14.6.2020 – ihre Computer und unsere Computer und was das mit Schule zu tun hat.

Passiert ist heute eh nichts, da hatte ich viel Zeit über eine Kolumne nachzudenken, die ich vorgestern im Spiegel las: Nichts gelehrt.
Untertitel: „Kein anderer Bereich hat in der Coronakrise so versagt wie das deutsche Schulsystem. Nirgendwo fiel es Verantwortlichen schwerer, sich flexibel und kreativ auf eine neue Lage einzustellen.
Wenn Sie länger hier mitlesen, dann wissen Sie, dass ich das mit einem ebenso vehementen „Ja!“ wie vehementen „Nein!“ beantworten will.

Aber ich hole mal aus. Wenn ich schon mal einen ganzen Tag zum Nachdenken habe …

Ich fürchte, es ist gute fünfzehn Jahre her, als mich ein Kunde mit einem Computerproblem anrief und sprach: „Christian, Du kennst Dich eh mit sowas besser aus. Und außerdem bist Du ja in diesem anderen Internet unterwegs“.
Womit er sagen wollte: Dort, wo er seinen Internetbrowser damals hinlenkte, lagen die Lösungen auf Computer-Probleme nicht einfach herum, so dass er er leider nicht die meisten Dinge nach 5 Minuten googeln lösen konnte.

Was uns damals unterschied war: Ich hatte – im Gegensatz zu ihm – eine gewisse Vorerfahrung (es lohnt sich, das Netz zu fragen), eine gewisse Expertise in mehreren Bereichen (Google-Suchen formulieren / Quelle einschätzen / auch bei Halbwissen einschätzen, ob die Lösung halbwegs logisch klingt), und auch einen gewissen Mut (keine Angst vor der DOS-Box / einfach mal machen was da steht).
Dass ich diesen Vorsprung hatte lag nicht daran, dass er dümmer war als ich, sondern dass ich vermutlich einfach ca 75% mehr Zeit am Rechner verbrachte.
Weil mein Job eben am Computer stattfindet und seiner weniger.
Weil die Coder (logischerweise) die ersten waren, die ihr Wissen im Netz teilten und ich daher seit einer Dekade daran gewöhnt war, dass sich alle Antworten online finden ließen.

Was uns einte, war dass wir – beide selbstständig – eher selber für unsere Rechner verantwortlich waren.
Verantwortlich meint in diesem Fall zwei Dinge: Wir waren die Person, die den Rechner reparieren musste, wenn er zickte, wir waren aber auch derjenige, die den Rechner reparieren durfte, wenn er zickte.

Sie merken sich diesen Punkt bitte, verharren einen Moment und folgen mir zu einem weiteren kleinen Exkurs. Ich führe das am Ende alles zusammen, keine Sorge.

Als ich irgendwann in den Neunzigern an meinem ersten Rechner und vor allem an dem ersten mit Internetanschluss saß, da war mein vorherrschendes Gefühl:

Jetzt kann ich alles machen. Alles! Es war etwas gottgleich.

Bis dahin kannte ich Computer bereits aus der Grafik-Abteilung der Werbeagentur für die ich gelegentlich jobbte als Photoshop- und Layout-Maschinen, aus dem Tonstudio, in dem ich gearbeitet hatte als Digital-Audio-Workstation zum Aufnehmen und Bearbeiten von Musik, natürlich auch als Text-Maschinen vom Verfassen von Seminararbeiten im Computer-Pool in der Uni und als Spiele-Maschine vom Doom-Zocken bei Freunden.
Die grundsätzliche Logik des Programmierens hatte ich schon am VC20 meines besten Freundes begriffen und dabei die Macht erlebt, einem Computer zu sagen, was er tun soll.
In other words: Nahezu alle meine präferierten, kreativen Beschäftigungen wurden durch Computer einfacher, und ich war unfassbar gierig, das alles endlich selbst zu haben, weil der hässliche graue Kasten mir diverse Welten öffnete.

Zehn Jahre nach meinem ersten Computer – relativ zeitgleich zum oben erwähnten Anruf meines Kunden – sagte mir der Chef einer Werbeagentur noch, dass er so eine Kiste nicht in seinem Büro wollte. Er ließe sich die E-Mails ausdrucken.
Er war da sicher nicht der einzige, denn es gehörte im deutschen Bildungsbürgertum lange zum guten Ton, eine gewisse Computerfeindlichkeit zu kultivieren. „Die gute Zeitung mit dem dicken Feuilleton am Frühstückstisch – da wirst Du ja nicht bestreiten, dass das ja nun eine ganz andere Qualität ist, nicht wahr, Christian?
Die Meinungs-Gatekeeper des Feuilleton, der sogenannte „Qualitätsjournalismus“ hat diese Haltung bis heute nicht vollständig aufgegeben.

