Collien Fernandes? Fernandes-Ulmen? Wer war das noch? MTV, ein bisschen Schauspielerei, Frau von Christian Ulmen, sowohl privat als auch in seiner Erfolgsserie Jerks, Ärztin auf dem Traumschiff, Online-Apotheken-Werbung zusammen mit ihrem Mann. Außerdem, wenn man ein bisschen aufmerksam für solche Themen ist, seit Jahren öffentlich auf der Suche nach Menschen, die DeepFakePorn ins Netz stellen – auch, aber nicht nur welchen mit ihr.
Seit geschätzt anderthalb Jahren getrennt, jetzt werben beide alleine für die Apotheke.
Heute hat sie die Titelstory im Spiegel, denn sie hat mutmaßlich heraus gefunden, wer die DeepFakes angefertigt hat; es war mutmaßlich ihr Mann.
Nein, nicht alle Männer. Aber halt wieder ein Mann. Wieder ein Mann, der über alle Grenzen ging.
Wilder brainstorm: Seit Jahren versuche ich, den Menschen in meinem direkten Umfeld zu erzählen, wie scheiße (nicht jeder einzelne, aber systemisch alle) Männer meiner Generation sind; nicht nur, aber auch in dem, wie sie über Frauen denken. Ich erzähle Geschichten aus Umkleidekabinen und aus Bürogemeinschaften. Ich erzähle Geschichten von Weihnachtsfeiern und vom ersten Tag, als die Grafikerin unsere Bürogemeinschaft verlassen hatte und die Hemmungen fielen. Die Männer am Tisch schweigen betreten wenn ich spreche und die Frauen sagen, dass das doch nicht sein kann und sie das nicht hören wollen, weil sie nicht den Glauben an das Gute verlieren wollen.
In ihrem frischen Newsletter zitiert Vanessa Theresia Volk: „Männer nehmen ein Spiel sehr ernst und begegnen Ernst dagegen oft spielerisch“ und ich schaue auf die Nähe von „Ernst spielerisch begegnen“ und „nicht Ernst nehmen“.
Wenn sie es sich nicht selbst erarbeitet haben, haben Männer meiner Generation von niemand anderem gelernt, dass Verhalten Konsequenzen haben kann. Nicht von Eltern, nicht von Lehrkräften. Es hat immer ausgereicht, frech zu grinsen, und „schulligung“ in den noch nicht vorhandenen Bart zu murmeln.
Wir müssen nichts ernst nehmen.
Und wenn wir in der Pubertät mal bestraft wurden, dann konnten wir uns noch mit der Zahl der Stubenarrest-Stunden, die wir natürlich männlich cool abgesessen hatten, brüsten.
Es gab immer eine fine line, wir duften nicht wirklichen Unsinn machen, aber zwischen Anstand und dieser fine line war immer viel Platz für „sind halt Jungs“-Blödsinn, bei dem auch schon mal Blut fließen konnte; und von verletzten Seelen sprechen wir erst gar nicht.
In unsere Vorabend-Filmen zerlegten Männer ganze Innenstädte in Schutt und Asche und wir feierten die Verfolgungsjagden. Oder später die coole Film-Action: Je Explosion, desto geil, je Blut, desto geiler.
Aufgeräumt hat nie jemand und ich habe noch keinen Action-Film gesehen, in dem über das erschossene Wachpersonal des Bösewichtes auch nur ein Wort gefallen wäre.
Wir müssen echt nichts ernst nehmen.
Und deswegen: Wenn wir es uns nicht selbst beibringen wollten oder nach einem heftigen Sturz auf die große Klappe vielleicht doch mal mussten, können wir auch nichts ernst nehmen. Wir haben es nicht gelernt.
Ganz im Gegenteil wissen die meisten von uns, dass wir uns im entsprechenden Umfeld mit dem größten Scheiß sogar noch brüsten können. Egal, ob es der Anschiss der Lehrerin nach der Stunde, die Sozialstunden, die Blutgrätsche in der Kreisklasse oder die grabbed pussy im Präsidenten-Wahlkampf ist. Wer uns etwas dazu sagt ist Spaßbremse – und deswegen müssen wir nichts ernst nehmen. Es ist ein selbsterhaltenes System.
Frauen sind übrigens grundsätzlich Spaßbremsen.
Ich sage das nicht, um zu verharmlosen, was dort mutmaßlich geschehen ist – ich sage das alles genau im Gegenteil, weil ich glaube, dass Boys will be boys eine empathielose Drecks-Haltung ist, die bis in krasseste Straftaten reichen kann.
Und ich sage das erst Recht nicht, um Mitleid zu heischen, ich sage das nicht, um uns Männer zu entschuldigen. Ich bin der festen Meinung, dass jeder Mensch spätestens jenseits der 20 für sich und sein Verhalten verantwortlich sein kann. Und wenn man es bis dahin nicht gelernt hat, dann ist es die verdammte Pflicht eines jeden, es sich draufzuschaffen
Ich sage das also eher, um aus anderer Warte zu zeigen, wie groß das Problem ist.
