15.5.2021 – and I want a million dollar!

Schlecht geschlafen. Mein Hirn hat es zwar gestern Abend gut geschafft, im Kurzferien-Modus lange wach zu bleiben, aber heute morgen das mit dem Ausschlafen, das ging noch nicht. Naja.

Heute Nacht hatten wir Besuch. Landleben, ey.

Ebenfalls gestern Abend begann ein kleiner Teil meiner Twitter-Bubble noch, sich über Friends – also über die Serie zu unterhalten. Auslöser war die Reunion, die HBOmax für Ende des Monats angekündigt hat (hier gehts zum Trailer) und wenn Sie mein altes Blog schon gelesen haben wissen, Sie, dass ich lange Jahre wirklich großer Fan war. Wir sind zwar erst 2002 eingestiegen, haben das dann aber alles sehr gründlich und mehrfach nachgeholt und die Serie wirklich sehr geliebt.

Während ich gestern Abend so über die unvermeidliche „Wie ist das denn so gealtert?“-Frage nach sann wurde mir aber etwas klar:
Als ich begann, Serien zu schauen, da war das halt das, was mir die drei Programme so lieferten. Was lief, wurde geguckt. Also zum Beispiel Magnum oder Hart aber Herzlich (beide super), phasenweise sogar Denver Clan oder Falcon Crest (es gab ja sonst nichts) – das waren aktuelle Sachen.
Oder aber es lief Fury, Bonanza oder Bezaubernde Jeannie – die waren alt. Die Menschen trugen halt komische Klamotten und machten Witze, die ich nicht verstand. War halt eben alt, da wusste man, dass die Dinge nicht mehr unbedingt gültig waren.

„Alt“ bedeutete in dem Fall: zwanzig bis dreißig Jahre alt und dann gabs einen kurzen Moment, der mich erschrak, aber: Es ist jetzt siebenundzwanzig Jahre her, dass Rachel vom Altar weglief und ins Central Perk flüchtete. (Für Muggles: das ist die allererste Szene von Friends)
Vermutlich kann man man sich da sehr drüber streiten aber: Ich halte nicht viel davon, alles was alt ist und deswegen zum Beispiel einen Humor hat, der heute nicht mehr gut geht komplett zu streichen. Ich halte hingegen sehr viel davon, so etwas nicht einfach gedanken- und kommentarlos hinzunehmen, sondern darüber zu sprechen.
Und so wie niemand mehr per ausgeübter Selbstjustiz aufgehängt wird, wenn er ein Pferd geklaut hat und Fuzzy das mit einem lustigen Spruch unterhaltsam statt grausam macht, muss man vielleicht auch langsam anders auf die sechs Freunde gucken.
Fällt etwas schwerer, wenn man damit in die eigene Vergangenheit schaut, aber ich finde, man kann das auch mal so sehen: Drei, vier Folgen Friends und wir wissen, was wir eigentlich an vielen Stellen gesellschaftlich schon erreicht haben. Tut auch mal gut.

Der Tag heute schafft es übrigens (Stand: 9:15 Uhr), dass ich jetzt gerade Angst vor ihm habe. Wovor genau frage ich mich und begreife: Vor diesem ewig gleichen Ablauf. Vor der fehlenden Abwechslung.
Vor See – vielleicht etwas Schreibtisch – Frühstück – Nickerchen – noch etwas Schreibtisch – Essen – Fernsehen – Bett.
Vorher™ gab es gelegentlich Dinge, die den Alltag unterbrachen, es gab etwas, auf das man sich freuen konnte. Fehlt mir gerade komplett; oft freue ich mich einfach nur, wenn der Tag rum ist.

Und wissen Sie, was das andersrum so richtig schlimm macht: Ich habe mir die Fähigkeit raus zu gehen und etwas zu unternehmen so hart erarbeitet in den letzten 5 Jahren – und aktuell fühlt es sich an, als sei dieses Training komplett verpufft und als hätte ich nicht die Kraft es noch einmal zu tun.

Heute fiel uns zum Glück auf, dass „Zwischen Brötchen und Borussia“ im YouTube lief. Das war zwar auch nicht so richtig „etwas unternehmen“, aber immerhin. Dummerweise war der Vortrag eher langweilig. Eventuell ist sogar einer von uns beiden eingeschlafen – naja, hatte ich wenigstens etwas Schlaf nachgeholt.
Was mir aber auffiel: Normalerweise stehen dort Physiker mit Windows Laptops und die füllen ihre PowerPoint-Vorlagen mit Inhalten und dann sieht man eben schlimme PowerPoint-Desaster. Die beiden heute standen an einem Mac und die hatten auch nur die Standard-Vorlage aus Keynote benutzt und gefüllt und die hatten sogar noch Animationen benutzt wo es eben ging, aber das sah trotzdem alles deutlich besser aus.

