13.10.2021 – Aarhus ’21 (IV)

(Irgendwas mit Hotelbetten und Rücken und ouch und grml und so)

Vormittagsprogramm: Shoppen. Ich dachte beim Rein-Raus-aus-den-Läden darüber nach, dass ich das Grundprinzip des Kapitalismus, das ewige Wachstum noch nie verstanden habe. Ist eine neue Herbstmode nicht eigentlich nur deswegen nötig, weil sonst die Menschen keinen Grund haben, etwas Neues zu kaufen – und dann verdienen die Marken kein Geld und dann steigt das Bruttosozialprodukt irgendwo nicht und dann sind die Aktionäre unzufrieden und dann ist Holland aber so richtig in Not?
Wenn es ein Geldkreislauf sein soll – wie alle behaupten – wer verdient dann etwas?

Naja, ich schweife ab. Man kann hier ziemlich prima shoppen.

In einem kleinen Lädchen im Latinerkvateret begannen dann die Verkäuferin und ich zusammen, die Liebste davon zu überzeugen, dass ihr die Paisley-Tunika wirklich gut stände und sprachen dann allgemeiner darüber, wieviel Sinn eigentlich so eine Farb-Typ-Beratung macht. Sie wirkte erst kurz etwas erstaunt darüber, das mit einem Mann zu besprechen und vielleicht habe ich einfach früher zu viel Cosmolitan gelesen. Oder zu viel Shopping-Queen geguckt? Auf jeden Fall lassen die Farben von dieser Tunika die Liebste strahlen und trotz Paisley-Sperre hat sie das Teil dann nach Haus getragen und die Verkäuferin hat sich das Lied von Prince notiert, das mich überhaupt vor vielen Dekaden erst zu Paisley brachte.

Ja, ich finde das genauso bemerkenswert wie Sie, dass ich hier vollkommen froh und frei mit Menschen ins Quatschen gerate.

Zwischendurch Pause für ein Heißgetränk auf dem Salling-Rooftop und ich machte ein Bild davon in den Instagram-Stories, das verschiedene Menschen zu leichten „da will ich auch sein“-Äußerungen trieb. Dabei ist doch so ein Bild vom Profibaristamuster-Kakaopulver-bestäubten Kakao halt auch nur wieder ein besonders hübscher und gut snackable Moment von vielen. Sicher ist dieses Blog dazu da, dass ich mich an die guten Dinge erinnere, mich während des Erlebens schon auf sie konzentriere – aber die Gefahr dann hier oder auf Instagram wieder nur die supi Sachen zu lassen und andere (vielleicht Sie) zu frustrieren ist dabei groß.

Also: Mehr Realität: Ich liebe diese Stadt und die Menschen, aber ihr Gastro-Angebot ist … sagen wir: anstrengend. Ein Essen ohne Fleisch ist kein Essen und wenn man auf einer Karte auch nur ein fleischloses Gericht findet, ist man king for this day. Die Abendessenfrage macht mich deswegen grundsätzlich jeden Tag wieder echt nervös.
Dazu kommt, dass die Dänen in etwa dann alle Hunger haben, wenn ich auch Hunger habe und dann suchen wir alle zusammen und weil hier ja Corona vorbei ist, sind das dann schon eine wirklich große Menge Menschen ohne Masken oder Abstand zusammen mit mir auf der Straße oder im Restaurant. Ich nenne es inzwischen liebevoll „meine tägliche Konfrontatiostherapie“.

Nachmittags fuhren wir zu einem Botanischen Garten in dem in der Mitte ein Tropenhaus gibt. Das Tropenhaus war schon zu, also liefen wir immerhin durch den Park. Der war schön, voll mit den verschiedensten alten Bäumen und ich habe den Verdacht, dass meine alte Kollegin Karin vor Freude gejuchzt hätte. Mir fehlte dazu etwas Fachwissen und auch etwas die Begeisterung – aber es war schon schön da.

Ich freue mich derweil darüber, was hier auf den Schildern an Spielplätzen steht* – vor allem so im Vergleich mit dem deutschen „Der Bürgermeister sagt dies und das und jenes ist verboten

*) Übersetzung etwas holprig – das ist ein Screenshot von Google Translate

Gegen Abend verließ mich dann etwas die Energie, so dass da nur noch Pizza to go am Straßenrand im Café Audi blieb, weil die Streetfoodhalle so aus allen Nähten platzte, dass alle supi gelernten Skills gegen Panikattacken nicht mehr halfen. Danach im Hotel: Veratmen, veratmen, veratmen. Und Sommerhaus der Stars. Wir haben ja hier sonst nichts.

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