Manchmal bin ich nicht nur einigermaßen intelligent, sondern auch klug und deswegen begann der Tag mit einer Runde durch den noch kühlen Wald.

Work: Danach tackerte ich mich vor die Zoom-Kamera und verließ den Platz gefühlt den ganzen Tag nicht mehr. Das schlimmste Ende eines dieser Gespräche war allerdings ein kleiner Kompromiss, alles andere endete mit „wie nett“, „wie schön“ und „so machen wir’s“-Verabredungen und ich nur noch bin hochgradig gespannt, ob ich morgen meine Zettel noch lesen kann.
Vollkommen sweet war die Kundin, der ich erklärt habe, dass der Mann, der ihr die Eingangstür folieren soll, nicht eine leere Folie nimmt und dann da durchsichtig draufdruckt, sondern dass an der Stelle gar keine Folie auf der Schreibe kleben wird.

Life: Schon fast zur Hälfte rum das Jahr und ich habe immer noch Probleme, „2026“ zu schreiben. Als habe ich Probleme damit, anzuerkennen, dass die goldenen Zwanziger ihre Mitte auch schon überschritten haben und immer noch einen ganz erheblichen Mangel an Güldenheit aufweisen.
Aber apropos „Zwanziger“*, wir hörten auf dem Weg vom Meer den Podcast „Das Geld zu Gast bei Freunden“, in dem Esther Sedlaczek „Die wirklich wahre Geschichte, wie Deutschland WM-Gastgeber 2006 wurde“ erzählt. Wir waren wirklich aller-, allerbestens unterhalten – zum einen von der gut gemachten Produktion, die kurzweilig Erzählung, Interview-Passagen und originale Tondokumente von damals zu einer spannenden und unterhaltsamen Mischung vereinen. Und zum anderen vom quasi minütlichen Wechsel zwischen herzhaftem Lachen und schmerzhafter Fremdscham.
Und: Eigentlich erzählt die Geschichte alles, was Sie wissen müssen, um zu verstehen, warum ich Deutschland nicht so töfte finde. Diese Hybris! Diese Kleingeistigkeit! Aber vielleicht tue ich da Deutschland auch unrecht und heimlich meine ich Bayern und das Sauerland – die tun sich da nicht so viel. Fügen Sie hier gerne irgendwo einen gedanklichen Link in unsere Regierungsebene ein.
*) ja, ich denke auch: Das war die übelste Überleitung, die ich bisher geschrieben habe
Gestern vor sieben Jahren erschien im Spiegel ein Artikel über einem Menschen, die den Trubel, den der Artikel auslöste, nicht überleben würde. Es war einer der schlimmsten Tage in diesem Internet – so schrieb ich gestern in ein sogenanntes soziales Netzwerk. „Sogenannt“ für mich auch seit eben diesem Tag, denn an diesem Tag zeigte sich mir auch im Bekanntenkreis das erste Mal so krass die hässliche Fratze derer, die es schon immer gewusst hatten und die frank, frei und ohne Mitleid nach der altbiblischen Regel von Auge um Auge fanden, wer dieses getan habe, der müsse halt nun auch jenes aushalten und sich selbstgefällig zurücklehnten, nachdem sie sich zu hunderten über einen Menschen hergemacht hatten.
Heute ist das vollkommen normal, heute nennen wir es „outcallen“, wenn wir es tun und „doxxing“, wenn die es tun, wobei „wir“ und „die“ sich nur darin unterscheiden ob wir uns der jeweiligen Gruppe zufällig zuordnen.
Balance: Der HalloFrischmann hatte gutes deutsches Essen in den Karton gepackt. Danach Fresskoma und eingeschlafen.

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❤️
Interessanterweise habe ich just gestern noch an die Person gedacht. Was für eine traurige Geschichte.