Zwei vollkommen unterschiedliche Haltungen also: Neugierde hier, Skepsis und Abwehr da.

Und damit auch zwei vollkommen unterschiedliche Herangehensweisen: Auf der einen Seite der Computer, der alles einfacher macht und der hilft, Kreativität auszudrücken.
Und auf der anderen Seite ein Arbeitsgerät, dem man mit Skepsis gegenüber tritt. Und das man deswegen vielleicht auch eben nur als Arbeitsgerät benutzt, in dem man nie die kreativen Potentiale sehen kann.

Und – um auf ein oben extra hervorgehobenes Wort zurückzukommen: Das ist auch manchmal gut so.
Denn es gibt Menschen, die sind für ihre Rechner selbst verantwortlich. Die können selbst ausprobieren, was sudo shutdown -r now im Terminal macht und wenn ihre Daten weg sind, dann sind ihre Daten weg.
Und es gibt Menschen, die sitzen in einer Arbeitsumgebung, die aus Gründen von Sysadmins und verschiedensten Policies kontrolliert ist und die benutzen eine Maschine deren Potential sie weder nutzen noch brauchen – denn sie müssen ihr Buchhaltungs-, CAD- oder sonstwas-Programm kennen.
Und auch wenn beide vor den gleichen QWERTZ-Tastaturen sitzen, dann benutzen sie vollkommen unterschiedliche Geräte. Sowohl vom Gerät her – als auch von der Haltung dazu.

Man könnte an dieser Stelle wunderbar einen soziologischen Exkurs darüber einfügen, was das mit Menschen macht, wenn sie beide sagen „Ich arbeite am Computer“. Beide damit den Satz korrekt benutzen aber so unfassbar unterschiedliche Dinge meinen. Ob die einen die anderen vielleicht am Ende sogar für dumm und die anderen die einen für Hacker halten? Aber das bekommen Sie selbst hin, da bin ich sicher.

Ja, ich weiß, das ist schon ziemlich lang hier und Sie haben eh eine Idee, wo ich hin will – aber ich muss jetzt leider noch eine weitere Ebene reinbringen.

Ungefähr zeitgleich zu den Geschichten mit dem Kunden und dem Agenturchef passierte etwas im Internet, was in gewisser Weise die beiden Seiten „kreative-Benutzer“ und „Maschinenbediener“ noch weiter auseinander treiben sollte: Das Web 2.0.
Auch wenn uns der Begriff inzwischen schon wieder anachronistisch vorkommt: Da passierten zwei wichtige Dinge:

Zum einen begann das Web sozial zu werden. Es wurden Tools entwickelt die es ermöglichten, dass jeder am Web teilnehmen konnte – ganz so wie es Tim Berners Lee, der Erfindet des WWW gewollte hatte.
Des Codes mächtige Menschen waren nicht mehr die Gatekeeper und jede konnte ihre Gedanken ins Netz stellen. Ob in Blogs, in Kommentaren, in Sharing-Funktionen – das Web wurde erst so richtig kommunikativ.

Aber: Natürlich nur für die, für die der Rechner schon vorher mehr war als die bequeme Variante ihrer alten Buchhaltungsbücher, ihrer Letraset-Folien oder ihrer Schreibmaschinen.
Die saßen nämlich immer noch vor den gleichen Maschinen, während das Web neben der kreativen Welt ganz fix auch noch zu einer Meinungsplattform für jeden auch nur eben denkbaren Gedanken wurde.
Den Gap zwischen diesen Benutzern und jenen Benutzern machte das nicht kleiner: Wer täglich auf diesem Bildschirm nur Zahlenkolonnen tippt wird schwer verstehen wie es sich anfühlt, in irgendeinem sozialen Netzwerk plötzlich Gleichgesinnte zu finden. Sich weniger einsam zu fühlen, wenn man als 15-jähriger schwuler Junge in einem erzkonservativen Dorf sitzt oder wenn frau merkt, dass für alle Frauen die Welt eine sexistische ist und nicht nur für eine selbst.

