12.4.2022 – Total abgebrannt

Um sieben aufgewacht, gedehnt und gestreckt, einmal durchs Haus, alle Rollos hoch, dann hoch ins Büro, die Morgenrunde durch die WordPress-Websites die ich für Kundinnen pflege gemacht und Updates eingespielt (macht BackUps! Macht Updates!), hingesetzt, losgecodet, dann rief die Liebste an und beim Telefonieren steh ich ja gern am Fenster und dann sah ich: Der Audi ist weg.
Um es vorweg zu nehmen: war er dann doch nicht, aber seien wir ehrlich – Sie hätten das doch auch gedacht, oder?

Immerhin war ich dann wach. Sehr, sehr wach.

Beim Coden höre ich mich gerade durch alte Musik. Gestern waren es die Guano Apes, heute begann der Tag mit den Dire Straits. Ziemlich gute Sache, einfach mal alle Alben einer Band der Reihe nach hintereinander weg zu hören.

In der Mittagspause stieß ich auf eine Doku „Don’t stop the music“ in der der Comedian und Headbanger Bülent Ceylan in einer Schule im sozialen Brennpunkt ein Musikprojekt mit den (Grund-)Schülerinnen startete. Schöne Sache dachte ich und schaltete ein.
Ist auch grundsätzlich eine schöne Sache – was mir nur aufstieß war: Die herangezogenen Instrument-Lehrerinnen hatten deutlichst noch nie mit „Kindern mit Förderbedarf“ – wie es so schön heißt – zu tun. Kinder, die aus dem Unterricht weglaufen, die nicht zuhören, Kinder, die sich nicht länger als ein paar Minuten konzentrieren können, Kinder, die auf die Frage nach ihrem größten Wunsch nicht „Playstation 5“ antworten, sondern „dass ich wieder bei Mama sein kann
Bülent machte eine launige KickOff-Veranstaltung und besuchte die Kinder dann einen Monat später wieder.
Und natürlich ging es zwar darum, „Kindern die Freude an der Musik zu vermitteln“, aber ebenso natürlich ging es nicht um die Musik aus der Welt der Kinder, sondern um klassische Musik.
E-Musik muss schon sein in Deutschland.
Geige, Trompete, Gitarre und Gesang standen zur Auswahl. Zum Kennenlernen spielten die eingeladenen Klassiker mal was fetziges: Das Theme from Star Wars. (Immerhin nur 35 Jahre älter als die anwesenden Kinder)

Ein Professor erklärte, warum die Geige natürlich eigentlich das einzigste(!) wirkliche Instrument ist und ich frage mich: Darf nicht auch mal was ohne mega Überbau passieren? Reicht es nicht, dass zusammen musizieren Spaß macht, das Sozialgefüge stärkt, die Gehirnhälften besser verbindet und die Konzentration fördert?
Muss es Klassik sein, die im Leben der Kinder nahezu garantiert nicht vorkommt und nach dem Projekt, wenn der Ceylan und sein Kamerateam-Zug nach sechs Monaten weiter gefahren ist auch vermutlich kaum noch eine Rolle spielen wird?
Warum nicht Rap? Rap kommt aus den sozialen Brennpunkten. Rap ist einfach, geht mit wenig technischem Aufwand und wenig Vorkenntnis, die Lernkurve ist flach und trotzdem unendlich lang wenn man sich wirklich reinstürzen will. Ach ja, und: Die Themen sind die der Kinder dort.
Nee, wir versuchen lieber einem 7-jährigen ADHS-Kind, das zu Hause nicht üben darf, in sechs Monaten Geige beizubringen – wir sind schließlich das Land der Dichter und Denker.
Das wird dem Mädchen nach dem halben Jahr bestimmt viel bringen – so eine abgebrochene Instrumenten-Karriere. Auf dem Publikums-wirksamen Abschluss-Konzert hat sie drei Töne spielen können ohne dass es quietscht, aber dann: Lehrerin weg, leih-Instrument weg, Geigen-Karriere zu Ende. Aber yay, wir haben ein Förderprogramm, für das wir uns schön auf die Schulter klopfen können.

Schulligung für den Rant, aber das regt mich einfach auf. So ein riesiger Anspruch und dann so an der Realität vorbei geplant.

Und ja: Lust auf Musikmachen machen ist immer super und mir geht es gar nicht darum, Musikschulen oder Klassik allgemein nieder zu machen. Aber solche Veranstaltungen wo jemand für eine beschränkte Zeit kommt und großen Bohei macht und dann wieder geht, die sind meist von oben für und nicht mit der Zielgruppe entstanden; ich habe in meinem Leben genug solcher Alibiveranstaltung erlebt, man findet gerade in Schulen gerne mal Reste in irgendwelchen Ecken.

Nachmittags wurden am Schreibtisch die Dire Straits gegen Van Halen ausgetauscht (mein Gott, was der Edward fehlt) und ich hatte Zeit für ein paar kleinere Sachen. Alle Bälle im Groß-Projekt liegen in der anderen Platzhälfte und das ist zwischendurch auch mal gut.

Nachmittags, bei anderem Sonnenstand sah der Parkplatz übrigens so aus:

Hurra, mein Auto!

Nach Feierabend noch ein paar Antworten bekommen, die mich auf verschiedenste Arten erfreuten. Morgen dann wohl wieder Flöz.

Wussten Sie, dass 2021 beim New York Marathon eine Ente mit roten Laufschuhen ein Stück mitlief? Sie hieß Wrinkle, die Ente. Ich wusste das auch nicht, aber ich gucke jetzt Wer weiß denn sowas?, da lerne ich sowas.

Danke fürs Teilhaben und Dabei-sein. Wenn Sie wollen:
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Oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier ist meine Wishlist. Sie finden dort formschöne und Freude-spendende Geschenke für wenige oder auch sehr viele Euro.

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