11.4.2020 – bright lights, dark moods

Lang geschlafen, früh zum See gefahren. Ich mach das jetzt für Sie noch etwas komplizierter: Der See hat – da er ein Stausee ist – ein Vorbecken. An dem verbrachte die Liebste ihre Jugend, denn ihre Eltern waren dort in einem Segelclub. Ja, so hab ich auch geguckt, als ich das damals erfuht; klingt snobby, nicht wahr? Als ich den Club dann das erste Mal betrat und begriff, dass er der Segelclub am Vorbecken war, da gings dann wieder; snobby ist da keiner. Man tritt nur besser einem Club bei, wenn man seinen Opti am See ins Wasser lassen möchte.
Und wenn man mehr als einen Opti zu Wasser lässt, dann kann man auch eigentlich rüber kommen, indem man sich feste abstößt.
Was viel wichtiger ist: das Vorbecken hat eine nette Größe, um einmal drumrum zu laufen. Also für Schreibtischtäter wie mich.

Dann setzte ich mich daran, einen Mix für die Nichte fertig zu machen. Als sie das letzte mal hier war sprachen wir auch über Musk und sie spielte mir ihre aktuelle Musik vor. Und ich stellte fest, dass die sehr nah am Neo Soul/HipHop der mittleren Neunziger ist und versprach Ihr einen Mix. Der wurde dann natürlich – die Jungs, die früher Mixcassetten gemacht haben wissen wovon ich rede – etwas komplizierter in seiner endgültigen Zusammenstellung aber jetzt, schon im dritten Anlauf, ist er rund.
Ja richtig, ich mache Mixe. Keine Playlists.
Angebermodus an: Meine erste Begegnung mit diesem ganzen Neo Soul/ HipHop/AcidJazz-Kram hatte ich übrigens, als Dendemann mir mal eine Cassette aufnahm und ich denke: Ich muss vielleicht doch mal die guten Geschichten aus dem alten Blog rausholen.
Angebermodus aus.

In meinem Kopf wabern Formulierungen für einen anstrengenden zu schreibenden Brief hin und her und das macht mir latent schlchte Laune. Um den Brief endgültig fertig stellen zu können, muss ich noch diverse Seiten, die ich mal bekam lesen – die meisten von ihnen voll von Beleidigungen an mich und da habe ich aus vermutlich leicht nachvollziehbaren Gründen sehr wenig Lust zu.
Heute also nicht und im Ergebnis merke ich, dass nach vier Wochen Lockdownchen jetzt auch etwas von der schlechten Laune bei mir angekommen ist.

Beobachten Sie eigentlich auch, dass die Menschen da in unserem Internet beginnen, sich zu verändern? Ich muss da noch ein wenig zuschauen, um so genau heraus zu bekommen, was mit uns allen passiert, aber irgendwas passiert da. Naja, es wäre ja auch seltsam, wenn nicht.

Heute Abend werden wir uns auf das gestern abgeholte mehr-Gänge-Menu aus dem „schönes Leben“ stürzen; außerdem hat die Liebste mir heute nachmittag ein Blech Donauwelle gebacken und wenn Sie mal jemanden brauchen, die Ihnen Donauwelle backt …
Nee. Nee. Ich geb Sie Ihnen nicht, tut mir leid.

4 Kommentare

  1. Ja, die Menschen verändern sich. Sie werden empfindlicher. Ein nicht unerheblicher Zweck sozialer Kontakte ist die Abstimmung zwischen Fremd- und Selbstbild. Wer stark nach aussen orientiert ist, sucht im Aussen nach Bestätigung in Selbstwirksamkeit und Zuwendung, wer das Monitoring internatilsiert hat, ist gleichzeitig weniger abhängig vom Fremdeinfluss in der Feedbackschleife. So ist zu beobachten, wie Manche auf kleinste Einflüsse sensibler reagieren, weil sie ihr Selbstbild von Aussagen angegriffen fühlen, die sie sonst im normalen Alltag mit mehr realem Austausch übergehen konnten. Sie merken aber auch, wie wichtig sorgsam gewählte Formulierungen sind, denn am Geschriebenen kann nicht so viel Nonverbales abgelesen werden und gleichzeitig steht das dann erst mal ohne Relativierungsmöglichkeit im Raum.
    So zumindest meine Theorie.

    1. Das ist nicht wirklich das, was ich meinte; aber es ist – noch viel toller – erstens eine gute Ergänzung und zweitens auch ein Stück Erklärung. Ich muss das mal in saubere Worte fassen und die Tage mal bloggen.

  2. Ihnen trotz der wabernden Gedanken (wegsperren in einen Topf mit Deckel!) und mit der wundervollen Donauwelle ein gutes Ostern. Danke für die immer und immer wieder zauberhaften – im wahrsten Sinne – Seebilder! Ich erfreue mich, manchmal sogar rückblätternd, daran.
    Ja, die Haut wird dünner, weil man mehr Zeit hat, der Egozentrik Augenmerk zu geben und die Anfriffe blutiger scheinen, weil der Zeitfaktor Gelegenheit gibt, sie hin und her zu betrachten. Da findet sich schon etwas, das erzürnt oder auch trifft oder zu vermehrtem Widerspruch anregt. Ach, Zeit….Nutzen Sie sie für schöne Dinge mit Ihrer Liebsten! Sunni

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