen?
Tut es natürlich nicht.
Kinder in der ersten Klasse aber zum Beispiel haben oft noch keinen Begriff davon, was Mathe und was Deutsch ist. Zu Beginn – haha – können Sie beides sogar nicht mal lesen. Aber: „Alle holen jetzt die rote Mappe raus“. Das geht sofort.

Oder: Sie lernen in fächerübergreifendem Unterricht und damit auch in Stunden, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Vielleicht haben sie auch Doppelstunden oder sogar ganze Vormittage, an deren Ende einfach alle mehrere Arbeitsblätter bearbeitet haben sollen – die Reihenfolge der Blätter aber egal ist.
(Man lernt so Selbstorganisation und Arbeitstechniken.)
Da kann mittags dann ein Blatt in Deutsch, zwei in Sachkunde und eins in Mathe landen.
Roter Stapel Arbeitsblätter – in die rote Mappe, gelber Stapel Blätter – gelbe Mappe. Immer. Über vier Jahre. Easy.
Reichlich weniger erklärungsintensiv als vor jeder Stunde ein Kurzvortrag: „Also, das Blatt, wo Ihr die Fördermengen von Kohle berechnet, das ist Mathe, das Blatt wo ihr die Kohlelager einzeichnet, ist Geographie und das Blatt wo ihr über das Ruhrgebiet schreibt ist Deutsch

(Ja, das Beispiel ist bewusst sehr plakativ und Grundschul-Unterrichtsthematisch absurd gewählt.)

Darüber hinaus: Auch(!) für Lehrerinnen kann eine schulweite Farbcodierung der Fächer das Leben einfacher und damit den Unterricht besser machen. Ob im Vertretungsunterricht, wenn mensch mit einem Blick sieht wo Arbeitsmaterialien stehen oder beim Blick auf den Stundenplan, oder beim Sortieren der Klassenarbeiten zu Hause: Ordnungssysteme machen halt Sinn.
Die Kinder werden sie übrigens eh brauchen, in der Kohlenstoffwelt funktioniert STRG-F nun mal nicht.

Klar, das sind jetzt Dinge, für die man einen Moment mehr nachdenken und sich vielleicht in den Lehralltag a tiny bit hineindenken muss. Ohne Nachdenken auf den ersten Blick wirken sie seltsam – sind also bestens geeignet, die gesamte Einkaufsliste lächerlich zu machen.
Aber wenn Ihr je im Qualitätsmanagementsystem einer großen Firma das erste Mal auf die Prozesse „Tür öffnen“ und „Post öffnen“ gestoßen seid, wisst Ihr ja eh, dass auch Abläufe in anderen Berufen von außen sehr seltsam wirken können.

Zwischenbemerkung: Wenn Ihr gerne über die Kosten sprechen möchtet – lest bitte bitte bis zum Ende.

Lineaturen und Karos, Korrekturränder und Co.In Frankreich kommen die ihr ganzes Schulleben mit einer Lineatur aus“, las ich.
Ja; und in Tralalaland haben sie vielleicht irgendwo noch Schiefertafeln und in Trulululand nur Tablets …
Alles nur wegen der persönlichen Vorlieben dieser Lehrerin“ las ich auch.
Äh, äußerst unwahrscheinlich.
Wir stecken hier in Deutschland, einem föderalistischen Staat, der Bildung als Ländersache sieht und dann den Schulämtern und Schulen in der Ausgestaltung noch etwas Freiraum lässt. Die Wahl einer Lineatur, so sie denn wirklich zur Wahl steht, dürfte immer Schulentscheidung sein.

Über Schulentscheidungen kann man übrigens in der Schulkonferenz mitbestimmen. Das ist natürlich weniger unterhaltsam als aus ach-so-unnützen Elternabenden live zu twittern – aber irgendwie nachhaltiger.

