11.6.2026 – strahlende Nachbilder

Uff. Ein fleißiger Tag, der allerdings damit endete, dass ich in einer Verifizierungshölle feststeckte. $kundin und ich hatten schon extra gezoomt damit die Bestätigungsmails nach meinen Versuchen, mich irgendwo einzuloggen nicht ins Nirvana gingen, aber natürlich sah Google irgendwo noch einen weitere Bedrohung in mir und ja, Sicherheit ist wichtig, aber wenn man in der Kombi gleich noch seine Adresse und Telefonnummer eingeben muss …
Naja, dass Google nicht mehr nicht evil ist überrascht ja nun niemanden mehr.

In meiner Inbox lag schon ziemlich lange ein Link – Sie schicken sich doch auch Links, die Sie dringend noch lesen wollen und die setzen dann in Ihrer Inbox Staub an, oder? ODER? – ein Link also auf einen Artikel bei den Krautreportern über Migräne. Direkt am Anfang ist ein Test, dauert ca eine Minute und was hab ich gelacht. Gehen Sie doch mal rüber, zählen Sie die Sekunden und dann sag ich Ihnen: Ich zählte bis 15. Nun denn, dass ich Migräne habe, weiß auch jede.
Gerade fällt mir auf, dass ich den Artikel dann gar nicht weiter gelesen habe. Uff, es war wohl wirklich ein anstrengender Tag.

Zeugs

Ich bin alt genug, dass ich „auf einmal nicht mehr im Sandkasten spielen durfte“ – das ist ja der Satz, auf den sich alle geeinigt haben, wenn sie von Tschernobyl berichten. Es handelt sich dabei natürlich um genau so eine haltlose Hohlphrase wie das angebliche Baden und Anziehen des Pyjamas vor wetten, dass…? und mir fehlt da die sprachlose Angst, die mein Elternhaus überkam und mit der ich komplett alleine blieb. Ich war 14, ich spielte eh nicht mehr im Sandkasten, aber ich hatte gelernt, dass GAUgrößter anzunehmender Unfall“ hieß, der nie stattfinden durfte und man das absurderweise schon um den Super-GAU erweitert hatte und ich hatte Angst und war damit alleine.
Dass ich am ehesten hätte Angst haben sollen, weil – so sagt man – das AKW um die Ecke* die Situation nutze, um gleich mal den Dreck vom letzten Unfall aus dem Fenster zu blasen, das erfuhr ich erst Dekaden später – aber das nur am Rande.
Genauso, wie ich erst Dekaden später erfuhr, was damals überhaupt passiert war. Die Menschen um mich herum mussten das wohl schnellstmöglich verdrängen, denn sonst hätte das asoziale Grüne Pack ja vielleicht doch einen Punkt gehabt.

*) 30km Luftlinie. Jaja.

In der ZDF-Mediathek gibt es die imho unglaublich gute Doku Uran – Das unheimliche Element, in der Derek Muller auch die Ruine des Reaktorblocks 4 besucht. Auch Tschernobyl – Die Katastrophe kann man sich gut mal ansehen, um zu verstehen, was damals passiert ist und auch um zu verstehen, warum ich weder der Technik noch den Menschen, die sie bedienen, jemals werde vertrauen können – aber auch das nur am Rande.
Ooops, jetzt habe ich wohl ein kleines special interest offenbart, dabei wollte ich eigentlich nur einen Krautreporter-Artikel verlinken:

Die Bestände von Wölfen, Füchsen, eurasischen Luchsen, Elchen und Wildschweinen haben deutlich zugenommen. Tierarten wie der Braunbär und das Wisent sind zurückgekehrt. Was hier geschieht, ist eine Renaturierung in ihrer radikalsten Form: Weil der Mensch nicht eingreifen kann, entstehen in der Sperrzone ökologische Prozesse, die so nicht vorhersehbar waren.
Es wird nicht gejagt, es gibt keine Landwirtschaft und keine Bebauung. Studien deuten darauf hin, dass dieser positive Einfluss auf die Natur größer ist als die negativen Folgen der Strahlung.
Im belarussischen Teil der Sperrzone gibt es genauso viele oder sogar mehr große Säugetiere als in unbelasteten Naturschutzgebieten. Unbestritten ist allerdings, dass die anfängliche Strahlung Flora und Fauna massiv geschädigt hat, besonders im sogenannten Roten Wald, einem etwa zehn Quadratkilometer großen Gebiet in der Nähe des Atomkraftwerks.

Nick Dunn bei den krautreporten:
Tschernobyl: Die Tiere holen sich ihren Lebensraum zurück
(Als Mitglied darf ich Ihnen diesen Link schenken. Geil, hm?)

Ich lese den Artikel mit großem Interesse und Faszination und währenddessen erwacht ein Stimmchen in meinem Hinterkopf und flüstert, dass schon irgendein Arschloch demnächst mit dieser Beobachtung argumentieren wird, dass so ein GAU ja doch gar nicht so schlimm sei.


Jetzt mal gucken, wie schlimm diese Fußball-WM wird.

Cover Malcolm F: Circles & Squares

Das neue Album CIRCLES & SQUARES.
Seit dem 26.1. auf diesen und allen anderen Streaming-Diensten.

4 Kommentare

  1. Migräne: den Glühdraht habe ich gut 10 Sekunden gesehen, die Birne ne halbe Minute. Aber dass ich Migräne habe, ist auch nichts Neues.
    Ich hab mal gerüchtehalber gehört, dass manche Menschen mit Lese-Rechtschreibschwäche keine Nachbilder sehen können und daher Schwierigkeiten hätten, sich das Wortbild zu merken (ich habe nie überprüft, ob das eine Einzelüberzeugung war oder ob es Evidenz dazu gibt). Mein Gehirn möchte jetzt wissen, ob Menschen mit Lese-Rechtschreibschwäche seltener Migräne haben. (Auch eine Art Braindump hier gerade. Ich habe nämlich gerade wirklich keine Zeit, dieses Kaninchenloch zu untersuchen.)

    1. Oh, was für eine spannende Frage. Ich werde einmal die Liebste drauf ansetzen ob sie ihre Förderkinder mal Nachbilder schauen lässt :)

  2. Ich hab ein Kind mit Leserechtschreibschwäche und das hat Migräne. Allerdings haben bei uns alle in der Familie öfter mal Migräne, also ist sie vielleicht genetisch besonders vorbelastet?

    1. Das mag ja sein; um den erblichen Faktor habe ich mich mangels Ansprechpartnern noch nie kümmern können.

Kommentare sind geschlossen.

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