17.4.2026 – reality bites

Work: Aktuell arbeite ich gleich für drei Projekte daran, an den letzten, den kleinsten, den präzisesten Schräubchen zu drehen, um die jeweiligen Websites für Google so ansehnlich und verständlich wie möglich zu machen. Und ach, zwei Herzen schlagen in meiner Brust: Natürlich ist es nicht fein, so sehr nach der Pfeife eines Monopolisten zu tanzen, der das don’t be evil schon lange aus seinem Mission Statement gestrichen hat. Aber es macht ehrlich gesagt schon auch Spaß, Statistiken zu lesen und zu deuten, dann hier etwas anzuziehen, dort etwas zu lösen, alles fein abzustimmen um gespannt zu warten, ob und was für Erfolge sich einstellen. Und wo.
Diese unsere Arbeitsweise ist natürlich exakt das Gegenteil derer, die bei Ihnen coldcallend anrufen und Ihnen „Ihre Web-Seite auf Seite 1 in zwei Wochen“ versprechen. Dafür nachhaltiger und es bringt Ihnen die richtigen Kunden und nicht irgendwelche. Ich sag ja nur.

An einem großen Projekt gut weiter gekommen, eine spannende Anfrage – ich bin zufrieden. Nein, ich hätte auch letzte Woche nicht gedacht, dass ich so etwas so bald wieder sagen würde.

Life: Mittags kam die Liebste nach Hause und wir frühstückten, später dann noch Eisdiele. Sorry, das muss so, wir haben die Regeln nicht gemacht.
Die Liebste kam aber nicht nur mit Brötchen, sondern vor allem mit wirklich guten Nachrichten aus der Schule und wir erfreuen uns alle kurz daran, dass so etwas auch noch passieren kann.

Balance: Einen guten Teil der heutigen Arbeit konnte ich am Laptop (statt an den drei Screens), also nicht zwingend im Büro erledigen. Ich versuche nämlich, meinem abwechslungsgeilen Hirn da nach Möglichkeit ein bisschen Futter zu geben und mal am Schreibtisch, mal auf dem Sofa, mal sonstwo zu arbeiten. Und natürlich nie im Bett, nein nein. Nie. Sicher nicht.
Das Sofa bietet neben der Möglichkeit, sehr dynamisch zu sitzen – genau, das ist der Euphemismus für „Rumlümmeln“ – auch den Luxus, dass es sich im Stereodreieck des Plattenspielers befindet. Und da läuft seit Dienstag das Tingvall Trio, denn – versteckt zwischen all der Aufklärungsarbeit – sagte ich ja schon: Es war erstens toll und zweitens gabs da Vinyl zu kaufen. Flügel und Kontrabass klingen – wenn man’s nicht vollkommen versaut hat – auf Vinyl immer exakt so, das ich im Klang baden möchte.

Sonst so: Hurra, der erste warme Tag. Nicht so hurra: auch diese Jahr verirren sich wieder geflügelte Ameisen in mein Büro und meinen, es wäre ein guter Ort für ein neues Nest. Prinzipiell mag ich es ja sehr, so an der Natur zu leben – gestern Abend zum Beispiel ging ich aus dem Haus und stand vor zwei Rehen, die zwei, drei Reh-Gedanken lang überlegten, ob sie es auf einen Mexican Stand Off ankommen lassen wollten, bevor sie dann doch ins Gebüsch verschwanden. Ich liebe auch, wenn ich an einem Hubschrauber-ähnlichen Geräusch gefolgt von einem ziemlich lauten *plonk* merke, dass gerade wieder eine Hornisse rechts zum offenen Fenster reingekommen ist und das geschlossene Fenster links nicht gesehen hat.
Aber die zwei, drei Tage Ameisen jedes Jahr, da könnte ich verzichten.