Und auch einheitliche Korrekturränder machen der Lehrerin das Leben leichter. Die sind nämlich ein Teil ihrer Arbeitsumgebung und die möchten wir alle kontrollieren.
Stellt Euch doch mal kurz vor, Ihr schreibt einen Text in Word und alle 10 Minuten stellt sich die Leiste mit den Icons um …
Richtig, man will das nicht. Und so möchte Lehrerin auch beim Aufschlagen des nächsten Heftes verlässlich wissen, dass sie den Platz hat, ihre Korrekturen unter zu bringen – und nicht davon überrascht zu werden, dass die Designer des fancy Spiderman-Heftes weniger Sinn für Korrekturen hatten und damit leider keinen Platz für sowas ließen.
Und alles, was Lehrerinnen das Leben leichter macht, kommt den Kindern zu Gute, das kann man sich immer mal wieder gut in den Hinterkopf rufen.

Wasserfarbkästen, Taschenrechner und Co. Kurze Frage, bevor ich weiter spreche: Möchtet Ihr lieber das enttäuschte Kind trösten, das immer die nicht-so-schönen Bilder malt oder lieber schon mal die nächsten Empörungstweets vorfomulieren, wenn das Kind in Kunst schlechtere Noten bekommt? Denn: Ja, es gibt Qualitätsunterschiede zwischen Markenprodukten und dem NoNameKram bei der holländischen WirHabenAlles-Kette.
Und gleiche Taschenrechner für alle bedeutet: Gleiche Chancen für alle. Gleiche Möglichkeiten für alle. Wollen wir doch auch alle, oder?

Zwischenbemerkung: Wenn Ihr jetzt! über die Kosten sprechen möchtet verstehe ich das, aber – lest wirklich bitte, bitte bis zum Ende. Ich komme da noch darauf.

Das schlechte Timing. Muss ich echt darüber reden, dass Schuljahresbeginn nun mal Schuljahresbeginn bedeutet und deswegen alle Eltern einer Stadt gleichzeitig die Läden stürmen? Ja, da ist in den Läden der Teufel los. Ja, das ist furchtbar, wenn man das nach der Arbeit noch erledigen muss und wenn dann in den ersten drei Läden die Hefte schon weg sind, dann hat man den Kaffee vollkommen auf.
Nein, das lässt sich trotzdem leider nicht günstiger übers Jahr verteilen. So wie Weihnachten oder Ostern auch nicht.
Ist aber auch nicht Schuld der Lehrerin; Lösungen könnten aber an ganz anderer Stelle ansetzen:
Kluge Läden würden sich zum Beispiel meiner Meinung nach während der (oder vor den) Ferien schon mit den Schulen am Ort kurzschließen und wüssten, was auf sie zukommt; man könnte das sogar digital machen.
Sammelbestellungen. Mengenrabatte. Lieferungen an die Schule. So viele Ideen.
Unkluge Läden bevorraten sich lieber mit fancy Spiderman-Heften (also quasi Quengelware) und machen damit alles noch schlimmer.

Gegen solche Sammelbestellungen sprechen dann allerdings wieder so Geschichten wie die von den Eltern, die ich mal hörte, die sich nicht an der Malpapierbestellung beteiligten. Weil es ja sein könnte, dass ein anderes Kind in den nächsten vier Jahren ein paar Blatt Malpapier mehr verbrauche und das Töchterchen dann benachteiligt würde. Ja, das ist eine wahre Geschichte und nein, das war keine Frage des mangelnden Geldes. Sondern des „Prinzips“ – man kann ja schließlich nicht jeden mit durchfüttern, das muss man ja auch mal sagen dürfen.
Aber ich schweife ab, hier sind wir ja schließlich alles erwachsene Menschen, die für alle Kinder das Beste wollen.

Das Geld. Danke, dass Sie es bis hier geschafft haben. Zuerst: Ich will mit keinem einzigen bisherigen Wort kleinreden, dass der Beginn des Schuljahres die Hölle sein kann und eine massive Ausgabe erfordert. Was ich möchte ist: Bitte lösen Sie als Eltern sich von der Idee, das wäre eine Laune der Lehrerin. Ihre Wut ist meiner Meinung nach vollkommen gerechtfertigt aber bei der Lehrerin an der falschen Stelle. Und bei Twitter irgendwie auch.

