12.5.2026 – immer knapp 20 Minuten

Schon wieder einer von diesen unerklärbaren Tagen. Dabei ist total viel passiert: ich musste mich über das kaputte Backend und den kaputten Support von einem der ehemalig richtig guten Hoster aufregen, ich musste einer Kundin erklären, dass meine Empfehlung von vor zehn Jahren wohl keine Gültigkeit mehr hat, ohne dabei zu sagen, dass sie jetzt wechseln muss, denn ich habe ja gar keine Zeit für sie den Hoster zu wechseln.
Ich musste sieben Mal nachsehen, ob es inzwischen eine Antwort in den Fragmenten des Ticketsystems gab (nein) und hektisch Bilder austauschen, weil „wir das ja total vergessen haben, aber der LinkedIn-Post soll gleich raus – brauchst Du mehr als fünf Minuten?“ (ja).
Ich musste hier einen Zoom einschieben und da noch mal fix per Telefon nachfassen, weil eine Kundin sehr sprunghafte und sehr hohe Erwartungen hat – was nicht schlimm wäre, ginge es nach unseren Regeln. Es geht aber nach Googles Regeln und die geschätzte Coworkerin und ich sind sehr damit beschäftigt, sehr abgestimmt mit einer Stimme zu kommunizieren, dass Google halt eigene Vorstellungen hat, wenn man ihnen nicht all sein Gold in den Rachen wirft.
Was ein Glück, dass mein Projektplanungstool offline war und blieb, denn sonst hätte ich ja auch noch gesehen, was eigentlich heute geplant war und es nicht nur im Hinterkopf geahnt. Das Ergebnis dieser Downtime wird dann vermutlich morgen über mir explodieren.
Ich musste einen Freund eines guten CoWorkers anrufen und kurz was helfen – obwohl ich gar keine Zeit dafür hatte, musste zur Haustür laufen und Pakete annehmen – für das Abendessen, für den Nachbarn rechts, für den Nachbarn links, ich musste zur Haustür laufen und innerhalb von Sekunden entscheiden, ob der Handwerker, der nebenan arbeitete, mich abziehen wollte oder nicht, als er mir „ebenfalls eine dringend zu reinigende Regenrinne“ attestierte.
Zwei Minuten später musste ich dem Handwerker erklären, dass ich es wörtlich gemeint hatte, als ich sagte, ich müsse in zwei Minuten raus und sie müssten wirklich bitte nochmal kurz ihren Laster wegstellen. Dann musste ich etwas hektisch zur klugen Frau fahren – hektisch jedenfalls bis ich bemerkte, dass ich mich mit der Zeit vertan hatte und deutlich zu früh war.
Na, immerhin Zeit, das vergessene Frühstück noch irgendwie nachzuholen und ich kann Ihnen sagen: Wenn Ihnen an einer Jet-Tankstelle ein „Kakaocroissant“ begegnet, dann kaufen Sie es. Danken Sie mir später.

Die kluge Frau unterhielt sich dann lang mit mir über das Album und ich war tatsächlich ziemlich irritiert, was für Dinge jemand mit Interesse alles sagen kann, obwohl es deutlich nicht unbedingt ihrem sonstigen Geschmack entsprochen hatte, was sie gehört hatte. Es haben sich so wenige Menschen in der Kohlenstoffwelt mit mir über meine Musik unterhalten, dass ich schlichtweg keine Konventionen oder Handlungsmöglichkeiten für diese Situation kannte.
Es war schön, als sie sagte, dass sie mich ja etwas kenne und mich in der Musik gehört habe.
Danach unterhielt sie sich noch deutlich länger über all das, was ich oben schrieb bzw vor allem darüber, was das mit meinem Kopf macht und was wir wiederum damit tun können. Und damit dass mich jede Unterbrechung für 20 Minuten rauswirft. Wir haben eine konspirative Idee und ich schätze sie ja eh, aber gerade noch mehr.

Ich musste zur Haustür laufen und dem Nachbar, der mich nicht anguckt, sein Paket geben und dann durfte ich zur Haustür laufen und ein Paket für mich annehmen und mich sehr darob freuen.

Jetzt ist es gleich sechs Uhr und mein Kopf ist sich sicher, dass ich heute nichts gearbeitet habe. Und ist darüber nicht froh.

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