Eingeschobene Erklärung: Natürlich weiß ich, dass es diese beiden Seiten so klar abgegrenzt nicht gibt – vor allem nicht so fix. Mir ist natürlich klar, dass auch zB Buchhalter oder CAD-Konstrukteure neugierig und kreativ sein können und auch „den anderen Computer“ verstehen können.
Ich möchte nur die beiden Richtungen aufzeigen, aus denen Menschen am Rechner ankommen.

Das andere was im Web 2.0 geschah: Wir lernten Beta-Software und einen unbekümmerten Umgang damit kennen.
Als ich begann, am Rechner zu arbeiten, da nannte man schlechte Programme „Bananen-Software“. Weil sie beim Benutzer reifte. Beta-Versionen – also noch nicht fertig getestete Programme – hatten einen schlechten Ruf und niemand hätte sie in einer Produktivumgebung eingesetzt.
Im Web 2.0 wurde der Betastatus so poupulär, dass man beinahe schon die schräg anschaute, die kein kleines „Beta“ neben dem Namen stehen hatten.
Heute nennnen wir es „agiles Arbeiten“ und „sprinten“ uns durch „verschiedene Iterationen“, bis die Software das kann, was die Benutzer wollen.

Und wir gewöhnten uns daran, wild alles auszuprobieren, was ein R am Ende des Namens und ein Betafähnchen hatte: Oh schau, bildr, ein neuer Bilderdienst – da lad ich doch mal alle Bilder hoch. Ach schade, alles weg, aber da drüben bei pixr gibts ja schon wieder eine neuen! Oh, quatschr, ein Messenger – gleich ausprobieren! Hm, ein bisschen hakelig, oder? Ach, die anderen sind ja auch schon alle drüber bei talkr – dann geh ich da doch auch hin!

Wer in einer Firma oder Behörde mit Software-Policies saß, konnte da nicht mitmachen. Denn IT-ler in Firmen müssen anders denken. Die können nicht fröhlich an einem Tag mal eben drei Messenger-Dienste testen und dann halt den nehmen, der am seltensten abstürzt und bei dem schon alle anderen sind. Die brauchen andere Kriterien. Sicherheit und Verlässlichkeit und einen guten Support zum Beispiel.
Und die müssen auch selbst in der Lage sein verlässlichen Support zu geben, wenn hinterher bei Ihnen die Tickets hereinflattern.

Wenn meine privaten Urlaubsbilder und die MP3-Sammlung weg ist – nun denn. Wenn der Support von talkr erst Ende der Woche antwortet – naja.
Aber wenn die Hartz4-Zahlung zwei Wochen zu spät kommt, weil der Support pennte?
Oder stellen wir uns vor, unsere Steuerunterlagen ständen im russischen Darknet zum Verkauf, weil einer der fröhlich getesteten Beta-Messenger leide noch nicht ganz safe war …
Oder die Schule verlöre aus so einem Grund die Daten unserer Kinder …

Und so komme ich in einem großen Bogen zum Satz meines Kunden vom Anfang und wandele ihn etwas ab: „Christian, Du benutzt ja einen anderen Computer als ich!“
Ja, das ist richtig. Ich könnte aber auch ebenso richtig sagen: Ich benutze zufällig das gleiche Gerät, aber vollkommen anders.

Sie haben bis hierhin durchgehalten und ich möchte mich dafür bedanken.
Denn jetzt komme ich endlich auf die Schule in Zeiten von Corona zurück – und wie einfach es ist, darauf zu schimpfen, dass Lehrerinnen nicht „fix die doch längst vorhandenen Mittel“ benutzt haben, um mit ihren Schülerinnen und Schülern in Verbindung zu bleiben, „vorhandene Plattformen für kreativen Unterricht zu nutzen“ und „sich insgesamt einfach so blöd“ anstellen.

Und das tolle daran, dass Sie bis hier durchgehalten haben ist: Ich muss jetzt nichts mehr ausführen – Ihnen fallen alle mögliche Antworten auf diese Vorwürfe jetzt selbst ein.

Ach ja, bevor Sie irritiert sind: Ich sage natürlich nicht, dass das gut so ist; ich sage nur, warum es so ist.
Weil ich fest daran glaube, dass dieses Wissen helfen kann, die richtigen Entscheidungen für dringend nötige Verbesserungen zu treffen – und jetzt zB nicht als erstes Geld für Hardware bereit zu stellen.