Und es macht mich – vermutlich genau wie Sie – unfassbar wütend, dass es so ist. Dass Schule so für Familien an die Existenz geht. Dass sich jemand entscheiden muss, das billigere Heft zu kaufen, obwohl alle oben genannten Gründe irgendwie bekannt sind. Dass sich Menschen aufreiben, um ihrem Kind die Klassenfahrt zu ermöglichen und der neue Taschenrechner dann die Kasse sprengt. Ich weiß das alles. Ich verstehe das alles. Und es regt mich tierisch auf.

Aber die Lehrerin ist die falsche Zielperson für die Wut. Wenn Sie nämlich auf die wüten, dann spielt das denen, die etwas ändern könnten, aber nicht wollen, in die Hände.

[Teile und herrsche] ist eine Redewendung; sie empfiehlt, eine zu besiegende oder zu beherrschende Gruppe […] in Untergruppen mit einander widerstrebenden Interessen aufzuspalten. Dadurch soll erreicht werden, dass die Teilgruppen sich gegeneinander wenden, statt sich als Gruppe vereint gegen den gemeinsamen Feind zu stellen.

(wikipedia)

Jetzt ist „Feind“ vielleicht ein ein-bisschen heftiges Wort, aber: Wenn Sie die Lehrerin für die hohen Kopierkosten, die blöden Ausflüge, die teure Klassenfahrt verantwortlich machen, dann passiert genau das: Eltern (mit dem Besten fürs Kind im Kopf) und Lehrerin (mit dem Besten fürs Kind im Kopf) stehen auf einmal gegeneinander. (Und dann noch dagegen: Eltern, die das alles nicht sooo schlimm finden, und Eltern, die vielleicht sogar froh sind über Ordnungssysteme und Eltern die dies oder jenes und und und …
Alle müssen auf einmal gegeneinander kämpfen, obwohl sie an einem Strick ziehen sollten. Verbrauchen da ihre Energie und suchen in der Zeit garantiert nicht nach Lösungen. Oder nach wirklich Verantwortlichen.

Ich sage nicht, dass das die Absicht unserer Politiker ist, aber doof finden sie die Auswirkungen bestimmt auch nicht.

Und so lange ich jedes Jahr einmal von irgendeinem blöden Satiriker im Fernsehen sehen, von irgendeinem populistischen Journalisten in einer Zeitung lesen und von vielen empörten Eltern durchs Netz gejagt sehen muss, wie unsinnig doch diese Einkaufslisten allgemein und die roten Mappen im besonderen sind – so lange weiß ich:

Auch dieses Jahr wird sich niemand daran erinnern, dass unser Staat im Grundgesetz verspricht, jedem Kind, unabhängig seiner (sozialen oder geografischen) Herkunft die gleichen Bildungschancen zu geben. Und dabei (sogar laut Eigenaussage!) so grandios versagt wie kaum ein anderes Industrieland*.
Ich bin, wie das Grundgesetz, der Meinung, dass Bildung ein Recht ist, was jedem Kind gleichermaßen zusteht – und das bedeutet für mich, dass dafür nicht bezahlt werden darf. Nein, auch nicht für Kopien oder Klassenfahrten. Nein, auch nicht „anteilig“.
Mich macht das – sogar ohne eigene Betroffenheit – wütend auf mehrere Regierungen nacheinander, die das seit Dekaden wissen. Gucke ich mich um, sind aber die meisten wütend auf die Lehrerin ihres Kindes.
WTF läuft da schief?

*) Kann man hier (Anfang zweiter Absatz und überhaupt) gut zusammengefasst nachlesen.

Wenn Sie also auch richtig wütend sind über diese Kosten, dann gehen Sie doch rüber zu abgeordnetenwatch.de – exakt da finden Sie die Menschen, die ihre Wut mal hören sollten. Einfach Postleitzahl eingeben und anschreiben.
Dabei nach Belieben ans Grundgesetz* und Deutschlands Defizite in der Problemlösung erinnern.
Nicht mit dem Hinweis auf sog. Sozialfonds trösten lassen; wer sein System auf Sozialfonds aufbaut, hat schon versagt.
Das ist natürlich etwas anstrengender als einen erbosten Tweet zu schreiben und sich dann in den Strahlen der bestätigenden @replies und Herzchen zu sonnen, aber nun denn: Demokratie ist vielleicht nicht so einfach wie Twitter. Dafür geiler.

