Der Tag begann mit fieser Migräne, fies genug, um im Bett zu bleiben. Die Liebste ging zur Schule, ich blieb liegen, schlief wieder ein und als sie wieder da war, wachte ich auch auf. Registrierte langsam, dass der Schmerz weg war, musste aber auch eine tiefe, tiefe Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation konstatieren. Gut, die haben wir im im Moment alle, aber ich begriff dann Stück für Stück: Ich hatte kurz vor dem Aufwachen ebenso angenehm wie aufwändig geträumt, es sei Freitag, wir beide würden jetzt draußen im Sonnenschein frühstücken gehen und hätten am Wochenende was wirklich Nettes vor, auf das wir uns sehr vorfreuten.
Die Realität im Wachzustand konnte an keiner Stelle mithalten.

Na, dann mal Schreibtisch. Jede frisch ge- ode re-launchte Website braucht in den Tagen danach noch ein bisschen Kümmern: Vielleicht stellt Google plötzlich fest, dass ja ein paar alte Seiten verschwunden sind, vielleicht stellt die Kundin fest, dass sie ja auch noch einen Newsletter oder einen Google-Business-Account hat – es gibt immer noch irgendwas zu tun. So auch diesmal.
Später am Nachmittag kam tatsächlich der Kopfschmerz samt Übelkeit nochmal durch und ich bleibe dabei: Ich muss heute auch eine tiefe, tiefe Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation* konstatieren.
Gleich läuft „Hast Du Töne“ und das ist exakt das, was wir alte Menschen heute gern im Fernsehen sehen wollen; man könnte sogar von etwas Vorfreude sprechen.
Und wenn Sie genug zwischen den Zeilen gelesen haben, wissen Sie jetzt: Eigentlich geht’s langsam aufwärts. Man muss ja erstmal die Kapazitäten haben, auf so etwas wie ein Wetter aufmerksam zu werden.
The Daily KI: Franziska erzählt in ihrem Newsletter:
Vor ein paar Wochen erzählte Marie Kilg […], dass sie gerne Raps schreibt und diese mit ihren Freunden und Verwandten teilt. […] Sie fragte ihren Bruder nach Feedback, schließlich war sie immer gerne die Kreative. Er antwortete: „Ach so, ich dachte, das war ChatGPT.“
Franziska Bluhm:
Kein Staunen. Kein „Wow, wie machst du das?“ Nur der Verdacht. Besonders berührt hat mich Maries Reaktion. Jetzt sei sie nicht mehr die Kreative, ein Teil ihrer Identität sei weg.
Aus meiner Sicht beschreibt sie nicht nur eine private Kränkung. Das ist viel größer. Eine Fähigkeit, die lange als Ausweis von Talent galt, wird zur Massenware: Nicht alle konnten gut formulieren, Gedanken klar strukturieren, Ideen in Sprache übersetzen. Das betrifft Texter. Journalistinnen. Kommunikationsprofis in Unternehmen. Alle, deren Kapital ihr Denken war – sichtbar in Sprache.
Newsletter 19.2.: „Ach so, ich dachte, das war ChatGPT.“
Transparenz-Hinweis: Franziska und ich arbeiten an den verschiedensten Stellen zusammen, aber dieser Lese-Tipp ist weder beauftragt noch bezahlt. Ich find halt gut, was sie macht.
Das neue Album CIRCLES & SQUARES.
Seit dem 26.1. auf diesen und allen anderen Streaming-Diensten.