Dann überkam uns ein kleiner Rappel und wir wollten die Arbeitsplatte in der Küche endlich abschleifen und neu ölen. Sie wissen was passierte: Wir haben dann bei der Gelegenheit mal eben alles gewienert und gefeudelt und alle Fronten und Flächen und Ritzen und Kanten einer kompletten Grundreinigung unterzogen. Jetzt steht der Esstisch noch voll mit allem, was auf Küchenarbeitsplatten so rumsteht, aber dafür riechts im ganzen Haus lecker nach Öl und Wachs, Küche und Platte strahlen wie neu und das ist ja auch alles nicht doof.
Und dann war der Tag auch schon ziemlich rum.

Zeugs:

Sprache bestimmt, wie wir denken – das Thema erleben wir ja nun öfter. Aber neben geschlechtergerechter Sprache gibt es auch andere Bereiche, wo die Wortwahl unser Denken lenkt. Nehmen wir zum Beispiel die Frage: Ist „eine Straße gesperrt“ – oder „können auf ihr Kinder spielen“?
Nachdem ich letztens schon einen Link über die Wortwahl bei Unfällen hatte, geht dieses Interview noch weiter und sagt: Sprache hält die Mobilitätswende auf:

Die Straße ist […] ausschließlich fürs Auto da?
Genau. Wenn man in die Geschichtsbücher schaut, ist es dazu durch eine konzertierte Aktion von Menschen gekommen, die meinten, das Auto ist die Zukunft, wir müssen unser Land, unseren öffentlichen Raum nach den Bedürfnissen des Autos ausrichten. Daraus folgte die Überzeugung: Wir müssen in Kauf nehmen, dass Menschen verletzt oder gar getötet werden. Die müssen wir von der Straße weghalten, damit der Autoverkehr nicht gestört wird. Nehmen wir das Beispiel Spielplatz: Ein Spielplatz ist im Grunde genommen ein Ort, wo wir Kinder hinschicken können, damit wir sie nicht an der Leine haben müssen, wo sie ungefährdet sind, spielen können. Spielplätze haben wir, weil die Straße unsicher wurde für Kinder.

Dirk Schneidemesser im Interview mit Anja Krüger in der taz: Verkehrsforscher über Sprache: „Die Straße war mal für Kinder“

Mit diesem Blick ausgerüstet sah ich übrigens letztens einen Aufkleber hinten auf einem Laster: „Radfahrer – Vorsicht im toten Winkel!“ und dachte: Das würde auch an keiner anderen großen gefährlichen Maschine gehen – dass man als zufälliger Passant einfach selbst aufpassen muss, dass sie einen nicht tötet. Vor allem nicht, wenn es einen Maschinenführer gibt.


Heute schon was falsch gemacht? Und – wie wars? Doof, oder?
Doof, dass es doof war.
Bent Freiwald schreibt darüber, was Fehler im Gehirn machen – also hinter unserem antrainierten Ablauf „Hat es wer gesehen? Wenn nicht dann lauf schnell weg
Dieser Spruch ist übrigens auch nur lustig, weil wir die ersten zwanzig Jahre unseres Lebens nicht weglaufen können, wenn wir Fehler machen – sondern statt dessen schlechte Noten dafür bekommen. Nicht hilfreich übrigens, diese Noten.
Und ich persönlich stehe ja nebenbei sehr darauf, wenn mir Dinge die ich tue, hirnphysiologisch erklärt werden:

Ein N400 ist ein ereignisbezogener, elektrischer, negativer Wellenausschlag, der 400 Millisekunden nach dem Input im linken Temporallappen auftaucht, zum Beispiel, wenn Wörter nicht in den Kontext passen.
[…]
Diese Signale sind wichtig. Es geht aber nicht darum, möglichst viele Fehler zu machen. Es geht darum, möglichst gutes Feedback zu bekommen.
[…]
Eine Note für eine Klassenarbeit ist eine simple Summe aus den gemachten Fehlern, ganz egal, was für Fehler das sind. Noten sagen nichts darüber aus, warum wir einen Fehler gemacht haben oder wie wir uns korrigieren könnten. Eine 6 in Mathe ist kein hilfreiches Feedback, wir lernen durch sie gar nichts

Bent Freiwald auf krautreporter.de: Wieso dein Gehirn sich freut, wenn du etwas falsch machst

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1 Kommentar

  1. Wie abartig diese „Vorsicht, toter Winkel“ Aufkleber sind, dachte ich mir letztens auch mal wieder. Danke für den guten Vergleich, der den Irrsinn zeigt.

Kommentare sind geschlossen.

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