26 Kommentare

  1. Schön gesagt. Und ‚den Kaffee aufhaben‘ kannte ich auch noch nicht. 🙂
    Ich glaube, es geht in den seltensten Fällen gegen die Lehrerin persönlich, sondern sie wird nur als Vertreterin derer gesehen, die alles falsch machen. Sie ist ein prima Blitzableiter, da greifbar. Aber sie ist natürlich in diesen Fällen die falsche Ansprechpartnerin, klar.
    Meine Grundschulzeit liegt ja nun bald ein halbes Jahrhundert zurück und bei uns damals gab es noch keine Loseblattsammlungen, da wurden Hefte geführt. Man brauchte die Erlaubnis der Lehrerin, wenn man ein Blatt rausreißen wollte und natürlich gab es auch nur zwei Sorten Hefte, je in A5 oder A4: Mit oder ohne Rand, kariert oder liniert. Wir hatten ja nix. Wer kein Heft mehr mit Korrekturrand abbekam, musste halt 4-5 cm Rand mit dem Lineal von Hand reinzeichnen. Ich habe noch meine Lehrerin im Ohr: „Der Rand gehört mir. Da will ich keine Strichmännchen oder Tic-Tac-Toe Spiele drauf sehen.“ (Und zu mir gewandt: „Auch keine Bären, Kiki.“ Gna.) Und natürlich hatte der Schreibwarenladen im Dorf diese Hefte ganzjährig auf Lager. Spiderman gab’s nicht, auf den Zeichenblöcken hatte man vorne auf dem Deckblatt die Wahl zwischen Pferdekopf, Goldhamster und Winnetou. Qualitativ oder preislich unterschieden sie sich null.
    Fotokopien gab’s nicht, schon deshalb nicht, weil Fotokopierer damals nur in ganz großen Firmen standen. Die Schule hatte Matrizen, diese dickfaserigen Zettel, auf denen von Hand etwas durchgenudelt wurde, mit dieser violetten Tinte, deren Geruch einen so high machte wie der aus dem Inneren der Filzstifte, wenn man hinten den Stöpsel zog. Diese Matrizenblätter waren mühsam herzustellen, nach wenigen Tagen unleserlich da verschossen und daher eher selten. „Zettelwirtschaft“ war quasi unbekannt in diesem Land vor unserer Zeit. Die ersten losen Zettel in Ringheftern oder Schnellheftern habe ich in der Mittelstufe gesehen. Und umgehend verknickt, zerfleddert, verloren in den Untiefen des Scoutranzens. Die Lehrer hatten keine Lust mehr, ganze Hefte einzusammeln und zu korrigieren. Klar, 30 Blatt, einzeln, sind nicht so schwer nach Hause zu schleppen wie 30 Hefte à 48 Seiten.
    Schulbücher wurden von der Schule gestellt, selbst kaufen musste man nur Reclamhefte, die wurden in der Regel aufgrund einer Sammelbestellung der Schule etwas billiger, als sie es ohnehin schon waren. Die Taschenrechnermafia hatte auch damals die Schulen fest im Griff; man hatte die Wahl zwischen einem 35 DM- und einem über 50 DM teuren Gerät von Texas Instruments, ebenfalls per Schulsammelbestellung zu kaufen. Natürlich haben wir ihn nur zweimal benutzt.

    Will sagen: Dieses „wir hatten ja nix“ erscheint mir rückblickend ziemlich sinnvoll und da wir alle dasselbe Geraffel hatten, kam auch kein Neid auf. Die Lehrerin war natürlich trotzdem doof, eh klar. 😉

    1. @Kiki:
      Ich fürchte, manchen Menschen ist es einfach inzwischen egal, die wollen jetzt wütend sein. Ob das noch „nur Blitzableiter“ ist oder ein größeres geellschaftliches Problem …?

