14.9.2018

Die Kundin mag die Fotos. Sie ist froh, ich bin froh.
Dadurch über „Stolz“ nachgedacht. Spätestens über „Stolz auf unser Land“ ist das Wort ja schon ziemlich verdorben.
Andererseits gibt es vielleicht doch manchmal Dinge, auf die man stolz sein könnte. Zum Beispiel darauf, wenn man offensichtlich eine Atmosphäre schaffen kann, in der sich Menschen mit selbstdiagnostizierter Chandler-itis so wohl fühlen können, dass dabei Fotos entstehen;  Fotos die sie selbst gut finden.
Vielleicht muss man nur wieder fühlen können, dass Stolz nicht etwas ist, was andere ausschließt.
Oder arrogant macht.

Horizonte erweitern. Hab ich Ihnen eigentlich schon mal von „Zwischen Brötchen und Borussia“ erzählt?
Das ist eine Veranstaltungsreihe der Uni Dortmund, genauer der Fakultät Physik. Jeweils im Sommer- und im Wintersemester gibt es seit ein paar Jahren jeweils vier Veranstaltungen: Immer Samstags vormittags um halb elf – eben zwischen Brötchen und Borussia – gibt es einen Vortrag zu einem einzelnen, abgeschlossenen Thema. Ja, die Themen haben meist etwas mit Physik zu tun und Physik macht uns allen fast so viel Angst wie der Dreisatz, aber zum einen: Alles um uns herum ist Physik, also keine Angst.
Und zum anderen gibt es immer mal wieder Vortragende, die über den Tellerrand schauen und Ausflüge in zum Beispiel Medizin, Biologie oder auch mal Philosophie schaffen.
Und meist steht  – ganz grob zusammengefasst – vorn jemand, der mal erzählt, wie in seinem Fachgebiet so der Stand der Forschung ist.
Und das. ist. wirklich. spannend.

Wenn Sie also interessiert sind – hier die Themen der nächsten Veranstaltungen:

  • 22. September:
    Leben auf fernen Planeten? Was wir heute wirklich wissen.
  • 10. November:
    Ist Zeit nur eine Illusion? Relative Zeit, Zeitreisen und das zeitlose Universum.
  • 8. Dezember:
    Weihnachten, Washingtons Geburtstag und High Noon am Nachmittag. Amüsantes aus der Geschichte der Zeitmessung.
  • 12. Januar:
    Gravitationswellenastronomie. Ein kosmischer Goldschatz.

Wer schlimme Powerpoints und old-fashioned Websites nicht scheut kann sich das Programm auch hier herunter laden oder ein „Schüler-Diplom“ erwerben oder eine Reise zum Cern gwinnen.

Außerdem ist es in vielerlei Hinsicht durchaus sehr erdend, mal wieder in einem Hörsaal zu sitzen.
Zum einen sieht man schön, was unserem Land Bildung wert ist. (Spoiler: … ach nee, kein Spoiler, Sie haben bestimmt eh eine Idee)
Und zum anderen trifft man dort Menschen, denen viele unserer Themen hier in diesem Internet einfach vollkommen egal sind. Junge weiße Männer quasi.
Das setzt einem schön die Relationen wieder auf Normal-Null. Sehr zu empfehlen.
Sehen wir uns?

Die Sängerin hat sich gemeldet, Sie erinnern sich, die in deren Instagram plötzlich meine Fotos auftauchten.
Alles wird gut.

Apropos „Sängerin“: Falls Sie mal Lust haben, diese Tina Dico von der ich ständig rede live zu sehen:
a) kommt die in ca einem Monat nach Deutschland
und
b) wirds da noch Tickets zu gewinnen geben.
Stay tuned.

Kommen wir zu den Leseempfehlungen.

Es geht ja hier oft um Freundlichkeit. Einer der Aspekte daran ist, wie oft wie vollkomen unreflektiert noch Altlasten aus Kaisers Zeiten (Schulsystem) oder der Nazizeit mit uns rumschleppen und deswegen Unfreundlichkeit noch für einen guten Wert halten. Zum Beispiel in der Kindereziehung:

Das Baby als ein Quälgeist, dessen Wille es zu brechen gilt – so sah Johanna Haarer Kinder. Die Folgen dieser Sichtweise könnten auch heute noch spürbar sein. Ob es um die geringe Geburtenrate geht, die vielen Menschen, die geschieden sind oder allein leben, die starke Verbreitung von Burn-out, Depressionen oder psychischen Erkrankungen im Allgemeinen – manche Forscherinnen, Ärzte oder Psychologen spekulieren darüber, dass eine ganze Reihe von Phänomenen mit der antrainierten Bindungs- und Gefühlslosigkeit in Verbindung stehen könnte.

www.zeit.de: Warum Hitler bis heute die Erziehung von Kindern beeinflusst