Anhang: Ein paar Fakten über den Lehrerinnenberuf (basierend auf allen Lehrerinnen, die ich kenne)
Niemand bekommt einen Computer gestellt, alle arbeiten mit ihren eigenen Geräten. Logischerweise gibt es ebenso keine Software oder Support.
Niemand bekommt auch nur einen Kugelschreiber gestellt; ich kenne Schulen, in denen mussten die Lehrerinnen die Kopien die sie im Unterricht benutzen wollten, selbst zahlen. Oder die Zahl der Kopien pro Quartal war limitiert.
Es gibt Schulen, da leistet sich das Kollegium selbst einen zweiten Kopierer, weil einer nicht ausreicht aber für einen zweiten kein Geld da ist.
Es gibt deutlich zu wenige Schulungen zu Software und nur absolut behördlich langsamen Support für Hardware.
Trauen sich einzelne Kolleginnen mit privatem Engagement nach vorne, sind sie natürlich trotzdem voll haftbar – also zB wenn sie zoom nutzen wollen und der Datenschutz nicht passt.
In den Ferien werden Lehrerinnen gerne mal zum Renovieren einbestellt und streichen ihre Klassenzimmer selbst. In den meisten Klassen, in denen es zB auch eine gemütliche Sitzecke gibt, hat die Klassenlehrerin das Sofa dafür selbst mitgebracht. Oder die Anschaffungen laufen über einen Förderverein, in den die Eltern sanft überredet freiwillig eintreten
Lehrerinnen sind meist verbeamtet – das bedeutet neben einigen Vorteilen, dass sie nicht negativ über ihren Arbeitgeber in der Öffentlichkeit sprechen und nicht streiken dürfen. Um sich über etwas zu beschweren gilt für sie der Dienstweg, der nur in absoluten Ausnahmefällen umgangen werden darf.

14 Kommentare

  1. Wir Lehrkräfte sind stolz darauf, dass es uns dennoch gelungen ist, in dieser unerwartet schwierigen Zeit schnellstmöglich quasi mit „einem Tretroller ans Nordcap“ zu gelangen. In unserem Fall selbst gestricktes Lernportal (sicher) und zusätzliche Arbeitstage von 12-14 Stunden (kostengünstig). Unsere Schulabgänger haben ihr Ziel erreichen können und den Rest klären wir später. Einen großen Dank an unsere Schuleltern. Und danke für den realistischen Artikel.

  2. Das ist eine ganz fantastische Herangehensweise um den Missstand zu erklären. Aber ich fürchte, dass dies trotzdem einige Dickköpfe nicht verstehen werden oder gar wollen. Vielen Dank für diesen Text!

  3. Hochinteressante Einschätzung. Ich bin durchaus auch der Meinung, dass unser „überfordertes Schulsystem“ nicht den LehrerInnen anzulasten ist, sondern an ganz anderer Stelle verbockt wird. Ich weiß auch, dass wir alle noch keine Pandemie erlebt haben und mit diesem Virus kalt und unvorbereitet erwischt worden sind. Aber es gibt Beispiele anderer Länder (insbesondere in Skandinavien), die ja auch noch nie eine Pandemie hatten und dennoch wesentlich besser damit zurecht gekommen sind, ihre Kinder in diesen Zeiten besser zu versorgen.

    Jetzt durch diese Krise, haben wir erlebt, wie jämmerlich Schule in vielen Fällen an unseren Kindern versagt hat und jetzt erwarte ich von den LehrerInnen und den Verantwortlichen im Schulsystem schon, dass sie sich für die Zukunft rüsten und sich und den Kindern versprechen: DAS PASSIERT UNS NIE WIEDER!

    Was tun wir denn, wenn es im Herbst oder im kommenden Winter eine zweite Ansteckungswelle gibt und wieder alle Schulen geschlossen werden? Dieses Unvorbereitetsein darf nie wieder passieren und es müssen sehr schnell Maßstäbe und Standards entwickelt werden, denen dann ALLE Lehrer genügen müssen.

    Bei all den LehrerInnen, die sich in dieser Zeit extrem um ihre SchülerInnen gesorgt und bemüht haben, möchte ich mich ausdrücklich bedanken. Aber die Kritik an denen, die sich nicht gekümmert haben, muss möglich sein, auch im Interesse der engagierten LehrerInnen selbst, damit sie nie wieder alle über einen Kamm geschoren werden.