      Sonst: Ich muss gestehen, ich wollte beim Lesen gerade etwas angestrengt werden über die lange Aufzählung von früher und der Twist am Ende hat mich sehr nachdenklich gemacht. Well written 😉

  2. Sehr schön!
    Mich persönlich ärgert mangelnde Organisation. Vielleicht haben/hatten wir bisher Pech mit den Schulen, aber bei uns war die Liste, wenn es denn eine gab, bisher nie vollständig. Jeden Tag in der ersten Woche kommt noch irgendwas hinterhergekleckert, so dass man ständig nochmal los muss.
    Ich suche einen begabten Menschen, der die Stundenplan-Software um eine Materialliste erweitert: Jede Lehrerin würde einmal ihre Anforderungen hinterlegen (Mathe 5. Klasse: gelber Hefter, Blätter mit Karo und Rand, Zirkel / Englisch 6. Klasse: roter Hefter, Vokabelheft), und dann könnte die Software die zum Stundenplan passende Liste automatisch ausgeben. Vollständig!
    Will das nicht mal jemand programmieren?

    1. @FrauC: Ja, das verstehe ich gut.
      Ich habe – persönlich unbeteiligt und nur als stiller Beobachter mit Lehrerinnengattin – zwar den Eindruck, dass die das eigentlich meist ganz gut organisiert bekommen – dafür, wie viel ihnen selbst an Chaos in den ersten Tagen noch passiert.
      Aber wenn Du dann als Mutter noch weiter hinten in der Organisationskette hängst, dann ist das halt noch unzufriedenstellender, das ist klar.

      So eine Software wäre sich eine interessante Idee. Programmierer anwesend? 😉

  3. Wir sind als Eltern nicht so machtlos wie es immer scheint. Nutzt die Kremien die es gibt. Elternvertreter, Bezirkselternverteterversammlung, Landeselternverteterversammlung. Auf jeder Ebene kann man andere Dinge erreichen. Bei der Bezirkselternverteterversammlung und Landeselternversammlung sitzen auch die zuständigen Politiker mit am Tisch und Geld ist garnicht immer das Problem. Teilweise ist es einfach nur nicht wissen um die konkreten Probleme und sie sind froh strukturiertes Feedback zu erhalten.
    Durch das Engagement der Eltern ist bei uns im Bundesland Berlin einiges bewegt worden in den letzten 10 Jahren. Kitakostenzuzahlungsbefreiung für Kinder ab 3 Jahren wurde auf 1 Jahr gesenkt. Der Betreuungsschlüssel wurde verbessert. Die Schulbücher werden von der Schule gekauft. Ab diesem Schuljahr ist auch der Hort der 1 und 2 Klasse zuzahlungsfrei. Mittagessen in der Schule ist kostenfrei und alle Schüler erhalten ein kostenloses Nahverkehrsticket.

    Ja das Mitbestimmungsrecht der Eltern durchzusetzen ist nicht immer einfach, gerade an Kitas und Schulen die das nicht gewöhnt sind. Aber es steht uns rechtlich zu, also können wir es einfordern und unseren Kindern aber auch den Lehrern und Erziehern helfen den Kita- und Schulalltag besser zu gestalten. Lehrer und Erzieher stehen im Gegensatz zu den Eltern in einem Dienstverhältnis zu den Leitungen und Trägern und können somit manche Sachen viel schwerer oder garnicht ändern im Gegensatz zu den Eltern.

    Also los gehts weg von Twitter rein in die Eltervertretungen und Dinge gestalten.

    1. @Max: Exakt. Die Beispiele, die Du da aufzählst sind ja schon echt beindruckend.
      Ich verstehe scho dass es schwer ist, vor allem, weil Erfolge selten unmittelbar sind – aber Engagement lohnt sich auf jeden Fall!