Zeugs

Eva Schulz hat wieder einen Newsletter geschrieben und ich liebe es, dass sie dieses Format weiter macht. Gestartet, um mehr Platz zu haben als auf den gewohnten Insta-Slides funktioniert das für mich ganz wunderbar. Diesmal stellt sie eine erst überraschende, dann aber in my humble opinion vollkommen passende Verbindung von GoogleMaps zum Main Character Syndrome her:

Früher nutzte man Landkarten analog: Jedem Auffalten folgte zunächst die Suche nach dem eigenen Standpunkt oder einem anderen Orientierungspunkt, um von da aus Wege und Entfernungen einschätzen zu können. Wir schauten von oben auf die Welt (bzw. einen Ausschnitt davon), ohne uns selbst darin zu sehen.
Fast Forward digitale Karten: Wir öffnen die App oder starten das Navi und sehen zuallererst uns selbst, als kleinen blauen Punkt*, an dem die komplette Welt ausgerichtet ist. Unsere Blickrichtung bestimmt die Richtung der Karte, unsere Verortung bestimmt den Ausschnitt. Wir sehen uns buchstäblich als Zentrum der Welt.

[…]

Mein Eindruck ist, dass viele von uns sich stark vereinzeln: Selbstoptimierung und -tracking ersetzen Religion und die damit verbundenen Gemeinschaften, die per App gebuchte Yoga- oder Cycling-Stunde ersetzt eine Vereinsmitgliedschaft, Youtube die Volkshochschule, Lieferdienste den schnellen Gang in einen Imbiss oder Laden …
Unsere Gesellschaft baut stetig Möglichkeiten ab, uns im analogen Leben zu begegnen.

Eva Schulz:
Google Maps ist Schuld an meiner Existenzkrise?!

Vor allem der Punkt mit der Landkarte machte mich nachdenken: Ich glaube nicht wirklich, dass der Gebrauch von GoogleMaps oder ähnlichen uns direkt egozentrierter macht – aber vielleicht indirekt?
Wenn ich früher von hier aus nach München fahren wollte, dann habe ich gesehen, wie viel Strecke, wie viel Land, wie viele Orte, also: wie viele Menschen zwischen hier und dort liegen.
Das geht mit Navis komplett verloren, ich sehe dort immer nur die Bubble um mich herum und nie den Überblick.
Genauso, wie bei sogenannten sozialen Apps, die mir immer nur einen Ausschnitt, eine Bubble, die 150 Menschen zeigen, die mein Steinzeit-Stammhirn im Überblick behalten kann, ohne dabei die anderen auch nur wenigstens am Blickfeldrand wahrzunehmen.
Ich denke an Kommentare unter Fotos der Artemis-Mission – die richtig dummen ließen sich alle damit begründen, dass Menschen nicht im Ansatz ein Gefühl dafür hatten, wie groß die Welt ist und wie klein wir („Wo sind denn die Satelliten auf dem Foto???“) und ein diffuses Bauchgefühl bringt das alles in einen Zusammenhang rund um „sich selbst zu groß sehen“ – und das ist nah bei „sich selbst zu wichtig finden


Wo wir gerade bei „Überblick“ sind: Den Kurzfilm zum Overview Effect haben Sie schon gesehen, oder?

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Was machen die Dänen eigentlich so anders, Christian, so dass Du da unbedingt leben möchtest?

  • Sie meinen Dinge ernst. Z.B. das mit dem Radfahren.
  • Sie haben aus den nicht soo supi-dollen Grundbedingungen „klein, kalt, keine Rohstoffe“ eines der reichsten und stabilsten Länder gemacht. Wie? Mit hohen Steuern. Und einem Trick.

Unseren täglichen KI-Diss gib uns heute:


Und einer zum Staunen:

  • Vertrauen Sie der Wissenschaft. Dieser Mann hats auch getan und ist von einem 80 km/h-fahrenden Laster … äh … gesprungen.

Danke fürs Teilhaben und Dabei-sein. Wenn Sie wollen:
Hier können Sie mir ’ne Mark in die virtuelle Kaffeekasse werfen,
Oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier ist meine Wishlist. Sie finden dort formschöne und Freude-spendende Geschenke für wenige oder auch sehr viele Euro.

2 Kommentare

  1. Zaphod Beeblebrox.

    Wir werden alle verrückt, weil wir glauben, wir wären der Mittelpunkt des Universums. Dabei ist es eben Zaphod Beeblebrox.

    (Douglas Adams war schon immer die bessere Bibel.)

Kommentare sind geschlossen.

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