1.4.2022 – vom Loslassen

Heute Morgen hatte ich einen … Termin. Die Auslassungszeichen bedeuten in diesem Fall, dass ich irgendwie nicht weiß, denn der Termin war irgendwie rührend, irgendwie seltsam, irgendwie vollkommen überflüssig – ach, sehr viel halt.
Ich traf mich nämlich mit einem ehemaligen und einem neuen Abteilungsleiter, um den Besitzwechsel der Website vom alten Abteilungsleiter zur Firma zu besiegeln. Sie vermuten richtig: dafür gibt es ein Formular, das man per Post, Fax oder E-Mail an den Webhoster schicken kann und mit dem dann alles seinen Weg geht. Dieses Formular muss vom alten Vertragsinhaber und vom neuen Vertragspartner unterschrieben werden, alles easy.
Der alte Abteilungsleiter wollte aber gerne nochmal in die Firma kommen. Das könne man doch schön mit einem gemeinsamen Termin kombinieren, dann lerne man sich doch mal direkt kennen.
Oder, in other words: Er kann nicht gut loslassen.
Wir haben dann auch eine halbe Stunde in einem Konferenzraum, in dem es sanft durch die offenen Fenster schneite verbracht. An drei Seiten eines 14er-Tisches und SmallTalk gemacht über das Business im Allgemeinen, hier im Ort im Besonderen und die Politik, ach ja, immer die Politik, Herr Fischer.

Nun gehört die Website der Firma nach all den Jahren der Firma und das ist ja auch gut. Der Fortschritt ist halt nicht aufzuhalten und es gab auch nur noch einen kurzen Moment der Irritation, als wir alle drei gleichzeitig aussprachen, wie denn das Formular zum Hoster käme. Wir sprachen wie gesagt gleichzeitig, sagten aber nicht das selbe und Sie dürfen jetzt raten, wer von uns dreien welche Methode aussprach – ich erinnere nochmal: Es geht per Brief, Fax und E-Mail.
Der Fortschritt ist halt nicht aufzuhalten.

Darüber hinaus würde ich Sie bitten, mal rüber zu Frau Diekmann zu gehen:

Diese Empörungswellen bringen sehr viel Aufmerksamkeit. Allerdings nur denjenigen, die am empörtesten sind – Stichwort Algorithmen. Es tut der Diskussion keinen Gefallen, denn es verdrängt nach und nach immer mehr Grautöne aus unser aller Debattenkultur.
Die unerbittliche Härte, die dadurch einzieht, macht es unmöglich, sich auszutauschen. Sie stößt Menschen ab und zurück, sie lässt sich Menschen zurückziehen. Dieses Freund-Feind-Schema simplifiziert unsere komplexe Welt. Aber nicht mit dem Resultat, dass wir sie besser verstehen. Sondern mit dem, dass wir uns nicht mehr verstehen. Weil einige gar nicht mehr versuchen wollen, zu verstehen. Sie wollen Recht behalten. Oft nur für den Klick.
Das Empörungs-Wellenreiten ist einfacher als das genuine, auf dem Meer. Aber es ist ekliger. Es schießt einem dabei kein Wasser aus der Nase. Man versprüht Gift.

Nicole Diekmann: 31. März 2022
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