  4. Danke für den Text! Das nächste Elter, das sich über Schulanschaffungen beschwert bekommt den Text gelinkt. 🙂
    Ich lese hier sowieso gerne mit, das wollte ich länger schon mal loswerden.
    Liebe Grüße

  5. @Autorin: Sehr schön geschrieben. Mir tun die Lehrkräfte immer leid, die sich mit solchen Eltern rumschlagen müssen. Es gibt leider viel zu viel bekloppte Eltern, mindestens in diesem Land. Durfte schon bei den ein oder anderen Storys mithören, die mir bekannte Lehrkräft zum Besten gegeben haben. Da möchte man lieber im Retail arbeiten als an einer Schule. Ob Twitter oder die Klassen-WA-Gruppen, in deren Untiefen sich nur meine Frau begeben möchte – diese Tools sind Werkzeuge der Hölle für diese Spezies von Eltern.
    An dieser Stelle kurz meinen Respekt und meine Hochachtung vor den Lehrkräften, die damals mir und heute meinen Kinder die nötige Bildung vermittelt haben. Was täten wir nur ohne euch und euer Engagement. Reich werden tut man dabei wohl eher nicht.
    Ob es früher auch so seltsame Eltern gegeben hat? Jedenfalls hoffe ich für Sie und ihre Kollegen/innen, daß die anstrengenden Eltern in der Unterzahl bleiben.

    @kiki: Danke für die Zeitreise. Zu meiner Schulzeit (ab 1981) gab es neben Ti auch Casio Geräte, die wesentlich günstiger waren und aussahen als könnten sie mehr. Zumindest hatten die mehr Tasten, absurde mathematische Zeichen drauf und konnten zwei Stellen mehr anzeigen. Yes! Wahrscheinlich habe ich bis heute nur ein Bruchteil seiner Fähigkeiten benutzt. Aber es gibt ihn noch. Er funktioniert und leistet mir selten aber zuverlässig treue Dienste.
    Beim Schulmaterial gabs nur herlitz oder Pelikan, Pelikan oder Lamy und Scout oder McNeill. Ich hatte Scout, natürlich den mit der Waage drin.
    An die lila Matrizenblätter erinner ich mich ebenso, natürlich ob des Geruchs. Damals konnte man auch noch von Edding und UHU leicht high werden bevor die Firmen die Rezepturen änderten.

    Ich hatte meiner Frau empfohlen die Materialliste schon am Anfang der Sommerferien abzuarbeiten, die bekam man tatsächlich dann schon. Genutzt hat es nichts, genau ein Tag vor Schulbeginn durfte sie dann alles mit all den anderen Mamas in den beiden Läden im Dorf zusammensuchen. Ich durfte sie übrigens nicht abarbeiten, ich würde davon nicht viel verstehen oder falsche Sachen kaufen, sagte sie mir.

    1. @Onkel Hotte:
      Merci. Ich fühl‘ mich als Autor mal mitgemeint 🙂
      „Bekloppt“ – naja. Halt auch genervt und dann nicht nachgedacht vielleicht? Wird einem ja auch nicht immer leicht gemacht, das Nachdenken …

  6. An die farbigen Mappen haben wir uns zur Einschulung unseres Sohnes (jetzt bald 10 Jahre her) auch gewundert, aber deren praktischen Nutzen schnell erkannt: Auch für die Eltern, die ja das Grundschulkind beim Packen des Tornisters unterstützen, ist so eine Farbcodierung sehr angenehm — und ich will auch noch einmal besonders auf die Elternmappe hinweisen (Farbe ist mir nicht mehr erinnerlich): Die war echt praktisch!

    Ärgerlich wurde es dann eher in der weiterführenden Schule. An der Schule meines Sohnes ist es üblich, dass die Materiallisten der Fachlehrer zu Beginn des Schuljahres nach und nach eintröpfeln und man nicht einfach *einen* Besuch eines großen Schreibwaren- und Bastelgeschäftes (wie wir) oder *eine* Bestellung beim großen A macht, sondern sich der Aufwand durch das Stückelwerk potenziert. Von Literaturlisten mit Arbeitsheften (von denen es zig unterschiedliche in einem Verlag gibt) *ohne* ISBN mal ganz zu schweigen. Auf meinen Vorschlag, dass die Fachlehrer die Listen doch einfach an die jeweiligen Klassenlehrer mailen und diese dann gesammelt an die Elternschaft geschickt werden könnten, kam die Antwort: ,,Nicht alle Lehrer nutzen E-Mail!“.

    Alles in allem ist die Schule aber besser organisiert als ,,zu meiner Zeit“. Gerade die Grundschule (s.o.) war ein wirklich leuchtendes Beispiel dafür.