    1. Oh, das sind ja gleich mehrere Themen auf einmal 🙂

      : Aber es gibt Beispiele anderer Länder (insbesondere in Skandinavien),
      : die ja auch noch nie eine Pandemie hatten und dennoch wesentlich besser
      : damit zurecht gekommen sind, ihre Kinder in diesen Zeiten
      : besser zu versorgen.

      Ich glaube, da steckt eine grundsätzliche Haltungsfrage hinter. ich hatte ja hier schon den Link zu der dänischen Abgeordneten, die sagte, dass DK halt seine Priorität darauf gesetzt hat, als erstes die Familien zu stärken. Deutschland denkt halt zuerst an die Wirtschaft. Das sind halt zwei verschiedene Denken, die vermutlicg das selbe Ziel haben …

      Zum Versprechen, dass das nie wieder passiert – ich denke, da muss man auch unterscheiden: Zwischen dem ganzen Schulsystem und dem, was einzelne Lehrerinnen tun können, wenn sie die Dinge ausgestalten.
      Natürlich will ich nicht Lehrerinnen, die sich die gesamten Wochen nicht melden oder nicht auf Anrufe reagieren in Schutz nehmen – das finde ich auch einfach indiskutabel schwach.
      Trotzdem habe ich auch da Verständnis für die menschliche Situation: Wenn Du Dein gesamtes Berufsleben in dem DoubleBind steckst, dass Dein Arbeitgeber persönliche Initiative fordert, aber Dir weder den Rahmen sagt, noch den Rücken stärkt, wenn Du was falsch machst? Dann wirst Du vorsichtig.

      Aber das ganze Schulsystem bis zum Herbst zu digitalisieren? Keine Chance.
      Ich halte Frau Nessys 5-Jahres-Plan ( https://fraunessy.vanessagiese.de/2020/06/15/montag-ein-tag-ohne-strandkleid-und-schlappen-dafuer-mit-echten-menschen/ ) für machbar, wenn alle wollen(!).

      Simples Beispiel: de.statistica.com sagt mir, es hätte im Schuljahr 18/19 172.000 beschäftigte Lehrkräfte in DE gegeben. Von denen arbeiten nach der letzten Umfrage 90% mit eigenen (selbstbezahlten) Geräten. Rechne ich 400,- für ein Laptop brauchen wir 619.200.000 €, um alle mit einheitlicher Hardware auszustatten. Naja, da gibts Mengenrabatt, aber ne knappe halbe Milliarde wirds schon werden. Ohne Software, ohne Schulung. Ich fürchte, das wird knapp bis zum Herbst, schon auf der Hardware-Seite. Und ich bin vollkommen bei Nessy: Technik ist das kleinste.

      Der größere Aufwand ist, den Menschen die digitale Denke zu vermitteln, die andere in vielen Jahren langsam Stück für Stück erfahren und verinnerlicht haben.

  4. Einverstanden – dass die grundsätzliche Haltungsfrage in der deutschen Politik Wirtschaft fördert und Familien ans Ende stellt, hat sich deutlich gezeigt.
    Einverstanden – dass die deutschen Schulen kein vollfunktionsfähiges digitales Lernen bis zum Herbst hinkriegen können. Aber auf den Weg dahin sollten sie sich schon machen müssen.
    Ich bleibe bei meiner Aussage, dass das nie wieder passieren darf. Allerdings hätte ich es vielleicht präziser ausführen müssen. Ich bin der Auffassung, dass die Einstellung zu unseren Familien (Kindern und Eltern) sich so ändern muss, dass Kinder und Eltern nie wieder so allein gelassen werden. Ob das jetzt voll digital geschieht oder persönlich oder durch regen Email- oder Telefonkontakt, erscheint mir erstmal zweitrangig. Es geht mir also eher um die Haltung, dass wir als Gesellschaft ein solches Zurückstellen der Kinder nicht dulden dürfen.

