10., 11., 12. Dezember

Die Tage bekommen schnell wieder eine erschreckende Gleichförmigkeit, seit wir nicht mehr jeden Tag mit irgendwem streiten müssen. Der Wecker klingelt, ich gehe an den Schreibtisch, stöpsele die Monitore an, öffne das ToDo- und das Mailprogramm, lese in beiden nacheinander, was so ansteht. Dann lache ich bitter, schiebe im ToDo alles von heute auf morgen und begebe mich an den Wahnsinn, der in den Mails seit dem Abend zuvor eingetrudelt ist. Mittags Pause, nachmittags vielleicht doch nochmal ein vorsichtiger Blick, ob nicht Platz für etwas reguläres wäre und abends telefoniere ich mit der hochgeschätzen Kollegin, weil wir uns nicht mehr erklären können, warum beim Kunden (und nur bei dem persönlich) der Newsletter anders aussieht als bei allen anderen. Wir beginnen so esotherische Dinge zu tun wie „alle Absätze einmal auf Blocksatz und dann wieder auf linksbündig“, also eigentlich, sein wir ehrlich, das Pendant zu „hast du mal aus- und wieder angemacht?

Irgendwann ganz am Ende habe ich dann ergoogelt, dass Outlook zum Darstellen von E-Mails hinter der Kulisse Word benutzt – und Word mehr oder weniger egal ist, wie man einen Absatz in einer Mail ausgerichtet hat. Falls Sie auch mal vor dem Problem stehen, fragen Sie gern nach, wir haben eh schon gescherzt, dass wir ein Business-Modell aus unserem inzwischen erworbenen Wissen machen sollten. Vielleicht auch nicht gescherzt.

Im CC bekomme ich mit wie eine andere Kundin sich mit einem Domain-Hoster schreibt, denn der möchte gerne, dass sie ihm beweist, dass sie sie ist – und da ich im Prinzip das ganze bei ihrem anderen Webhoster schon seit zwei Wochen tue, finde ich ganz gut, dass sie das ganze einmal live mitbekommt.
Immerhin sind’s hier nur zwei Wochen, der längste Wechsel des Webhosters hat bei wiederum noch jemand anderem 8 Wochen gedauert, weil wir nach dem Wegzug der ersten Domain nicht mehr ins Backend kamen. Gar nicht. Auch eine Art, Kunden zu halten – man versperrt ihnen einfach dem Weg zum Kündigungsformular.

Früher hab ich mal Websites konzipiert und gestaltet. Das war schön.

Später am Abend telefoniere ich mit der Liebsten, die gerade außerhäusig unterweg ist, dann einschlafen und repeat.

Aber immerhin hab ich ein bisschen

Zeugs

Ach Gottchen, was sollen die denn schon mit meinen Daten anfangen? Wo ich wann hingehe, das ist doch nun wirklich uninteressant“ – wie oft habe ich den Satz gehört? (Zu oft)
Jetzt ist sowohl die Technik als auch die unkontrolliert vulgär spätkapitalistische Gier weit genug, dass man was sinnvolles (aus Sicht der Tec-Bros) mit all den Daten anfangen kann: Individuelle Preise im Laden nämlich. Spoiler: Es sind nicht die Armen, die weniger bezahlen.

The next time someone says „Privacy doesn’t matter to me, I’ve got nothing to hide“, show them this video.

iodé auf Mastodon mit einem Video von TikTok

Wo wir bei Daten sind – die KI weiß doch immer alles, nicht wahr? Hier hat jemand einen schönen Test gemacht und die gängigen LLMs ein paar Folgen „Wer wird Millionär“ durchspielen lassen. Was hab ich gelacht. Nee, was hätte ich gelacht, wenn ich nicht knapp vorher diesen schönen, alles auf den Punkt bringenden Satz bei Insta gelesen hätte: „Leute, in Kürze kommt die Generation Ärzte, die ihr Studium mit KI gemacht hat, in die Krankenhäuser – Ihr solltet anfangen, gesund zu essen
Wo war ich? Ach ja, bei Wer wird Millionär-Benschmark für LLMs


Als ich die Liebste kennen lernte, erzählte sie mir einmal empört, sie habe die Ostertage mit ihrem damaligen Freund bei seinem Arbeitgeber verbringen müssen, auf so einem doofen Firmenevent. Das ist viele Jahre her und ist über die Zeit viel üblicher geworden. Aber ist es deswegen auch gut oder richtig? Oder hat die Gen-Dings mit ihrem „Das ist hier mein Brotjob und nicht mein Leben“ komplett recht? Oder musste es zu so einer krassen LMAA-Haltung kommen, weil die Gen-Davor wie fast überall den Bogen überspannt hat? Meine geschätzte Kundin Andrea (die nicht weiß und nicht beauftragt hat, dass ich hier Werbung für sie mache) hat darüber geschrieben:

Ich habe mich also kognitiv von dem Trend mitreißen lassen, mein Gefühl hat mir schon sehr früh etwas anderes zurückgemeldet. Zu dieser Zeit war ich Mutter von zwei kleinen Kindern und damit wichtiger Bestandteil unserer kleinen Familie. Jedes Abendessen mit Kollegen, jedes Kegeln, jeder ein- oder zweitägige Workshop außerhalb des Büros wurde für mich zur Bürde. Ich fühlte mich schlecht wegen meiner negativen Wahrnehmung. Ich dachte, es ist etwas nicht richtig mit mir. Heute weiß ich es besser und sogar die Systemtheorie gibt mir recht, leider kannte ich die zum damaligen Zeitpunkt nicht.
Die Systemtheorie sieht den Menschen außerhalb der Organisation – sozusagen in der Umwelt der Organisation. Innerhalb der Organisation sind nur die Rollen und die Kommunikations- und Entscheidungswege zwischen diesen Rollen verankert.
Aus meiner Sicht ist es befreiend für den Menschen, dass er nur über seine Rolle in das Unternehmen oder die Organisation eingebunden ist. Somit ist ihm erlaubt sich abzugrenzen, nach einer bestimmten Stundenzahl nach Hause zu gehen und frei zu entscheiden, wie sehr er seine Kolleginnen und Kollegen mag.

Andrea Schmitt, Innovation am Mittwoch:
Der Mensch ist nicht Teil der Organisation und das ist gut so!

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2 Kommentare

  1. https://hmbl.blog/10-11-12-dezember/#respond
    Das mit der Privacy hat mit erschreckt! – Ich werde das mal weitergeben an meine Familie, die das auch ganz überwiegend so „locker“ sieht.
    Vielen Dank!

    1. „ach Christian, das ist doch auch nicht so schlimm, die machen eh was sie wollen …“

      Aber vielleicht bin ich ja auch eine Unke.

Kommentare sind geschlossen.

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