Marcel macht sich so seine Gedanken darüber, was und wie es ist, ein Künstler zu sein:
Für mich ist Kunst immer ein bisschen mit Scham und Sorge verbunden. Scham, weil ich zwar Spaß daran habe, aber meinem eigenen Anspruch nicht gerecht werde. Sorge, weil ich befürchte, dass andere bemerken, dass ich gar nicht weiß, was ich da mache, und eigentlich nur herumstolpere und kein echter Künstler bin.
Marcel in seinem letzten Newsletter
Dass ich mich beim Schreiben selbst indirekt gerade als Künstler bezeichnet habe, fiel mir schon unglaublich schwer, und ich musste dem Drang widerstehen, diese Aussage irgendwie zu relativieren. Künstler ist, wer Kunst macht, und Kunst ist, wenn jemand etwas durch ein kreatives Medium ausdrücken oder darstellen möchte.
It’s not that deep.
Wischiwaschikeit – Merkwürdige Introspektion meines Künstlerdaseins
… und ich kann da großflächig relaten. Auf der einen Seite wusste ich ab dem Alter von etwa 15, dass ich Musiker sein wollte, spiele seit ich 16 bin ein Instrument, hatte diverse Bands, (wenige aber egal) Studiojobs … ach, das ist wohl dieses relativieren-wollen, was Marcel beschreibt; also nochmal: Hatte Studiojobs, habe an Demo-CD-Produktionen mitgewirkt, mein Name steht in den Credits einer bei Sony verlegten CD, hatte Gigs und mehrere zusammenhängende Gigs von einem Veranstalter (Tour?) habe zwei Alben drauß… und während ich schreibe merke ich: Was soll denn diese Liste?
Ich kenne Menschen, die jahrelang Musik oder Bilder, Installa- oder Illustrationen angefertigt haben, die exakt niemanden interessiert haben. Alles wurde produziert, gedruckt, gebaut, gerahmt, aus dem Stein gehauen oder gefräst, lag dann in der Schublade oder der Garage und es hat nicht einmal jemand mitbekommen. Und alle, inklusive der Person selbst und auch mir waren vollkommen klar darin, dass die Person Künstlerin war.
Die Liste dessen, was man tut, die Liste dessen, was man damit erreicht, scheint also kein Kriterium zu sein.
Dann bin ich wohl Musiker.
Falls es an Ihnen vorbei ging: Ich habe kurz über die große Überraschung und Freude geschrieben (en), dass Circles & Squares so viele neurodivergente Menschen erfreut.
Das neue Album CIRCLES & SQUARES.
Seit dem 26.1. auf diesen und allen anderen Streaming-Diensten.


Natürlich biste das.
Dazu auch das, was Marcel in dem vorherigen Brief schrieb:
„Dabei geht es gar nicht mal um Qualität. Es geht darum, dass man noch Momente hat, in denen man sich hinsetzt und macht. Fehler, Erfolge, Müll, Kunst, egal was. Hauptsache, der Prozess erfüllt einen mit den Emotionen, die nur entstehen können, wenn man sich wirklich reinhängt.“
Und das tust du doch.
(Und ich. Danke für die Erinnerung! Kommt auch hier grade zur richtigen Zeit. Und Danke für die Entdeckung der Briefe aus der Versenkung, die ich bisher nicht kannte.)