11.5.2021 – Bank-Tag

Erste Tat des Tages: Bei der Sparkasse nach dem Status der Karte fragen. Ich nutzte das Kontaktformular auf der Website, also konkret das im Onlinebanking-Bereich.
Erster Anlauf: „Sie haben ein unzulässiges Zeichen verwendet
Aha. Was denn wohl – hm … nochmal lesen … Ah, ich hatte Auslasssungspunkte benutzt. Also die echten, nicht nur dreimal auf den Punkt gehauen.
Prima, dann gings.
Und ich las folgendes:

Soso, meine „Unterlagen“. Wie einen doch so ein paar Anführungszeichen beunruhigen können.
(Also abgesehen davon, dass es natürlich keine Anführungs- sondern Zollzeichen sind, aber wer will da kleinlich sein?)

Natürlich hatte ich direkt vor der Mail noch probiert, was Adobe zu einem neuen Anlauf sagen würde und natürlich ging da nichts und natürlich bekam ich direkt eine Antwort von der Bank, dass „über Nacht“ alles erledigt worden sei und natürlich ging es dann direkt nach der Antwort der Bank wirklich – aber die Hauptsache ist ja, dass alles wieder klappt.

vollkommen zusammenhangsloses
Sehnsuchtsbild von heute vor einem Jahr

Morgens CMS-Schulung im Zoom. Tolles Feedback bekommen, sehr gefreut.
Danach beim Blick in die Mailbox noch einmal gutes Feedback. Vielleicht an diesem Punkt den Tag beenden? Kann kaum noch besser werden.

Nebenschauplatz: Ich habe tatsächlich endlich mein Facebook-Profil komplett geleert. So doof das klingt: Ich schaue drauf und finde das sehr schön so.
Interessanterweise funktioniert Facebook nach vielen Jahren, in denen es eigentlich so etwas wie eine digitale Heimat war und dann so langsam vor die Hunde ging, jetzt wieder ganz gut. Ich habe eine passende Menge an Gruppen gefunden, in denen es um Gitarrenbau geht oder um die Arbeit mit Logic, meiner DAW. Ich moderiere meine eigene kleine Gruppe und überall dort ist der Umgangston sehr ok oder besser – und ich kann den allgemeinen Stream mit seinem Herumgeschrei vollkommen ignorieren.
Nicht so, wie Maximilian es beschreibt – ich denke, das ist in der Form vorbei – aber deutlich besser als die letzten Jahre.

In diesem, dem heutigen Artikel standen übrigens erst noch der Beginn einer Geschichte, wo ich Dieter Nuhr doof fand und ein Hinweis auf den längst-unentdeckten Computer-Bug der Welt und das eine habe ich gelöscht und das andere nicht fertig geschrieben. Ich beobachte mit Wohlwollen, dass ich es vielleicht doch schaffe, vom Empörungszug wieder runter zu kommen; die letzten Wochen fürchtete ich, ich wäre eingestiegen.

Zeugs:

Margarete Stokowski denkt über Kinderhass in Deutschland nach. Kinderhass ist natürlich ein großes Wort, eins was vermutlich ähnlich wie „Rassismus“ bei den meisten Menschen sofort den Reflex „Aber ich hasse doch keine Kinder“ hervorruft. Und bei dem man dann weg muss von sich selbst, weg von der eigenen Befindlichkeit und bei dem es sich sehr lohnt, mal auf das System zu schauen.
Und dann ist die Frage erlaubt: Warum siehts denn so mies aus mit der Bildung in Deutschland? Ach ja, weil zu wenig Geld da ist. Und vielleicht auch noch wegen dem Föderalismus. Klingt plausibel.
Anschlussfrage: Was tut Deutschland denn bei Dingen, die ihm wichtig sind und wo es zu wenig Geld gibt? Ach ja: Geld drauf werfen. Ruhrgebiet, Braunkohle, Autoindustrie, Tourismus-Branche.
Anschlussfrage: Mögen wir Kinder wirklich?

