11.7.2019 – just a second

Viel nachgedacht. Als ich noch auf einer katholischen Schule war, da lernte ich, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei und sich die Erde untertan (1. Mose 1) habe machen sollen. Hatte Gott gesagt.
Als ich begann, mich mit der Aufklärung zu beschäftigen lernte ich, dass der Mensch von seiner Vernunft ausgehend auf die Welt blicken solle. (Sapere aude!). Hatten die Philosophen gesagt.

Beides führte – vermutlich ohne die Intention der Verfasser – dazu dass der Mensch sich als das Zentrum, die Spitze, das Beste, das Geilste begriff. (Nein, ich meine nicht nur Herrn Lindner, ich meine uns alle.)
Wenn man zum Beispiel einmal über den schönen Begriff „Umwelt“ nachdenkt fällt auch auf, dass die Umgebung dabei in Relation zum eigenen Selbst gesetzt wird: Es gibt die Welt (den Mensch) und etwas um ihn herum (die Umwelt)*.
Ein tragischer Trugschluss, denn die Natur kann bestens ohne uns – wir aber nicht ohne sie.

*) Ich finde es immer wunderbar, sich mit Sprache auseinander zu setzen; es ist oft so verräterisch.

Am Sonntag waren wir in Bochum im Planetarium und sahen „Vom Urknall zum Menschen“. Um diese wirklich, wirklich langen Zeiträume auch nur halbwegs begreifbar zu machen, sahen wir die Zeitspanne vom Urknall bis heute zusammen gestaucht auf ein Jahr. Das war dann auch wirklich einigermaßen verständlich: Anfang Januar passierte ein bisschen was Big Bang, viele Wochen später entstanden Planeten, Wochen später traf uns noch ein Nachbarplanet und der Mond entstand, viele, viele Wochen später enstanden die ersten Zellen, die wir als „Leben“ bezeichnen, dann viel Eis, dann wieder Tauwetter, Wochen später liefen Dinos hier rum, dann der Meteor, dann Säugetiere und so weiter und so weiter.
Und der Mensch? Der taucht erst am Ende des letzten Tages auf. Und der moderne, industrialisierte Mensch – also wir – erst in der letzten Sekunde der letzten Stunde des letzten Tages dieses symbolischen Jahres.
Ich fand das eine sehr eindrückliche Demonstration meiner eigenen Unwichtigkeit und ich dachte: Wenn man uns in diesem Zeitsystem mal mit einem Parasitenbefall vergleicht, dann sind wir gerade an dem Punkt: Die Erde hat uns überhaupt erst wahrgenommen und hebt gerade den Arm, um sich zu kratzen.
Wir sollten unsere Rolle überdenken. Schleunigst; wir haben nur noch Mikrosekunden Zeit.

Das Programm läuft übrigens noch bis in den September rein im Planetarium – das kann man sich gut mal angucken. Dauert ja weniger lang als eine µ-Sekunde. Zwinker.

Im Autohaus gewesen, das jawlmobil wollte eine Inspektion haben. Bei der Gelegenheit kurz mit meinem Kundenberater gesprochen und erwähnt, dass ich den Wagen nach dem Leasing-Ende gerne noch etwas weiter fahren würde bis ich dann komplett auf E umsteigen kann. „Komplett E“ ist in seiner Welt noch vollkommen illusorisch – wenn ich schon mit Strom fahren möchte, dann aber doch wenigstens Hybrid.
Der Leihwagen den ich bekam, der ist natürlich ein Diesel.

Mit Frau J einen Tausch gemacht: Sie bekam mein quasi unbenutztes Longboard, das ich mal in einem Anfall von Midlife-Crisis gekauft hatte und ich bekam ein Fotobuch, das auf meiner Wishlist* stand.
Ein Tausch, der sie hoffentlich so froh macht wie mich; denn: Mich macht er sehr froh, das Buch scheint gerade exakt richtig zu sein.

*) wenn Sie so super finden was ich hier so schreibe, dass Sie sich da auch austoben möchten: hier entlang

Guter Apfel: Nachtrag zu gestern – Apple hat reagiert und die Sicherheitslücke, die die Zoom-Videokonferenz-Software aufmachte geschlossen.

Lehrerinnen feiern logischerweise nicht am 31.12., sondern am Tag vor den Sommerferien Silvester; Lehrerinnengatten haben ebenso logischerweise dementsprechend heute Fahrdienst. Ich muss dann jetzt auch los.