10.11.2018 – Zeit ist eine Illusion

Morgens für einen Samstag früh aufgestanden und erst Recht früh das Haus verlassen, denn wir fuhren nach Dortmund zu „Zwischen Brötchen und Borussia“ – ich hatte darüber schon mal erzählt.

Gestern war das Thema „Ist Zeit nur eine Illusion? Relative Zeit, Zeitreisen und das zeitlose Universum“ und das war ganz schön sportlich für anderthalb Stunden und ich hatte schon das Gefühl, dass zwischendurch die Blicke im Hörsaal etwa leerer wurden – spätestens als die verschiedenen Zeitmodelle in der Experimental- und der Quantenphysik gestreift wurden.
Ich liebe diese Vorträge. Sie machen den Kopf so auf – auch und gerade, wenn ich nicht alles verstehe.

Was ich aber eigentlich erzählen möchte ist in der kleinen Fragerunde nach dem Vortrag passiert:
Zum einen die Frau, die (sehr themenbezogen und -eweiternd) was fragte und quasi mitten im Wort das Mikro aus der Hand gerissen bekam. Ihr Sprechtempo und die Geschwindigkeit, mit der sie es doch noch fest hielt ließen vermuten, dass ihr das häufiger passierte. „Frauen unter Physikern“ seufzten die Liebste und ich synchron.
Dann der Mann, der die Fragestunde dazu nutzte, um kurz auch noch seinen eigenen Hobby-Forschungsstand zu erzählen – das ist bei Fragestunden ja häufig so. Dieser schoß für mich allerdings den Vogel ab mit der schönen, an den Professor gerichteten Bemerkung: „Ich hatte Ihnen das schon mal erklärt“ – die der sehr nonchalant überhörte und den Rest des Wortbeitrags für den übrigen Saal wieder richtigstellte.
Und dann der zehnjährige, der auch noch zwei Fachfragen hatte. Er redete los und der Prof, der zufällig neben mir stand, ein paar weitere drumrum sitzende und ich murmelten synchron: „Oh, er hats verstanden“. Was erstens durch die Menge der Murmelnden überraschend laut wurde und zweitens für einen zehnjährigen einigermaßen beeindruckte.

Gerade, wenn ich an meinen kleinen, überraschend erfolgreichen Hochbehabungsartikel letztens denke: Liebe Eltern, wenn ihr wirklich hochbegabte Kinder habt – gebt Ihnen alle Chancen. Nicht weil sie was besseres sein sollen als die anderen, sondern weil sie es verdient haben.

Danach ein grauer Samstag. Die Welt packt sich gerade in graue dumpfe Watte und ich muss da mal gegensteuern.