Es ist natürlich nicht so, dass alle Deutschen Kinder hassen, wahrscheinlich würde in Umfragen sogar herauskommen, dass die meisten Deutschen von sich behaupten, Kinder zu mögen. Wahrscheinlich würden das auch die meisten regierenden Politiker*innen sagen. »Soziale Erwünschtheit« würde man das dann nennen, so heißt das Phänomen, dem zufolge Leute in Umfragen oft ein gesellschaftlich akzeptiertes Bild von sich zeichnen, obwohl sie den Rest des Tages nach anderen Maßstäben handeln
[…]
Mit Kindern gut umzugehen bringt kurzfristig weniger für die Wirtschaft, als eine Fluggesellschaft zu retten. Wer hauptsächlich das Kapital und weniger die Menschen schützen will, für den sind kleine Menschen, die noch keine Profite schaffen, hauptsächlich ein Betreuungsproblem und unfertige spätere Arbeitskräfte. Wenn bezüglich Corona im vergangenen Jahr die Rede von Minderjährigen war, dann oft als »Schülerinnen und Schüler«, die dies oder das dürfen oder müssen. Aber Kinder und Jugendliche sind eben nicht nur Schülerinnen und Schüler.
[…]
Armut bei Frauen und Kindern hängen eng zusammen, denn Kinderarmut ist hauptsächlich eine Folge von Frauenarmut. Frauen werden in Deutschland finanziell bestraft, wenn sie Mütter werden. Bei Männern ist es umgekehrt, Vaterschaft wirkt sich positiv auf ihr Einkommen aus.

Margarete Stokowski auf spiegel.de: Woher kommt der Kinderhass?

Und Silke Jäger hat darüber nachgedacht, warum so viele Menschen aus den Pflegeberufen aufgeben. Auf den ersten Blick: Klar, zu wenig Geld, zu viel Arbeit. Zu krasse Schichten und zu wenig Lobby. Aber Silke Jäger findet da noch ein bisschen mehr:

Es berührt eigentlich alle Berufe, die Gefahr bergen und Opfer fordern. Dabei geht es auch um den Blick der Gesellschaft, die aus Menschen Held:innen machen möchte. Die Erklärung […] hat mir einen Begriff gegeben, der genauer erklärt, warum so viele in der Pflege ihren Beruf zu hassen beginnen: moralische Verletzung.
[…]
in der Pflege gibt es einen ethischen Kodex […] Menschen, die in der Medizin arbeiten, fühlen sich also sowohl durch ihr eigenes Wertesystem als auch durch das ihres Berufsstandes moralisch stark verpflichtet, Gutes und Richtiges zu tun und Schaden abzuwenden. Dieses Wertesystem trifft nun in der deutschen Realität auf ein Gesundheitssystem, in dem zum Teil ganz andere Werte im Vordergrund stehen, nämlich materielle.
[…] will kein Pfleger mehr sein, weil das System ihn jeden Tag dazu zwingt, falsch zu handeln: weniger zu tun, als nötig wäre oder etwas nur deswegen zu tun, weil die Klinik es abrechnen kann. Oft muss er dafür seinen Patient:innen und den Kolleg:innen Dinge zumuten, hinter denen er nicht steht. […]
[Und] der Heldenmythos macht alles schlimmer

Sikle Jäger auf krautreporter.de: Der wahre Grund, warum Pflegekräfte aufgeben

Im Endeffekt läuft echt vieles wieder auf das raus, was mir vor ca einem jahr die Augen dafür öffnete, warum ich wirklich nach Dänemark ziehen will: Als nämlich die dänische Europaabgeordnete auf die Frage, welchen Wirtschaftszweig sie denn als erstes retten würden sagte: „Wir retten die Menschen. Ohne die gibts auch keine Wirtschaft.

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2 Kommentare

  1. Als nämlich die dänische Europaabgeordnete auf die Frage, welchen Wirtschaftszweig sie denn als erstes retten würden sagte: „Wir retten die Menschen. Ohne die gibts auch keine Wirtschaft.“

    Welche Abgeordnete hat das gesagt?
    Liebe Grüße
    Birgit

    1. Ja, wenn ich das noch wüsste. Und ich habs nicht mal in diesem Internet, sondern tatasächlich vor ca einem Jahr im Fernsehen gesehen, so ein Schnipsel, der irgendwo in eine Diksussion gespielt wurde.
      Vermutlich war er auch aus dem Zusammenhang gerissen und so, schon klar, aber er bestärkte ein Gefühl, eines, das ja nun auch schon älter ist und auch nicht nur aus Reisekatalogen genährt ist.

Kommentare sind geschlossen.

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