12.10.2019 – Realitätsschocksbegeisterung

Baumarktrunde die dritte: Waschtische, Armaturen, Holz. Niemand sollte das an einem Samstagmorgen tun, denn – ich verrate Euch jetzt was – samstags sind alle unterwegs. Alle.
Und wie die Liebste so treffend bemerkt: Samstagsmenschen snd irgendwie anders. Und sie meint das nicht in a good way.

Vor lauter Genervtheit auf dem Rückweg Burger mitgenommen. Das ist natürlich eine total erwachsene Reaktion aber wer hat hier behauptet, wir wären erwachsen?

Ein Nachmittag mit Kleinkram, ein paar Kilometern in the treadmill und ein bisschen Pause, wir hatten ja noch was vor.
So schnell wie möglich noch unerfreulichen Familienkram hinter mich gebracht; naja, so konnte sich der Tag dann wenigstens so richtig gut steigern …

Nach Essen gefahren und Sascha Lobo bei seiner Lesung zum Realitätsschock zugehört. Der war nämlich gestern im Rahmen der lit Ruhr auf Zollverein und wir hatten das zum Glück noch gerade rechtzeitig mitbekommen.
Lustig, als wir ankamen: Gestern Abend lasen dort außer Sascha noch in verschiedenen Hallen unter anderem: Gaby Köster, Annette Frier, Katja Riemann und Joachim Król und man hatte das Gefühl, dass sich alle, die wir auf dem riesigen Zechengelände herumirrten, gegenseitig taxierten: Bist Du ein Król-Typ oder ein Lobo? Köster oder Riemann? Frier?

Bei Sascha zumindest war es bumsvoll, wie der Veranstalter es kommentierte und die Anwesenden waren in der Mehrheit richtig begeistert. Der Mann links auf dem Foto, dessen Namen und Job ich peinlicherweise komplett vergessen habe, nannte das Buch ein „Standardwerk zu unserer Zeit“ und ich möchte ihm da nach dem Lesen gar nicht widersprechen (Offenlegungsdings: Ich bin natürlich schon seit Jahren Fan und arbeite auch was für Sascha).
Sascha las teilweise aus dem Buch vor, teilweise erzählte er Dinge, die nicht drinstehen aber dann zwischen den Ausschnitten vermittelten oder weiteres Wissen lieferten.
Zum Schluss gabs noch ein paar Fragen und kaum zwei Stunden später war kein einziges Sauerstoffatom mehr in der Halle und alle waren angemessen geplättet und begeistert.
Kleine Anekdote: Zur Fragerunde aus dem Publikum machte Sascha schnell die Regel auf, dass immer eine Frau / ein Mann abwechselnd dran wären. Und wenn keine Frau mehr Fragen hätte? Ja dann wäre halt Schluss. Diese Konsequenz hat zwei, drei Gesichter kurz entgleisen lassen – aber dann waren zum Glück genug Frauen da, um nicht austesten zu müssen, ob er es ernst meinte. (Ich bin sicher: ja)

Also, falls Ihr das noch nicht habt: Lest das Buch. Es ist sehr gut.

Als wir in Essen wieder los fuhren war die Nacht noch jung, die Luft gänzlich unherbstlich lau und im Überschwang der Hormone beschlossen wir: Komm, wir gehen noch in eine Kneipe. Wie so junge Leute.
So ab Bochum wurde ich müder, am Ortseingang Dortmund überlegten wir beide, dass es da ja jetzt auch überall bumsvoll sein würde … und einen Parkplatz würden wir ja auch nicht bekommen … und so viele Leute … boah ja und laut … und so fuhren wir dann nur noch die McDonalds-Schleife.

Ich muss einschieben: Als wir damals jung waren und im Ruhrgebiet zum Tanzen unterwegs waren, war die McDonalds-Schleife ein fester Bestandteil eines guten Abends. Der Mäcces liegt an der B1, aber leider in der Richtung ins Ruhrgebiet rein. Wenn wir also wieder Richtung Sauerland fuhren, mussten wir zweimal U-turnen – eben die McDonalds-Schleife.
Ein erfolgreicher Abend* endete also mit einem Burger im Auto mit Blick auf die B1. Die Liebste und ich haben da, als wir noch Freunde waren, viel Zeit verbracht und ich spreche diesem Parkplatz eine gewisse Mitverantwortung an der Entplatonisierung dieser Freundschaft zu.

*) Ein richtig erfolgreicher Abend war es übrigens dann, wenn man betrunken breit albern genug war, zu Fuß durch die DriveIn-Gasse zu laufen und seine Sachen zu bestellen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und so endete auch gestern mit Blick auf die B1.

Nachtrag So, 13.10., 09:10 Uhr: Zweimal Burger gestern. Mir ist immer noch etwas flau in der Körpermitte. Wie so alte Leute.