    Als ehemalige Diplom-Pädagogin fasst mich dieses Thema immer heftig an. Dennoch ganz herzlichen Dank für die ausführliche tolle Analyse und die Bereitschaft, das zu diskutieren. Bei Frau Nessy schaue ich später vorbei. 🙂

    1. Ja natürlich! Da bin ich natürlich vollkommen dabei. Aber das ist ja keine digitale, sondern eine Frage der Haltung.

  5. Moin,
    es ist halt nicht so, wie es immer hingestellt wird, die armen Lehrer, die allein gelassen werden.
    es gibt und gab Hilfen und Angebote z.B.
    https://digitalmachtschule.de/
    Es ist Eltern schwer zu erklären, warum Mitglieder der Risikogruppe nicht unter den Hygenestandarts einer Schule arbeiten können, aber für die gleichen Personen die Standarts der Restaurants und Cafes ausreichend sind.
    Es ist ihnen auch schwer zu erklären wie sie 8h Homeoffice mit parallelem Kinder betreuen unter einen Hut bringen sollen, und Lehrer mal Montags einen Stapel Aufgaben hinterlegen, am Anfang unkommentiert und ohne Anweisungen, welche dann Freitags von 2. und 3. Klässlern gelöst sein und abgegeben sein müssen und die gleichen Lehrer nur 2* die Woche 1 h telefonisch bzw. per Email erreichgbar sind.

    Die Elternvertreter wurden zumindest in HH komplett aus allem heraus gehalten keine Informationen keine Mitsprache!

    Es ist sehr viel sehr schlecht gelaufen! Und jetzt ein Konzept für nach den Sommetrferien zu erarbeiten, „Das macht doch keinen Sinn! Wir kennen die dann geltenden Regeln doch noch nicht!“

    Die einzigen die alleine gelassen wurden warten die Eltern welche sich arangieren mußten, die Instution Schule war dabei so flexibel wie eine Betonmauer. „Sie brauchen eine Notbetreuung? Sie müssen Morgen in der Firma präsent sein? (zum 1. mal in 4 Wochen) Das hätten sie Letzte Woche Donnerstag anmelden müssen!“

    Das Versagen zieht sich durch die gesammte Kriese, es gab Klassen bei denen sich nach 8 Wochen zum 1. mal jemand lelefonisch gemeldet hat!
    Die Schulbehörde hatte 2 mal die Woche gefordert.
    Es gab in Fächern Aufgaben bei denen die die Kinder nicht einmal die Aufgabenstellung lesen, geschweige denn verstehen konnten! Stundenlanger 1 zu 1 Unterricht waren nötig! Die etsprechende lehrperson hatte keinerlei Kontaktdaten hinterlassen und war verärgert, das man die Schulleitung informiert hat.

    Man könnte die Liste beliebig fortsetzten.

    Es würde sicherlich emotionsloser diskutiert werden, wenn es auch nur das kleinste Anzeichen gäbe, daß man für die Zeit nach den Ferien wenigstens einen Plan B zum „Dann läuft sicher wieder alles normal!“ arbeiten würde!

    bleibt gesund

    1. Ich verstehe Deine Unzufriedenheit? Wut? Ärger? – vermutlich alles! – vollkommen.

      Ich schreibe halt über etwas anderes und ich finde es auch wichtig, da zu differenzieren – ich schreibe darüber, warum das schon vor Corona alles so vor die Wand gefahren war. Zum einen in der Hoffnung, dass es irgendjemand liest und versteht und für sich anwenden kann. Und zum anderen, weil ich es trotz allem gerechtfertigten Unmut falsch finde, Lehrerinnen für alles(!) verantwortlich zu machen.
      Wenn sie sich nicht melden – auf jeden Fall.
      Wenn sie donnerstags abends Material für die vergangene Woche schicken – natürlich.
      Wenn Sie nicht aus ihrer eigenen Lebensrealität raus können und in die Hochhaussiedlung Aufgaben schicken, die mit den Worten „geht in den Garten“ anfangen …

      Aber nicht dafür, dass sie nicht von einem Moment auf den anderen digitales Material und digitale Plattformen hatten und benutzten.
      Und entschuldige, aber „Digital macht Schule“ ist ja nun erstmal nicht mehr als ein leeres Versprechen – oder hab ich die gut versteckten Inhaltsseiten übersehen?

    1. Sehr interessant, ja. Danke dafür!

      Und ja auch gleich wieder ein Symptom: Eine (!) Lehrerin hat das Elend gesehen und etwas entwickelt 🙁
      Und sie hat immerhin Öffentlichkeit und offensichtlich ein Konzept was überzeugt und bekommt Interesse. Ich kenne da auch andere Beispiele …

  6. Moin,
    stimmt, die Inhalte sind gut versteckt, die liegen unter den Newslettern, die allerdings auch den Lehrern mit bekannter Emailadresse zugesandt wurden. Ohne diese Inhalte macht mein Post wenig Sinn.

    bleibt gesund

Kommentare sind geschlossen.

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