Liebe, sonst immer schweigende, jetzt gerade wieder betreten schauende Geschlechtsgenossen: Ihr wisst, wovon ich spreche. Wenn Ihr gute Jungs seid, dann schweigt Ihr ja auch schon zu den Sprüchen und lacht nicht mit. Aber es ist wirklich, wirklich an der Zeit dafür zu sorgen, dass „nicht alle Männer“ mal einen wahren Kern bekommt. Schweigen und nix tun zählt nicht.
Und wenn Ihnen der echte rote Faden hier fehlt – mir auch. Trotzdem ich das alles weiß, fehlen mir auch immer wieder die Worte.
Edits (20.3.):
Aus Gewohn- und Dummheit hatte ich als erste Zeile „Collien Ulmen“ geschrieben.
Aus lustiger Gewohnheit hatte ich zu Beginn des driten Absatzes „… versuche ich, den Frauen in meinem Umfeld…“ geschrieben. Was schlicht daran liegt, dass ich zu geschätzt 90% mit Frauen befreundet bin, denn Menners ertrage ich nicht und sie mich nicht.
Außerdem habe ich diverse Tippies und Grammatik-Unsauberkeiten korrgiert, die mir in meiner Wut duchgegangen waren.

Dankeschön, dass du bei dem Thema nicht schweigst.
Ich schließe mich dem Dank an. Und bin froh, dass Mann und Bruder auch zu denen gehören, die den Mund nicht halten.
Und ich verstehe die Frauen, die das nicht hören wollen. Wir müssen ja weiter in dieser Gesellschaft leben. Und wenn frau mit der Wut nirgendwo hin kann, macht das auf die Dauer krank.
Danke für diesen Text. Ich wünsche mir, dass mehr Männer unserer Generation endlich zu dieser Einsicht kommen.
Danke für diesen Text!
Danke, Christian.
„Aber es ist wirklich, wirklich an der Zeit dafür zu sorgen, dass „nicht alle Männer“ mal einen wahren Kern bekommt.“
Ich bin dabei! Ich unterscheide auch seit geraumer Zeit zwischen Männern und Menners, wir im Titel auch schon gektenmäßig angedeutet. Ich bin einer dieser sehr beliebten Menschen, die auch nicht einfach so nicht mitlachen, sondern sexistische Kackscheiße einfach frontal ansprechen und dreiste Fragen stellen. Mag die Webergrillfraktion gar nicht.
Man kann nur hoffen, dass die Altherrenblogs das hier nicht mitbekommen, sonst fangen die wieder an zu weinen :*(
Dann muss Rantgebiet wieder ran :D
Schönes Wochenende, ich habe jetzt gute Laune!
Es gibt Altherrenblogs? Ach ja, ich bin ja fast auch ein alter Herr ;))
!
Will nicht klugscheissen, aber sie hat wohl den Namen Ulmen abgelegt (verständlicherweise!!!) und heißt Collien Monica Fernandes.
Natürlich hat sie das. Gewohnheiten, ey. Ich habs transparent korrgiert.
Danke sehr.
Hier auch nochmal: Danke für den Text. Ich hoffe, dass ihn viele Männer und Menners lesen.
danke dir sehr christian!
Bei den weitaus meisten Männer oder „Menners“, die sich als soooo feministisch geben, sollte frau zur Sicherheit davon ausgehen, dass es geheuchelt ist und er doch nur ein Sebastian Hotz ist.
prima ist dieser text, unerwähnt sind die mütter von kleinen und jugendlichen jungs, die ihre knaben wunderbar finden, egal was sie tun. die stolz sind, weil ihr sohn sich „durchsetzen“ kann, die sexistische sprüche und verhaltensweisen dulden. es braucht auch den mut der jungs, nicht mit der gruppe zu feixen. mütter und väter müssen verstehen, dass dieser mut gefördert werden muss. und vorbilder brauchen sie, nicht falsche stärke, tausendfach vorgeführt in filmen und realität. für erwachsene männer habe ich kein verständnis, die sollten sich schämen und verkriechen, bis sie gelernt haben. unser sohn hätte nie so werden können, sein vater ist stark mit zärtlichkeit und emphatie.
stimmt, diese Gruppe gibt es auch noch. Auch immer schön anzusehen – also: nicht.
Lieber Christian, danke für deine Worte und vorallem dafür, dass du sie nicht nur denkst, sondern sagst, hier in deinem Space in deiner Sprache und laut für uns alle. Danke, dass du es mit Empathie und Vehemenz tust und dass sie eine Einladung sind, JETZT endlich anzufangen, gemeinsam etwas zu ändern und hunderte Jahre gewachsener Konstrukte aus Dominanz, Privileg und Unwissenheit in das echte WIR der Geschlechter zu wandeln, welches wir so dringend für die Zukunft dieser Welt brauchen. Danke für deine Zeit und deine Worte und dass du auf diesem
Weg schon so lange mit uns unterwegs bist!