  7. Meine Kinder haben beim Übertritt in die weiterführende Schule, wo Umschlagfarben frei gewählt werden können, ganz selbstverständlich die Farben aus der Grundschule beibehalten, fanden sie folgerichtig und praktisch. Und im Stundenplan, der über dem Schreibtisch hängt, haben die Fächer natürlich die passende Farbe. Ein super Ordnungssystem und eine große Hilfe beim Ranzen packen…

  8. Pingback: herrpaul_
  9. Meine Tochter ist nun in die zweite Klasse gekommen. Das System mit den farbigen Ordnern kann ich voll und ganz nachvollziehen – auch wenn mir bislang niemand verraten hat, wofür die Farben jeweils stehen. Außer gelb (Elternpost) und pink (Hausaufgaben). Ist mir aber auch wumpe.
    Ein wenig angenervt bin ich aber davon, dass wir gaaaaaaanz bestimmte Lineaturen einer gaaaaanz bestimmten Marke kaufen müssen (also zum Beispiel auf der linken Seite Sprechblasen und rechts dann Linien). Und die gibt es nur in einem Geschäft. Und da knubbelt es sich kräftig.
    Ansonsten hat man uns ziemlich freie Hand gelassen: Wasserfarbkasten muss nicht von Pelikan sein, Bleistifte müssen nicht von Faber sein etc. Daumen hoch.

    Die Kids haben im Moment noch keinen dezidierten Mathe- oder Deutschunterricht. Das geht alles ineinander über und wird im Stundenplan mit einem Punkt markiert.

    1. @Christine:
      : auch wenn mir bislang niemand verraten hat,
      : wofür die Farben jeweils stehen.

      Die Lehrerin konnte es Dir nicht sagen??

      : Ein wenig angenervt bin ich aber davon,
      : dass wir gaaaaaaanz bestimmte Lineaturen einer
      : gaaaaanz bestimmten Marke kaufen müssen

      Ich schrieb ja oben: Einheitliche Lineaturen machen Sinn. Die Kinder bekommen einheitliche – und damit vergleichbare – Korrekturen, die Lehrerin kann einheitlich und effizient arbeiten.

  10. Ich bin eine der bösen Lehrerinnen- aber fast ohne List. IIch habe das an meiner Grundschule gepflegte Konzept übernommen und besorge Mappen und Hefte sowie Malpapier im Klassensatz und rechne über die Klassenkasse ab. So bleibt den Eltern der ganze furchtbare Kleinkram erspart, alle haben das gleiche, ich weiß, dass zum Start alles da ist und Spiderman-Hefte gibt es nicht. Das hat sich für mich bewährt und wird von den Eltern dankend angenommen…

    1. @Frau fjaell:
      Klingt super. Dann wird’s von „Deinen“ Eltern ja auch keinen wannabe-Shitstorm auf Twitter gegeben haben 😉

      Warum „böse“ Lehrerin?

  11. Pingback: Hokey
  12. @jawl
    Ich sehe, dass es für die Lehrer einfacher ist, wenn die Hefte identisch sind. Aber warum es so super exotische, identische Hefte sein müssen, erschließt sich mir nicht.

    1. @Christine: Ich habe ja jetzt leider nicht vor Augen, was „super exotisch“ bedeutet.
      Aber erstmal zu „gleiche Hefte“: Stell Dir vor, das eine Kind hat 5cm Korrekturrand, das andere nur 2cm. Dann bekommt das zweite auch weniger ausführliche Rückmeldungen zu dem, was es geschrieben hat. Und deswegen machen zumindest gleiche Hefte sehr viel Sinn.

      Ob die dann exotisch sein müssen und es ausgerechnet die Marke sein muss, die es nur an Tagen mit einem I in dem Laden gibt, der nur von 13-15 Uhr geöffnet hat (um mal zu übertreiben) – da ist sicher viel Luft und ich glaube fest daran, dass man da auch mit Lehrerinnen sprechen kann (statt über sie auf Twitter zu schímpfen). Auf Twitter erzählte jemand, sie würden immer die Hefte ntzen, die gerade bei Lidl/Aldi vorrätig wären und das finde ich eine wunderbare Idee.

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